Archiv für den Monat: Oktober 2018

Schriftliche HP-Prüfung (Psychotherapie), 10. Oktober 2018

Die Lösungen für Gruppe A und B stehen ab sofort auf  der Website des Forums Gilching e.V. unter https://www.forum-gilching.de/pruefungsfragen/oktober-2018.html

Kommentar:
Wie schon in den letzten Jahren war die Prüfung nicht leicht, auch wenn viele unserer Prüflinge mit 3-5 Fehlern bestanden haben. „Knackpunkte“ waren – wie in den letzten beiden Prüfungen – u.a.  Fragen zu Themenbereichen, die bisher noch nie im „Schriftlichen“ gefragt wurden, z.B. den Begriff „Habituation“, das Rett-Syndrom,  Störungen des Sozialverhaltens, Denkfehler im Rahmen der kognitiven Therapie, Fragen zu „formellen Achtsamkeitsübungen“… Nebenbei gesagt: ich wusste bisher nicht, dass die aus dem Zen-Buddhismus kommenen Übungen zur Achtsamkeit (Geh- oder Atemmeditation, Body Scan etc. ) zur Psychotherapie zählen, auch wenn Sie natürlich in verschiedenen Therapieformen  – z.B. in der DBT (dialektisch behavioralen Therapie) –  als eines von vielen „Werkzeugen“ Anwendung finden.

Auffällig ist, dass  die Prüfer in letzter Zeit Themenbereiche einbauen, die man in den herunterzuladenden Prüfungsfragen nicht findet, weil sie bisher nie oder fast nie im Schriftlichenvorkamedn. Beispiele vom Oktober 2018 wurden oben schon aufgeführt. Ein halbes Jahr vorher – iIm Frühjahr 2018 – waren es Themen wie Migräne, multiple Sklerose und Sexualstörungen, im Oktober 2017 dann Fragen zur Bindungsstörung und zur dissoziativen Amnesie, im März 2017 Fragen zur expressiven und rezeptiven Sprachstörung bei Kindern und zum HAWIE-Intelligenzterst, im März 2016 zu psychiatrischen Notfallsituationen , zum operanten Konditionieren und zum Messie-Syndrom.

Was also tun?

Es ist sicher nicht sinnvoll, mehrere Psychatriebücher durchzuarbeiten, um sich „optimal“ auf die Prüfung vorzubereiten. Besser ist es sich darauf einzustellen, dass einige wenige Fragen kommen werden, bei denen es darum geht, den gesunden Menschenverstand einzuschalten oder über ein Ausschlussverfahren andere Lösungen auszuschließen. Ein typisches Beispiel hierfür in Prüfung 2018-2:

Einfachauswahl. Eine Mutter bittet um eine Entwicklungsdiagnostik bei ihrer 2-jährigen Tochter. Das Mädchen habe sich zunächst unauffällig entwickelt, mit 1 Jahr zu laufen und zu sprechen begonnen. Seit mehreren Monaten stagniere die Entwicklung; bereits erworbene Fähigkeiten habe sie wieder verlernt. Das Kind laufe zunehmend schlechter, spreche immer weniger und müsse wieder gefüttert werden. Bei der Untersuchung fallen unter anderem Stereotypien der Hände (waschende Bewegungen) auf.
Welche der folgenden Diagnosen trifft am ehesten zu?

□   A   Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)
□   B   Selektiver Mutismus
□   C   Rett-Syndrom
□   D  Chorea Huntington
□   E   Sogenannte Trotzphase

Bei genauem Lesen der Fallgeschichte entfallen die Lösungsvorschläge A, B, D und E (das Kind ist gerade erst 2 Jahre alt!). Dann bleibt nur Lösung C übrig.

Ähnliches gilt für die Frage über Denkfehler: „Denkfehler“  im Rahmen der kognitiven Therapie der Depression (nach Beck) sind:

(1) Generalisierung
(2) Wahngedanken
(3) Katastrophisierung
(4) Schwarz-Weiß-Denken
(5) Vermeidungsverhalten

□ A Nur die Aussagen 1 und 3 sind richtig
□ B Nur die Aussagen 1, 2 und 4 sind richtig
□ C Nur die Aussagen 1, 3 und 4 sind richtig
□ D Nur die Aussagen 2, 4 und 5 sind richtig
□ E Alle Aussagen sind richtig

Vermeidungsverhalten (5) ist kein DENK-Fehler; ein Wahngedanke ist kein Denkfehler, sondern eine unkorrigierbare Idee (inhaltliche Denkstörung). Es bleiben damit nur 1, 3 und 4 übrig. Da ging es dann darum auszuwählen, ob eher A oder C zutreffend sind.

Weitere Tipps

1. Wiederholt das, was Ihr im Kurs oder im Selbststudium gelernt habt, in Abständen immer wieder, bis es sich im Kopf verankert hat und auch bei Aufregung abrufbar ist. Zu viel Detailwissen kann das Gehirn nicht aufnehmen, die Kapazität Eures „Speichers“ ist begrenzt. Haltet Euch vor Augen, dass Ihr 7 Fehler machen dürft, wenn zwei oder drei Fragen auftauc hen, die Euc h schwierig oder unbekannt vorkommen, konzentriert Euch auf die, die Ihr gut gelernt habt.

2. In jeder Prüfung kommen ein bis drei Fragen vor, die schon einmal wörtlich oder fast wörtlich in früheren – z.T. länger zurückliegenden Prüfungen – vorgekommen sind. In der Prüfung 18-1 waren es die Fragen zur abhängigen PS, zur schizotypen Störung (wörtlich in 15-2) und zur sozialen Angststörung (in 16-1). Auch viele andere Fragen konnte man aus dem Vorwissen zu vorangegangenen Prüfungen gut erschließe. Deshalb rate Ich, kurz vor dem Schriftlichen nicht weitere Bücher zu wälzen, sondern sich voll auf frühere  Prüfungsfragen zu konzentrieren. Viele Prüflinge haben dies mit meinen Lernkarten getan, die inzwischen in Neuauflage erschienen sind: