HP-Psychotherapie: Schriftliche Prüfung vom Oktober 2015

Die schriftliche Prüfung vom Herbst 2015 (Heilpraktiker für Psychotherapie) war nicht leicht. Einige Fragen waren in den letzten 20 Jahren noch nie Thema – z.B. Fragen zur schizotypen Störung; oder dass Alzheimer und vaskuläre Demenz gemeinsam auftreten können (ICD-10/F00.2). Auch dass ein HP-Psych Tic-Störungen, ADHS oder Exhibitionismus behandeln darf, wenn er eine entsprechende Ausbildung (z.B. VT) absolviert hat, hat einige Teilnehmer verwirrt.

Auch die Frage zu den Ursachen für eine Intelligenzminderung empfanden viele Teilnehmer als schwierig. Wichtig hierbei: eine Intelligenzminderung entsteht meist (aber nicht immer) durch eine Schädigung im Mutterleib, bei oder kurz nach der Geburt. Allerdings gibt es auch Schädigungen des Gehirns zu einem späteren Zeit der frühkindlichen Entwicklung. Bei Wikipedia findet sich als Ursache einer Intelligenzminderung z.B. auch eine angeborene Hypothyreose oder eine Maserninfektion. Die Frage war eine „Falle“, denn bei einer normalen Hypothyreose (z.B. im Erwachsenenalter) ist die Folgeerkrankung eventuell eine Demenz, keine Intelligenzminderung. Unter Wikipedia finden sich als Ursachen für eine Intelligenzminderung:
• Pränatal genetisch-chromosomal (z.B.Trisomie 21) oder stoffwechselbedingt (z. B. Phenylketonurie oder Galaktosämie),
• Pränatal umweltbedingt. Viruserkrankungen (z. B. Röteln) oder Intoxikationen (Medikamente; Drogen wie Alkohol) und Hypoxien (z. B. durch mütterliches Rauchen während der Schwangerschaft).
• Pränatal multifaktorielle Ursachen sind bedingt durch hirnorganische Entwicklungsdefekte mit Epilepsien oder Hydrocephalus in der Folge.
• Perinatale Ursachen: Frühgeburtlichkeit oder Geburtstraumen.
• Postnatale Ursachen: Infektionen (z. B. Meningitis oder Enzephalitis), endokrinologisch (z. B. durch eine Hypothyreose); Impfschäden.

Zu Frage A16/B11: Was darf ein Heilpraktiker für Psychotherapie behandeln?
Grundlage hierfür ist das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 21.1.1993, deren zwei wichtigsten Punkte bei der Beantwortung obiger Prüfungsfrage hier zusammengefasst werden:
● Der Prüfling muss „die Befähigung haben, seelische Krankheiten und Leiden … als solche zu erkennen … um therapeutisch auf den Befund so zu reagieren, dass der Patient durch die konkrete Behandlung keinen gesundheitlichen Schaden erleidet.“
● Der Prüfling muss „die Befähigung besitzen, Patienten entsprechend der Diagnose psychotherapeutisch zu behandeln.“ Voraussetzung hierfür ist eine Ausbildung in einem psychotherapeutischen Verfahren, das nach allgemeinem Wissensstand i.d.R. für die entsprechende Störung angewandt wird. Häufig ist dies – z.B. bei leichteren Formen von ADHS, vorübergehenden Tic-Störungen, Angststörungen und Exhibitionismus – die Verhaltenstherapie. Jemand, der eine fundierte Ausbildung in Verhaltenstherapie absolviert hat, kann also durchaus auch einen Klienten mit Exhibitionismus behandeln, wenn er/sie hier schon Erfahrungenm gesammelt hat. Dass Exhibitionisten meist keine Krankheitseinsicht zeigen und i.d.R. nicht freiwillig in die Praxis kommen, sei nur nebenbei bemerkt.

Noch ein Wort zu psychischen Erkrankungen, die einen „Straftatbestand“ erfüllen: Wenn jemand unter seiner Störung leidet und bei einem HP-Psych Hilfe sucht, kann dieser eine Behandlung zwar ablehnen, darf aber auch Hilfe leisten, wenn er sich dazu befähigt fühlt und eine entsprechende Ausbildung absolviert hat. Ausnahme: Ein Klient erzählt mir, dass er ein schweres Verbrechen wie z.B. einen Mord oder eine Geiselnahme plant (!!!). In diesem Fall bin ich rechtlich verpflichtet, dies der Polizei zu melden (§ 138, StGB). Aus § 138/StGB geht indirekt aber auch hervor, dass ein Arzt oder Therapeut sich nicht strafbar macht, wenn er weniger schwere Vergehen nicht anzeigt. Auch bei früher vergangenen leichteren Verstößen gegen das Gesetz unterliegt er – ähnlich wie ein Anwalt oder ein Priester – der Schweigepflicht.

Unsere Lösungsvorschläge für beide Gruppen der schriftlichen Prüfung (Heilpraktiker Psychotherapie) finden Sie auf der Website des Forums Gilching unter
Forum-Gilching.de (Prüfung Oktober 2015)

15 Gedanken zu „HP-Psychotherapie: Schriftliche Prüfung vom Oktober 2015

  1. hallo, ich habe eine Frage zur Nummer 25 der aktuellen HP Psych Prüfung B: kann es sich bei der Frage nicht auch um eine Panikstörung handeln? Dabei wird ja auch Vermeidungshaltung gezeigt. Vielen Dank für das antworten. Liebe Grüße Elke Katschmarek

    1. Hallo Frau Katschmarek,

      bei einer Panikstörung haben die Betroffenen Panikattacken wie aus heiterem Himmel; sie meiden dann ganz allgemein das Verlassen der Wohnung ohne Begleitung, aber nicht speziell Situationen, die mit engen Räumen zu tun haben. Alternativ könnte es sich bei der Fallbeschreibung auch um eine Agoraphobie handeln.

      Herzliche Grüße R.S.

      1. Noch ein Hinweis: In der Frage ist nur von Vermeidungsverhalten, nicht jedoch von Panikattacken die Rede. Bei einer Panikstörung sind für die Diagnose „Wiederholte Panikattacken…die oft spontan auftreten“ das wichtigste Diagnosekriterium (ICD-10: F41.0 – A). Davon ist in der Prüfungsfrage nichts zu finden.

    2. Habe ich auch gedacht und es wäre auch im weiteren Gesprächsverlauf abzuklären, meiner Meinung nach sind dies jedoch primär Hinweise auf eine Klaustrophobie.

    3. Eine Panikstörung ist allerdings durch die „nicht Vorhersehbarkeit“ definiert. In der Frage werden allerdings bestimmte Situationen beschrieben

  2. Hallo,
    vielen Dank für die schnelle Übermittlung der Lösungen. Auch die Korrektur für die Frage der Intelligenzstörung hat mich beruhigt. Als Krankenschwester hatte ich mich ebenfalls für die Lösung E entschieden und war erstmal dezent „verstört“.
    Diese Prüfung hatte es in sich….jetzt gilt es nach vorne schauen und sich auf die mündliche vorbereiten
    Liebe Grüße aus Echzell
    Christiane Siegl

  3. Bei der Frage nach der Alzheimer Demenz ist die Antwort, dass die Alzheimer Demenz zusammen mit einer vaskulären Demenz auftreten kann meiner Meinung nach falsch. Jedoch ist eine Vitamin B – Gabe in einem frühen Stadium förderlich.

    1. Hallo Lydia, es gibt in der ICD-10 die Ziffer F00.2: Demenz bei Alzheimer Krankheit, atypische oder GEMISCHTE Form, dort steht: „Auch gemischte Formen – Alzheimer Demenz und vaskuläre Demenz – sollen hier verschlüsselt werden. „

  4. Hallo Herr Schneider,

    erst mal vielen Dank für die schnelle Bereitstellung der Antworten der beiden Gruppen. Ich habe die Prüfung selber in Hannover geschrieben und da war ich durch dieses inoffizielle Ergebnis schon sehr erleichtert (Laut Ihrem Schlüssel schriftliche mit 2 Fehlern bestanden).

    Nun zum eigentlichen Grund meines Kommentars:
    Bei Facebook verfolge ich eine Diskussion bzgl. der Frage „Was darf ein HPP behandeln“ (Gruppe A Frage 16, Gruppe B Frage 11) und hier wird ein Querverweis zum vfp gegeben. Herr Thomas Schnura schreibt auf der Seite des Verbandes:

    „Bei den Störungen der Sexualpräferenz kann der Straftatbestand der Pädophilie und des Exhibitionismus vorliegen, von deren Behandlung wir die Finger lassen. Die anderen sind nicht strafbar und keine Störungen mit Krankheitswert. “
    Vielleicht können Sie hier Aufklärung leisten, da diese Aussage natürlich für Verwirrung sorgt 🙂

    Beste Grüße
    Jens Rhinow

    1. Bei der Frage „Was darf ein HP-Psych behandeln“ gelten für uns nicht die Richtlinien für Psychologische Psychotherapeuten, sondern in erster Linie das Heilpraktikergesetz und das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 21.1.1993, dessen Wortlaut und Folgen für unsere Praxis oben im Text genauer aufgeführt sind. Ich hoffe, das hilft. Ähnliche Fragen gab es früher schon einmal, z.B.: Darf ein HPP Psychoanalyse anbieten? Ja, er darf es, wenn er eine entsprechende (fundierte) Ausbildung gemacht hat. Dasselbe gilt für Verhaltenstherapie, Sexualtherapie, Paartherapie etc. – Ob der Prüfling hierbei die Maßstäbe der Prüfer erfüllt, zeigt sich in den meisten Prüfungsämtern im „Mündlichen“, wo zumindest im süddeutschen Raum gezielt nach der psychotherapeutischen Ausbildung gefragt wird, die meist anhand einer Fallgeschichte weiter hinterfragt wird.

  5. Hallo!
    Vielen Dank für die schnellen Ergebnisse und die aufschlussreichen Kommentare.
    Ich hätte allerdings eine große Bitte da ich Gruppe B war: Könnten Sie freundlicherweise zur Verfügung stellen welche Frage in Gruppe B die einzelnen Fragen von Gruppe A waren?
    Vielen Dank im Voraus!
    Catharina

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