Sicher durch die mündliche Prüfung HPP 22-2

1. Differenzialdiagnosen erkennen

In der mündlichen Prüfung werden in der letzten Zeit mehr und mehr differenzialdiagnostische Kenntnisse verlangt, die weit über den psychischen Bereich hinausgehen. Hier einige Beispiel aus der „Mündlichen“:

Beispiel 1: Prüfer: Jemand hat immer wieder Panikattacken. Welche körperlichen Erkrankungen müssten Sie zuallererst durch weitere Fragen ausschließen?

  • Hyperthyreose
  • Hypoglykämie
  • Koronare Herzkrankheit (z.B. Anina pectoris)
  • Asthma bronchiale
  • Epilepsie
  • Entzugssyndrom von Benzos, Alkohol, etc.
    Prüfer: Wenn Sie eine körperliche Verursachung ausgeschlossen haben: Welche psychischen Erkrankungen müssten Sie durch weitere Fragen abklären?
  • Panikstörung
  • Agoraphobie
  • Herzangstsyndrom
  • soziale Phobie
  • Klaustrophobie
  • Akrophobie

Beispiel 2: Prüfer: Jemand kommt stark untergewichtig in Ihre Praxis. Welche körperlichen Ursachen müssten Sie vorweg abklären, bevor Sie die Diagnose „Magersucht“ in Betracht ziehen:

  • Kolitis ulcerosa
  • Morbus Crohn
  • Unverträglichkeit von Nahrungsmitteln
  • Hyperthyreose
  • Krebserkrankung

Prüfer: Was müssten Sie – abgesehen von der Diagnose Magersucht – als DD noch in Betracht ziehen (psychische Ursachen):

  • schwere depressive Episode (somatisches Syndrom)
  • wahnhafte Störung (z.B. Vergiftungswahn) 
  • Missbrauch von Stimulanzien

Beispiel 3: Eine 16jährige ist bei Ihnen in der Praxis, weil sie seit ihrer Knie-OP vor 3 Tagen Stimmen hört, die ihr zum Beispiel sagen, sie solle den Fön ins Wasser werfen. Sie schlafe nun wieder bei den Eltern. Differenzialdiagnostische Überlegungen:

  • Schizophrenie? Nein! Keine dialogischen oder kommentierenden Stimmen! Keine sonstigen Symptome für Schizophrenie; Zeitkriterium: 4 Wochen!
  • Depressive Episode mit psychotischen Symptomen? Zeitkriterium! Keine sonstigen depressiven Symptome.
  • Akute Belastungsreaktion: Keine anhaltenden psychotischen Symptome. Dauer max. 2 Tage
  • Anpassungsstörung? Keine psychotischen Symptome bei der Anpassungsstörung.
  • Wahrscheinlichste Diagnose:
  • Abklingendes postoperatives Delir (Durchgangssyndrom) als Folge der bei einer OP verabreichten Narkosemittel, Analgetika (= Schmerzmittel, meist Opioide) und Muskelrelaxantien (z.B. Benzodiazepine u.a.m.) mit kurzzeitigen psychotischen Symptomen und Angst (sie schläft mit 16 wieder im Zimmer/im Bett der Eltern)

Übrigens: In meinem „Intensivkurs Heilpraktiker für Psychotherapieverstehen“ gibt es zu jedem Krankheitsbild nicht nur eine dazu passende Fallgeschichte, sondern auch einen Abschnitt mit Hinweisen zu verschiedensten Differenzialdiagnosen. Das Buch erscheint Mitte Oktober 2017. Weitere Merkmale: 150 spannende und einprägsame Fallgeschichten, in denen die Diagnosekriterien nach ICD 10 hervorgehoben sind. Dazu eine eingängige Sprache und mehrfaches Wiederholen von Fachbegriffen, Symptomen und Diagnosekriterien sowie zahlreiche Illustrationen, Merkwörter und Gedächtnisstützen, die helfen sollen, das Gelernte auch in der Prüfungssituation leicht abzurufen.

Ausbildung in einem psychotherapeutischen Verfahren
Immer wieder wird uns berichtet, man brauche für die Prüfung keine psychotherapeutische Ausbildung. Dies ist allein schon durch die Gesetzesvorlage nicht gegeben, wo es heisst: Der Prüfling muss überdies „die Befähigung besitzen, Patienten entsprechend der Diagnose psychotherapeutisch zu behandeln“ und fähig sein, mit seiner Art von Psychotherapie „therapeutisch auf den Befund so zu reagieren, dass der Patient durch die konkrete Behandlung keinen gesundheitlichen Schaden erleidet“. Dies ohne eine Ausbildung in Psychotherapie zu gewährleisten wäre realitätsfremd. Behauptungen, man brauche für den „HP-Psych“ keine Psychotherapieausbildung widersprechen den gesetzlichen Vorgaben und Bedingungen des oben zitierten Urteils (BVerwG 3 C 34.90 vom 31.01.93).

In vielen Prüfungsämtern (z.B. in München, Augsburg, Landshut) ist man – was die psychotherapeutische Ausbildung betrifft – eher großzügig. Wenn jemand z.B. gerade dabei ost, eine psychotherapeutische Ausbildung bei der HP-Schule XY zu absolvieren, diese aber noch nicht abgeschlossen hat, wird das von den Prüfern i.d.R. akzeptiert. Auch wenn ein Prüfling glaubhaft versichert, im Anschluss an die Prüfung eine Ausbildung in Gespräch-, Gestalt-, Familientherapie, Focusing, Körperpsychotherapie etc. etc.  zu machen (möglichst mit Namen des  Ausbildungsinstituts), wird dies erfahrungsgemäß von den meisten Prüfern akzeptiert.

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