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Ganzheitliche Bild-, Gestalt- & Trauma-therapie (BGT): Was ist das Besondere an „unserer“ BGT

Am Forum Gilching e.V. bilden wir  –  Ute und Rudolf Schneider – seit September 2006 in einer Therapieform aus, die sich über Jahre hinweg in unseren  Ausbildungsseminaren entwickelt hat und viele bereits bekannte Richtungen der Psychologie und Psychotherapie in sich vereint. Wir haben ihr den Namen  Ganzheitliche Bild-, Gestalt- und Traumatherapie (Kurzform: BGT) gegeben. Warum wir diesen Namen gewählt haben, ist nachfolgender Kurzbeschreibung  zu entnehmen.

Elemente aus Philosophie, Psychologie und Psychotherapie, die sich in unserer BGT zu einer „Ganzheitlichen Psychotherapie“ verbunden haben

1. Gestalt-Psychologie: Der Begriff „Gestalt“ als philosophischer und psychologischer Begriff geht auf u.a. auf Max Wertheimer zurück, der in den Jahren 1910-1914 in Experimenten und wissenschaftlichen Beiträgen die Grundlagen der Gestaltpsychologie/Gestaltphilosophie erarbeitete. Wertheimer ging davon aus, dass jeder lebende Organismus nach Ganzheit strebt, genauer: nach einem „sinnvollen Ganzen“, das mehr ist „als die Summe seiner Teile“ (Aristoteles). Auf den Menschen übertragen bedeutet dies: unser Körper  ist mehr als die Summe seiner Glieder und Organe, unser Ich ist mehr als die Summe unserer einzelnen Gedanken, Gefühle und Körperempfindungen. In diesem Sinne von „Ganzheit“ verwenden wir den Begriff  „Gestalttherapie“ in unserer  ganzheitlichen  BGT: Sie soll den Menschen helfen, wieder  „ganz“ zu werden. Da Körper, Geist und Seele nach gestaltpsycho­logischer Vorstellung eine „untrennbare Einheit“ bilden, wirken sich seelische Verletzungen auch auf den Körper aus und umgekehrt.

2. Gestalt-Therapie nach Fritz Perls:  Der Psychotherapeut Fritz Pearls hat in seinem Buch „Gestalt Therapy“ (1951) die oben beschriebenen philoso­phischen und naturwissenschaft­lichen Vorstellungen von „Gestalt“ in seine therapeutische Arbeit integriert. Dabei kam er zu einer wichtigen Erkennt­nis: der Mensch wächst und entwickelt sich hin zum „Ganz-Sein“ im Kontakt mit seiner Umwelt. Wenn wir in Kontakt mit der Umwelt treten, machen wir neue Erfahrun­gen, die unsere Denkmuster und unser Verhalten verändern. Erfah­rungen machen wir allerdings nicht über unseren Verstand, sondern in erster Linie über unsere Sinne, über unsere Wahrnehmungen im Hier und Jetzt. Fritz Perls hat diese Er­kennt­nis mit einem berühmten Satz auf einen Nenner gebracht: „Get out of your head and come to your senses“ (Auf Deutsch in etwa: „Lass das Denken, komm zu deinen Sinnen“ = Sinneswahrnehmungen)

3. Ego-State Therapie nach John und Helen Watkins : Die Ego-State-Therapy geht davon aus, dass sich das „Ich“ eines Menschen aus verschiedenen Ich-Anteilen („ego states“) zusammen­setzt, von denen manche so abgespalten sind, dass wir sie nicht bewusst wahr­nehmen. Vor allem traumatisierte Kindan­teile führen in unserem Energiefeld häufig eine Art Eigenleben und stehen oft im Widerspruch zu den Gedanken, Gefühlen und Verhaltens­weisen des Erwachsenen-Ichs. Ähnlich wie bei der Ego-State-Therapie ist ein wichtiges Ziel unserer BGT, unbe­kannte Ich-Anteile ins Bewusstsein zu heben und sie nach Verarbeitung der zugrundeliegenden Trauma-Erfahrung in das „innere Team“, in die „innere Familie“ zu integrieren.

4. Traumatherapie/EMDR:  Viele unserer Kindanteile haben traumatische Erfahrungen ge­macht, für deren Verarbeitung wir u.a. auch Techniken des EMDR verwenden, die  in den Büchern von Francine Shapiro und Laurel Parnell beschrieben werden. Wenn wir z.B. im therapeutischen Prozess danach fragen, welche Emotionen und Körperempfindungen ein inneres Kind in einer belastenden Situation hatte und welche irrationalen Gedanken und Glaubenssätze noch bis in die Gegenwart weiter wirken (z.B. „Ich darf mich nicht wehren“ – „Ich bin völlig hilflos“), ist diese Vorgehensweise  dem EMDR-Standardprotokoll nach Francine Shapiro entlehnt.

5. Gesprächstherapie nach  Carl Rogers: Nach dem 2. Weltkrieg hat der Carl Rogers seine   Gesprächspsychotherapie als Gegenmodell zur Psychoanalyse  entwickelt. Neben den allseits bekannten Eigenschaften des Therapeuten (Empathie, Selbstkongruenz, Akzeptanz) ist bei  Rogers der Glaube an die Selbst­heilungskräfte des Einzelnen ein zentrales Element.  Ähnlich wie Rogers sind wir überzeugt davon, dass diese Selbstheilungskräfte sich nur  über  Erfahrungen mit der Umwelt ent­falten können.  Eigene Erfahrungen haben für Rogers die „höchste Autorität“: „Experience is, for me, the highest authority. No other person’s ideas, and none of my own ideas, are as authoritative as my experience“ (Frei übersetzt: “Erfahrung ist für mich die höchste Autorität. Keine Ideen eines anderen Menschen, auch keine meiner eigenen Vorstellungen sind so macht­voll und prägend wie die eigene Erfahrung”).

Unsere BGT (Ganzheitliche Bild-, Gestalt und Traumatherapie) in Kürze

1. Ähnlich wie die Gestaltpsychologie gehen wir von der Grundannahme aus, dass Körper, Geist und Seele eine untrennbare Einheit bilden. Wenn ein Anteil dieser Einheit nachhaltig verletzt oder belastet ist, wird der Mensch krank. Ziel unserer Therapie ist es deshalb, Verwundungen des Körpers und/oder der Seele zu heilen, damit  die betroffenen Menschen wieder zurück zur „Ganzheit“ finden.
2. Verwundungen der Seele entstehen oft in frühen Phasen unserer Entwicklung: In der Kindheit, im Baby- oder Säuglingsalter, manchmal sogar schon im Mutterleib oder bei der Geburt.  Häufig handelt es sich hierbei um Erlebnisse, die von den „inneren Kindern“ als Schock oder Trauma erlebt wurden.3. Ähnlich wie bei der Therapie einer PTBS im Erwachsenenalter verwenden wir für die Verarbeitung frühkindlicher Traumata Techniken des EMDR, die wir von unserer EMDR-Ausbildung nach Francine Shapiro übernommen haben: Fragen nach Körpergefühl und Emotionen zum Beispiel,  oder das Erspüren von  negativen Glaubensätzen, die in frühen Phasen der seelischen Entwicklung geprägt wurden und in aktuellen Lebenssituationen oft flashbackartig reaktiviert werden. In unserer ganzheitlichen Bild-, Gestalt- und TRAUMATHERAPIE versuchen wir, die Ursache für belastende Verhaltensmuster der Gegenwart aufzuspüren und dort zu verarbeiten, wo die damit verknüpften Gedanken, Emotionen und Körperempfindungen entstanden sind.
4. Extrem wichtig hierbei ist es, dass wir therapeutisch mit der richtigen Person arbeiten, denn die irrationalen Gefühle, Gedanken und Verhaltensweisen gehören in den meisten Fällen nicht zu dem Ich von heu­te, sondern zu einem inneren Kind, das evtl. Gewalt, Vernachlässigung, Missbrauch oder den frühen Tod eines geliebten Menschen erlebt hat. Am Ende der Verarbeitung steht dann oft die Erkenntnis eines inneren Kindes: „Es war schlimm, aber heute lebe ich nicht mehr in der Situation von damals, das alles ist heute vorbei!“
5. Aus der Traumaforschung wissen wir überdies , dass bei einem Schock oder einem belastenden Ereignis Teile unserer Lebensenergie zu unserem Schutz weggehen. Die Griechen nannten diese Lebensenergie Psyche = Seele. Ziel unserer ganzheitlichen „PSYCHO“-Therapie ist es unter anderem, unsere weggegangenen „Seelenanteile“ zu­rückzuholen und auf diese Weise unsere „Psyche“, unsere Lebensenergie, unsere Lebenskraft wieder „ganz“ werden zu lassen.—
6. Um leichter in das Wahrnehmen zu gehen, verwenden wir Zeichnungen: Einfache Strichmännchen, manchmal auch Symbole aus dem katathymen Bilderleben, z.B. Baum, Blume oder Haus. Der Klient legt die Hand auf das Bild, er­spürt mit dem eigenen Körper, wie es dem Männchen, dem Baum, der Blume geht und malt seine Gefüh­le und Körperempfindungen farbig hinein. Dieses Erspüren von Gefühlen und Körperempfindungen über einfache Bilder ist ein zentrales Merkmal unserer ganzheitlichen BILD-, Gestalt- und Traumatherapie (BGT).
7. Strichmännchen sind auch ein wichtiges Instrument beim Aufspüren  innerer Kindanteile, die – wie oben beschrieben – oft das Denken und Fühlen des Erwachsenen-Ichs überlagern und den Menschen im Hier und Jetzt auf eine Weise reagieren lassen, als sei er noch ein Säugling, Baby, Kind oder Teenager.  Der Klient zeichnet hierbei eine aktuelle Problemsituation, malt in das Strichmännchen von heute alle hierbei auftauchenden negativen Emotionen und Körperempfindungen farbig hinein und lässt sich über diese Problemfarben in eine Situation aus der Kindheit tragen, in der eins seiner  inneren Kinder so gedacht und gefühlt hat wie der Erwachsene von heute. In manchen Fällen geht die „Reise“ weit, weit zurück: in das Säuglings- und Babyalter, in die Geburt oder in den Mutterleib, wo der Embryo oder Foetus noch weitgehend eins mit der Mutter war und ihre Gefühle, Gedanken und körperlichen Befindlichkeiten am eigenen Leib gespürt hat.8. Anders als in der Gesprächstherapie nach Rogers redet der Therapeut bei uns wenig. Ähnlich wie in der EMDR-Therapie ist seine Standard­frage meist: „Was kannst du wahrnehmen?“ bzw. „Was hat sich verändert?“ Oder, wenn der Klient über seine Wahrnehmun­gen spricht: „Bleib dabei“, “Nimm es wahr“, „Ist gut so. Die Gefühle dürfen jetzt sein.“ – Wenn der Klient beginnt, nach Erklärungen zu suchen, sagt der Therapeut einfach nur: „Ist in Ordnung so, aber jetzt komm zurück zu deinem Bild…leg nochmals die Hand auf das Männ­chen/ den Baum/die Blume… Wie geht es ihm/ihr? Was sonst noch kannst du wahrnehmen?“

Das sind zusammengefasst die zentralen Merkmale unserer BGT. In einem weiteren Beitrag werde ich anhand eines typischen Beispiels beschreiben, wie Techniken der Trauma-therapie, Innere-Kind-Arbeit und Spiritualität in Verbindung mit einfachen Bildern sich in unserer „Ganzheitlichen Bild-, Gestalt- und Traumatherapie“ zu einem harmonischen Ganzen verbunden haben.

Wer sich für unsere BGT-Ausbildung interessiert: Weitere Infos findet Ihr unter
https://www.forum-gilching.de/ausbildung/bild-gestalt-und-traumatherapie.html

Bild unten: Ute Schneider als Supervisorin in der BGT-Ausbildung

 

Schriftliche HP-Prüfung (Psychotherapie), 10. Oktober 2018

Die Lösungen für Gruppe A und B stehen ab sofort auf  der Website des Forums Gilching e.V. unter https://www.forum-gilching.de/pruefungsfragen/oktober-2018.html

Kommentar:
Wie schon in den letzten Jahren war die Prüfung nicht leicht, auch wenn viele unserer Prüflinge mit 3-5 Fehlern bestanden haben. „Knackpunkte“ waren – wie in den letzten beiden Prüfungen – u.a.  Fragen zu Themenbereichen, die bisher noch nie im „Schriftlichen“ gefragt wurden, z.B. den Begriff „Habituation“, das Rett-Syndrom,  Störungen des Sozialverhaltens, Denkfehler im Rahmen der kognitiven Therapie, Fragen zu „formellen Achtsamkeitsübungen“… Nebenbei gesagt: ich wusste bisher nicht, dass die aus dem Zen-Buddhismus kommenen Übungen zur Achtsamkeit (Geh- oder Atemmeditation, Body Scan etc. ) zur Psychotherapie zählen, auch wenn Sie natürlich in verschiedenen Therapieformen  – z.B. in der DBT (dialektisch behavioralen Therapie) –  als eines von vielen „Werkzeugen“ Anwendung finden.

Auffällig ist, dass  die Prüfer in letzter Zeit Themenbereiche einbauen, die man in den herunterzuladenden Prüfungsfragen nicht findet, weil sie bisher nie oder fast nie im Schriftlichenvorkamedn. Beispiele vom Oktober 2018 wurden oben schon aufgeführt. Ein halbes Jahr vorher – iIm Frühjahr 2018 – waren es Themen wie Migräne, multiple Sklerose und Sexualstörungen, im Oktober 2017 dann Fragen zur Bindungsstörung und zur dissoziativen Amnesie, im März 2017 Fragen zur expressiven und rezeptiven Sprachstörung bei Kindern und zum HAWIE-Intelligenzterst, im März 2016 zu psychiatrischen Notfallsituationen , zum operanten Konditionieren und zum Messie-Syndrom.

Was also tun?

Es ist sicher nicht sinnvoll, mehrere Psychatriebücher durchzuarbeiten, um sich „optimal“ auf die Prüfung vorzubereiten. Besser ist es sich darauf einzustellen, dass einige wenige Fragen kommen werden, bei denen es darum geht, den gesunden Menschenverstand einzuschalten oder über ein Ausschlussverfahren andere Lösungen auszuschließen. Ein typisches Beispiel hierfür in Prüfung 2018-2:

Einfachauswahl. Eine Mutter bittet um eine Entwicklungsdiagnostik bei ihrer 2-jährigen Tochter. Das Mädchen habe sich zunächst unauffällig entwickelt, mit 1 Jahr zu laufen und zu sprechen begonnen. Seit mehreren Monaten stagniere die Entwicklung; bereits erworbene Fähigkeiten habe sie wieder verlernt. Das Kind laufe zunehmend schlechter, spreche immer weniger und müsse wieder gefüttert werden. Bei der Untersuchung fallen unter anderem Stereotypien der Hände (waschende Bewegungen) auf.
Welche der folgenden Diagnosen trifft am ehesten zu?

□   A   Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)
□   B   Selektiver Mutismus
□   C   Rett-Syndrom
□   D  Chorea Huntington
□   E   Sogenannte Trotzphase

Bei genauem Lesen der Fallgeschichte entfallen die Lösungsvorschläge A, B, D und E (das Kind ist gerade erst 2 Jahre alt!). Dann bleibt nur Lösung C übrig.

Ähnliches gilt für die Frage über Denkfehler: „Denkfehler“  im Rahmen der kognitiven Therapie der Depression (nach Beck) sind:

(1) Generalisierung
(2) Wahngedanken
(3) Katastrophisierung
(4) Schwarz-Weiß-Denken
(5) Vermeidungsverhalten

□ A Nur die Aussagen 1 und 3 sind richtig
□ B Nur die Aussagen 1, 2 und 4 sind richtig
□ C Nur die Aussagen 1, 3 und 4 sind richtig
□ D Nur die Aussagen 2, 4 und 5 sind richtig
□ E Alle Aussagen sind richtig

Vermeidungsverhalten (5) ist kein DENK-Fehler; ein Wahngedanke ist kein Denkfehler, sondern eine unkorrigierbare Idee (inhaltliche Denkstörung). Es bleiben damit nur 1, 3 und 4 übrig. Da ging es dann darum auszuwählen, ob eher A oder C zutreffend sind.

Weitere Tipps

1. Wiederholt das, was Ihr im Kurs oder im Selbststudium gelernt habt, in Abständen immer wieder, bis es sich im Kopf verankert hat und auch bei Aufregung abrufbar ist. Zu viel Detailwissen kann das Gehirn nicht aufnehmen, die Kapazität Eures „Speichers“ ist begrenzt. Haltet Euch vor Augen, dass Ihr 7 Fehler machen dürft, wenn zwei oder drei Fragen auftauc hen, die Euc h schwierig oder unbekannt vorkommen, konzentriert Euch auf die, die Ihr gut gelernt habt.

2. In jeder Prüfung kommen ein bis drei Fragen vor, die schon einmal wörtlich oder fast wörtlich in früheren – z.T. länger zurückliegenden Prüfungen – vorgekommen sind. In der Prüfung 18-1 waren es die Fragen zur abhängigen PS, zur schizotypen Störung (wörtlich in 15-2) und zur sozialen Angststörung (in 16-1). Auch viele andere Fragen konnte man aus dem Vorwissen zu vorangegangenen Prüfungen gut erschließe. Deshalb rate Ich, kurz vor dem Schriftlichen nicht weitere Bücher zu wälzen, sondern sich voll auf frühere  Prüfungsfragen zu konzentrieren. Viele Prüflinge haben dies mit meinen Lernkarten getan, die inzwischen in Neuauflage erschienen sind:

 

Heilpraktiker für Psychotherapie: Tipps für die schriftliche und mündliche Prüfung 2017-2

Tipps für die schriftliche Prüfung im Oktober 2017
Ich bin im Augenblick bei der Überarbeitung des Vorbereitungsbuchs zur schriftlichen Prüfung (erscheint im Herbst 2017) und einer Neuauflage der „Lernkarten“ (2007-2017, erscheint im Sommer 2018). Bei der Durchsicht der über 1000 Prüfungsfragen seit Beginn der Prüfung ist mir aufgefallen, dass es in jeder Prüfung mindestens 5-6 Fragen gab, die wörtlich oder fast wörtlich in vergangenen Prüfungen vorkamen. in der Prüfung 2017-1 waren es folgende Fragen:
Frage 13: Soziale Phobie –> Prüfung 10-2
Frage 16: Nebenwirkungen von Lithium –> Prüfung 15-1
Frage 19: Störungen der Psychomotorik bei Schizophrenie –> Prüfung 15-2
Frage 20: Somatisches Syndrom bei depressiver Episode –> Prüfung 15-2
Frage 27: Zu den quantitativen Bewusstseinsstörungen zählen… –> Prüfung 14-2

Auch in den Prüfungen der Jahre 2015 und 2016 fanden sich diverse Prüfungsfragen, die schon einmal vorgekommen sind. Deshalb mein Tipp: Mehrmaliges „Durchgehen“ vergangener Prüfungsfragen, möglichst mit mehrfacher Wiederholung der Fragen, die falsch beantwortet wurden. Die Fragen der Prüfungen 2015-1, 2015-2, 2016-1, 2016-2 und 2017-1 finden Sie – mit ausführlichen Kommentaren – auf der Website des Forums Gilching e.V. www.forum-gilching.de.

Fragen der Jahre 2004 bis 2014 finden Sie in meinen „Lernkarten“ mit Kommentaren zu jeder richtigen oder falschen Lösung.

Tipps für die mündliche Prüfung 2017+2018 (Teil 1)
In der mündlichen Prüfung werden in der letzten Zeit mehr und mehr differenzialdiagnostische Kenntnisse verlangt, die weit über den psychischen Bereich hinausgehen. Hier einige Beispiel aus dem „Mündlichen“:

Beispiel 1:
Prüfer: Jemand hat immer wieder Panikattacken. Welche körperlichen Erkrankungen müssten Sie zuallererst durch weitere Fragen ausschließen? –> Hyperthyreose – Hypoglykämie – Koronare Herzkrankheit (z.B. Angina pectoris) – Epilepsie – Asthma bronchiale
Prüfer: Wenn Sie eine körperliche Verursachung ausgeschlossen haben: Welche psychischen Erkrankungen müssten Sie durch weitere Fragen abklären? –> Panikstörung; Agoraphobie; Herzangstsyndrom; soziale Phobie; Klaustrophobie; Akrophobie etc.
Beispiel 2:
Prüfer: Jemand kommt stark untergewichtig in Ihre Praxis. Welche körperlichen Ursachen müssten Sie vorweg abklären, bevor Sie die Diagnose „Magersucht“ in Betracht ziehen:
–> Colitis ulcerosa – Morbus Crohn – Unverträglichkeit von Nahrungsmitteln – Hyperthyreose – Hirntumor – Krebserkrankung
Prüfer: Was müssten Sie – abgesehen von der Diagnose Magersucht – als DD noch in Betracht ziehen (psychische Ursachen): schwere depressive Episode (somatisches Syndrom) – wahnhafte Störung (z.B. Vergiftungswahn) – Missbrauch von Stimulanzien
Beispiel 3:
Prüfer: Eine Grundschullehrerin kommt wegen Ängsten und depressiven Verstimmungen in die Praxis. Vor dem Unterricht habe sie mehrmals alles verschwommen gesehen, außerdem habe sie offensichtlich Kreislaufprobleme: In Stresssituationen habe sie des Öfteren ein seltsames Kribbeln oder auch ein pelziges Gefühl in den Händen oder den Füßen. Oft sei sie so erschöpft, dass sie sich in einer Freistunde im Lehrerzimmer hinlegen müsse.
Diagnose: Organische Depression als Folge von MS oder eines Hirntumors. Im Anschluss daran diverse Fragen zur Entstehung von MS, Behandlungsmöglichkeiten, Verlauf und Auftretenswahrscheinlichkeit.

Übrigens: In meinem Kurzlehrbuch „Psychiatrie leicht verstehen“ gibt es zu jedem Krankheitsbild nicht nur eine dazu passende Fallgeschichte, sondern auch einen Abschnitt mit Hinweisen zu verschiedensten Differenzialdiagnosen. Das Buch erscheint Mitte Oktober 2017. Weitere Merkmale: 150 spannende und einprägsame Fallgeschichten, in denen die Diagnosekriterien nach ICD 10 hervorgehoben sind. Dazu eine eingängige Sprache und mehrfaches Wiederholen von Fachbegriffen, Symptomen und Diagnosekriterien sowie zahlreiche Illustrationen, Merkwörter und Gedächtnisstützen, die helfen sollen, das Gelernte auch in der Prüfungssituation leicht abzurufen.

Tipps für die mündliche Prüfung 2017/2018 (Teil 2)
Immer wieder wird uns berichtet, man brauche für die Prüfung keine psychotherapeutische Ausbildung. Dies ist allein schon durch die Gesetzesvorlage nicht gegeben, wo es heisst: Der Prüfling muss überdies „die Befähigung besitzen, Patienten entsprechend der Diagnose psychotherapeutisch zu behandeln“ und fähig sein, mit seiner Art von Psychotherapie „therapeutisch auf den Befund so zu reagieren, dass der Patient durch die konkrete Behandlung keinen gesundheitlichen Schaden erleidet“. Dies ohne eine Ausbildung in Psychotherapie zu gewährleisten wäre realitätsfremd. Behauptungen, man brauche für den „HP-Psych“ keine Psychotherapieausbildung widersprechen den gesetzlichen Vorgaben und Bedingungen des oben zitierten Urteils (BVerwG 3 C 34.90 vom 31.01.93). Angesichts der PLanungen aller Parteien, im Dezember 2017 durch gesetzliche Leitlinien die Zulassungsbedingungen zur HP-Prüfung zu verschärfen, ist nicht auszuschließen, dass auch in Bezug auf die Prüfung zum Heilpraktiker für Psychotherapie die psychotherapeutische Ausbildung der Prüflinge stärker als bisher hinterfragt wird.

HP-Psychotherapie: Schriftliche Prüfung vom Oktober 2015

Die schriftliche Prüfung vom Herbst 2015 (Heilpraktiker für Psychotherapie) war nicht leicht. Einige Fragen waren in den letzten 20 Jahren noch nie Thema – z.B. Fragen zur schizotypen Störung; oder dass Alzheimer und vaskuläre Demenz gemeinsam auftreten können (ICD-10/F00.2). Auch dass ein HP-Psych Tic-Störungen, ADHS oder Exhibitionismus behandeln darf, wenn er eine entsprechende Ausbildung (z.B. VT) absolviert hat, hat einige Teilnehmer verwirrt.

Auch die Frage zu den Ursachen für eine Intelligenzminderung empfanden viele Teilnehmer als schwierig. Wichtig hierbei: eine Intelligenzminderung entsteht meist (aber nicht immer) durch eine Schädigung im Mutterleib, bei oder kurz nach der Geburt. Allerdings gibt es auch Schädigungen des Gehirns zu einem späteren Zeit der frühkindlichen Entwicklung. Bei Wikipedia findet sich als Ursache einer Intelligenzminderung z.B. auch eine angeborene Hypothyreose oder eine Maserninfektion. Die Frage war eine „Falle“, denn bei einer normalen Hypothyreose (z.B. im Erwachsenenalter) ist die Folgeerkrankung eventuell eine Demenz, keine Intelligenzminderung. Unter Wikipedia finden sich als Ursachen für eine Intelligenzminderung:
• Pränatal genetisch-chromosomal (z.B.Trisomie 21) oder stoffwechselbedingt (z. B. Phenylketonurie oder Galaktosämie),
• Pränatal umweltbedingt. Viruserkrankungen (z. B. Röteln) oder Intoxikationen (Medikamente; Drogen wie Alkohol) und Hypoxien (z. B. durch mütterliches Rauchen während der Schwangerschaft).
• Pränatal multifaktorielle Ursachen sind bedingt durch hirnorganische Entwicklungsdefekte mit Epilepsien oder Hydrocephalus in der Folge.
• Perinatale Ursachen: Frühgeburtlichkeit oder Geburtstraumen.
• Postnatale Ursachen: Infektionen (z. B. Meningitis oder Enzephalitis), endokrinologisch (z. B. durch eine Hypothyreose); Impfschäden.

Zu Frage A16/B11: Was darf ein Heilpraktiker für Psychotherapie behandeln?
Grundlage hierfür ist das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 21.1.1993, deren zwei wichtigsten Punkte bei der Beantwortung obiger Prüfungsfrage hier zusammengefasst werden:
● Der Prüfling muss „die Befähigung haben, seelische Krankheiten und Leiden … als solche zu erkennen … um therapeutisch auf den Befund so zu reagieren, dass der Patient durch die konkrete Behandlung keinen gesundheitlichen Schaden erleidet.“
● Der Prüfling muss „die Befähigung besitzen, Patienten entsprechend der Diagnose psychotherapeutisch zu behandeln.“ Voraussetzung hierfür ist eine Ausbildung in einem psychotherapeutischen Verfahren, das nach allgemeinem Wissensstand i.d.R. für die entsprechende Störung angewandt wird. Häufig ist dies – z.B. bei leichteren Formen von ADHS, vorübergehenden Tic-Störungen, Angststörungen und Exhibitionismus – die Verhaltenstherapie. Jemand, der eine fundierte Ausbildung in Verhaltenstherapie absolviert hat, kann also durchaus auch einen Klienten mit Exhibitionismus behandeln, wenn er/sie hier schon Erfahrungenm gesammelt hat. Dass Exhibitionisten meist keine Krankheitseinsicht zeigen und i.d.R. nicht freiwillig in die Praxis kommen, sei nur nebenbei bemerkt.

Noch ein Wort zu psychischen Erkrankungen, die einen „Straftatbestand“ erfüllen: Wenn jemand unter seiner Störung leidet und bei einem HP-Psych Hilfe sucht, kann dieser eine Behandlung zwar ablehnen, darf aber auch Hilfe leisten, wenn er sich dazu befähigt fühlt und eine entsprechende Ausbildung absolviert hat. Ausnahme: Ein Klient erzählt mir, dass er ein schweres Verbrechen wie z.B. einen Mord oder eine Geiselnahme plant (!!!). In diesem Fall bin ich rechtlich verpflichtet, dies der Polizei zu melden (§ 138, StGB). Aus § 138/StGB geht indirekt aber auch hervor, dass ein Arzt oder Therapeut sich nicht strafbar macht, wenn er weniger schwere Vergehen nicht anzeigt. Auch bei früher vergangenen leichteren Verstößen gegen das Gesetz unterliegt er – ähnlich wie ein Anwalt oder ein Priester – der Schweigepflicht.

Unsere Lösungsvorschläge für beide Gruppen der schriftlichen Prüfung (Heilpraktiker Psychotherapie) finden Sie auf der Website des Forums Gilching unter
Forum-Gilching.de (Prüfung Oktober 2015)

Vorschau auf die schriftl. Prüfung 14-2

Wie in meinem letzten Beitrag schon angedeutet, ist im Herbst 2014 eine ähnlich schwierige schriftliche Prüfung zu erwarten wie in diesem Frühjahr (Bestehensquote landesweit: 30-40 %). Für einen HP-Psychotherapie sei es wichtig, psychische Erkrankungen differenzialdiagnostisch von körperlichen Erkrankungen abzugrenzen, deshalb seien auch in den nächsten Prüfungen Fragen wie die in der letzten Prüfung zu erwarten. Damit Sie sich zumindest in den Bereichen, die in der letzten Prüfung abgefragt wurde, optimal vorbereiten können, habe ich die Lösungen auf unserer Website stark erweitert, so dass jetzt z.B. auch Fragen zu folgenden Themen detailliert erklärt werden:

– Was versteht man in der Psychiatrie unter Konkretismus?
– Was genau ist ein „metabolisches Syndrom“
– Was hat eine Fettstoffwechselstörung mit einer vaskulären Demenz zu tun?
– Was sind Frühsymptome der Huntington-Erkrankung?
– Was genau wird beim Blutbild überprüft? Was ist hier bei der Magersucht verändert?
– Was ist der Unterschied zwischen einer retrograden und einer anterograden Amnesie?
– Eine „querulatorische Persönlichkeitsstörung“ – gibt es die überhaupt?
– Was bedeutet der Begriff „hohe (bzw.niedrige) therapeutische Breite“?

Mehr dazu unter Forum-Gilching.de (Prüf.März 2014)

Fernsehtipp: Lebenslinien. Der Krieg in meinem Kopf (Bayer. Fernsehen, 03.02.2014, 21.00 Uhr)

Der ehemalige Elitesoldat Robert kämpft als Fallschirmjäger erst im Kosovo, später in Afghanistan. Am 2. März 2002 explodiert zwei Meter neben ihm eine Rakete. Fünf Soldaten vor ihm werden getötet, auch zwei seiner Kameraden. Er selbst überlebt wie durch ein Wunder. Die äußeren Wunden verheilen, aber für ihn ist nichts mehr wie zuvor. Er leidet unter Schlafstörungen und Albträumen, kleinste Gerüche oder Geräusche reichen, und er ist wieder mitten im Krieg. Er hat aggressive Ausbrüche und zieht sich immer weiter von seiner Familie und seinem Umfeld zurück. Die Ärzte diagnostizieren eine chronische PTBS.

Weitere Infos unter www.phoenix.de und BR: Lebenslinien

Titelschutz für „Hypnotherapeuten“

Im Dezember 2013 hat die „Deutsche Gesellschaft für Hypnose und Hypnotherapie e.V.“ (DGH) auf ihrer Internetseite einen Beitrag zum Titelschutz für Hypno- bzw. Hypnosetherapeuten veröffentlicht. Die DGH berichtet, sie habe eine auf das Medizinrecht/Gesundheitsrecht spezialisierte Rechtsanwaltskanzlei in Berlin mit der Erstellung einer rechtsgutachterlichen Stellungnahme zu der Frage beauftragt, auf Grund welcher Qualifikation jemand sich als Hypnotherapeut bezeichnen darf. Die Bezeichnung „Therapeut“ werde von den Patienten als Hinweis auf eine Person verstanden, die über eine Approbation verfüge (Psychologischer Psychotherapeut; Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeut etc.).

Zitat: „Daher haben die Zivilgerichte beispielsweise die Bezeichnung als „Familientherapeut“ und als „Praxis für Traumatherapie“ durch Nicht-Approbierte für unzulässig gehalten, soweit nicht für die Patienten klar zu erkennen ist, dass der Ankündigende NICHT über eine entsprechende Qualifikation (Approbation) verfügt.“ Mehr hierzu auf www.dgh-hypnose.de

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Mein erster Blog

Hallo zusammen,

RuNeuich freue mich, zum ersten Mal einen Blog-Eintrag zu verfassen, auf den sicher noch viele folgen werden. Für die folgenden Einträge habe ich mir einiges vorgenommen und würde mich freuen, wenn  viele andere Menschen, die sich für die Themen Psychologie und Psychotherapie interessieren, sich hin und wieder einloggen und sich über eins oder mehrere der folgenden Themen informieren.

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