Mündliche Prüfung Nov./Dez. 2013: Fallgeschichte

Inzwischen haben alle 33 Prüflinge das Mündliche hinter sich. Von den fehlenden vier haben drei das Mündliche geschafft, bei einer Teilnehmerin wurde die Prüfung wegen Erkrankung auf das Frühjahr 2014 verschoben. Zusammengefasst ergibt sich folgendes „Endergebnis“: Von den 34 im Forum Gilching vorbereiteten Prüflingen haben fünf die Prüfung nicht geschafft: eine Teilnehmerin scheiterte im Schriftlichen, 4 Teilnehmer haben das Mündliche nicht bestanden. Eine der letzten Fallgeschichten im Mündlichen war wieder eine „neurologische“, die gut zu den „realitätsfernen“ Geschichten des vorherigen Beitrags passt.

Fallgeschichte: Depressiv nach Schlaganfall: Eine Frau mit Halbseitenlähmung (Hemiparese) nach Schlaganfall kommt in die Praxis, weil sie so antriebslos ist, sich für nichts mehr interessiert und keine Freude mehr am Leben hat. Vor ihrem Schlaganfall war sie eine offene, lebenslustige Frau gewesen. – Prüfer: An welche Diagnose(n) denken Sie? Gehen Sie nach dem psychopathologischen Befund vor.

(1) Offensichtlich handelt es sich zunächst um ein depressives Syndrom als Folge der Hirnschädigung (organische depressive Störung), in Fachkreisen als „post-stroke depression“ bekannt. Depressionenen bei Schlaganfall-Patienten können – so die Mediziner – durch Medikamente gelindert werden. Zum Einsatz kommen heute vor allem Serotonin-Wiederaufnahmehemmer(z.B.Fluoxetin). Sie haben bei Schlaganfall-Patienten möglicherweise einen Zusatznutzen. „Tierexperimentelle Studien haben gezeigt, dass SSRI die Funktion von Hirnzellen stabilisieren und in einigen Hirnregionen die Neubildung von Hirnzellen anregen.“ Näheres hierzu im Informationsblatt der deutschen Schlaganfall-Gesellschaft DSG www.dsg-info.de
(2) Bitte nicht vergessen: durch die veränderte Lebenssituation ist meist eine Anpassungsstörung mit depressiver Reaktion die Folge.
(3) Differenzialdiagnostisch ist als Folge dieses einschneidenden Erlebnisses auch eine depressive Episode in Betracht zu ziehen bzw. auszuschließen.
(4) Und: Bei kurz zurückliegenden Schlaganfällen ist häufig aus dem Familien- und Freundeskreis zu hören, daß „er/sie nicht mehr der/die Alte ist“. Affektive Veränderungen („organische Wesensänderung“) nach einem Schlaganfall haben vielerlei Erscheinungsformen: depressive Syndrome; kognitive Einbußen; Reizbarkeit; manchmal auch aggressive Ausbüche – Symptome, die sich im Verlauf der Rehabilitation meist bessern.
(5) Eine echte Persönlichkeitsänderung nach Schlaganfall ist eher selten, sollte aber in der Prüfung zumindest genannt werden („Eventuell handelt es sich um eine beginnende Persönlichkeitsveränderung, eine endgültige Diagnose ist erst nach Ablauf von 2 Jahren möglich“). Auf diese Weise erkennt der Prüfer, dass Du Dich in diesem Bereich gut auskennst.

P.S.: Die Kandidatin, die im Dezember 2013 diese Geschichte vorgelegt bekam, hat ihre mündliche Prüfung bestanden.

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