Archiv für den Monat: September 2017

Heilpraktiker für Psychotherapie: Tipps für die schriftliche und mündliche Prüfung 2017-2

Tipps für die schriftliche Prüfung im Oktober 2017
Ich bin im Augenblick bei der Überarbeitung des Vorbereitungsbuchs zur schriftlichen Prüfung (erscheint im Herbst 2017) und einer Neuauflage der „Lernkarten“ (2007-2017, erscheint im Sommer 2018). Bei der Durchsicht der über 1000 Prüfungsfragen seit Beginn der Prüfung ist mir aufgefallen, dass es in jeder Prüfung mindestens 5-6 Fragen gab, die wörtlich oder fast wörtlich in vergangenen Prüfungen vorkamen. in der Prüfung 2017-1 waren es folgende Fragen:
Frage 13: Soziale Phobie –> Prüfung 10-2
Frage 16: Nebenwirkungen von Lithium –> Prüfung 15-1
Frage 19: Störungen der Psychomotorik bei Schizophrenie –> Prüfung 15-2
Frage 20: Somatisches Syndrom bei depressiver Episode –> Prüfung 15-2
Frage 27: Zu den quantitativen Bewusstseinsstörungen zählen… –> Prüfung 14-2

Auch in den Prüfungen der Jahre 2015 und 2016 fanden sich diverse Prüfungsfragen, die schon einmal vorgekommen sind. Deshalb mein Tipp: Mehrmaliges „Durchgehen“ vergangener Prüfungsfragen, möglichst mit mehrfacher Wiederholung der Fragen, die falsch beantwortet wurden. Die Fragen der Prüfungen 2015-1, 2015-2, 2016-1, 2016-2 und 2017-1 finden Sie – mit ausführlichen Kommentaren – auf der Website des Forums Gilching e.V. www.forum-gilching.de.

Fragen der Jahre 2004 bis 2014 finden Sie in meinen „Lernkarten“ mit Kommentaren zu jeder richtigen oder falschen Lösung.

Tipps für die mündliche Prüfung 2017+2018 (Teil 1)
In der mündlichen Prüfung werden in der letzten Zeit mehr und mehr differenzialdiagnostische Kenntnisse verlangt, die weit über den psychischen Bereich hinausgehen. Hier einige Beispiel aus dem „Mündlichen“:

Beispiel 1:
Prüfer: Jemand hat immer wieder Panikattacken. Welche körperlichen Erkrankungen müssten Sie zuallererst durch weitere Fragen ausschließen? –> Hyperthyreose – Hypoglykämie – Koronare Herzkrankheit (z.B. Angina pectoris) – Epilepsie – Asthma bronchiale
Prüfer: Wenn Sie eine körperliche Verursachung ausgeschlossen haben: Welche psychischen Erkrankungen müssten Sie durch weitere Fragen abklären? –> Panikstörung; Agoraphobie; Herzangstsyndrom; soziale Phobie; Klaustrophobie; Akrophobie etc.
Beispiel 2:
Prüfer: Jemand kommt stark untergewichtig in Ihre Praxis. Welche körperlichen Ursachen müssten Sie vorweg abklären, bevor Sie die Diagnose „Magersucht“ in Betracht ziehen:
–> Colitis ulcerosa – Morbus Crohn – Unverträglichkeit von Nahrungsmitteln – Hyperthyreose – Hirntumor – Krebserkrankung
Prüfer: Was müssten Sie – abgesehen von der Diagnose Magersucht – als DD noch in Betracht ziehen (psychische Ursachen): schwere depressive Episode (somatisches Syndrom) – wahnhafte Störung (z.B. Vergiftungswahn) – Missbrauch von Stimulanzien
Beispiel 3:
Prüfer: Eine Grundschullehrerin kommt wegen Ängsten und depressiven Verstimmungen in die Praxis. Vor dem Unterricht habe sie mehrmals alles verschwommen gesehen, außerdem habe sie offensichtlich Kreislaufprobleme: In Stresssituationen habe sie des Öfteren ein seltsames Kribbeln oder auch ein pelziges Gefühl in den Händen oder den Füßen. Oft sei sie so erschöpft, dass sie sich in einer Freistunde im Lehrerzimmer hinlegen müsse.
Diagnose: Organische Depression als Folge von MS oder eines Hirntumors. Im Anschluss daran diverse Fragen zur Entstehung von MS, Behandlungsmöglichkeiten, Verlauf und Auftretenswahrscheinlichkeit.

Übrigens: In meinem Kurzlehrbuch „Psychiatrie leicht verstehen“ gibt es zu jedem Krankheitsbild nicht nur eine dazu passende Fallgeschichte, sondern auch einen Abschnitt mit Hinweisen zu verschiedensten Differenzialdiagnosen. Das Buch erscheint Mitte Oktober 2017. Weitere Merkmale: 150 spannende und einprägsame Fallgeschichten, in denen die Diagnosekriterien nach ICD 10 hervorgehoben sind. Dazu eine eingängige Sprache und mehrfaches Wiederholen von Fachbegriffen, Symptomen und Diagnosekriterien sowie zahlreiche Illustrationen, Merkwörter und Gedächtnisstützen, die helfen sollen, das Gelernte auch in der Prüfungssituation leicht abzurufen.

Tipps für die mündliche Prüfung 2017/2018 (Teil 2)
Immer wieder wird uns berichtet, man brauche für die Prüfung keine psychotherapeutische Ausbildung. Dies ist allein schon durch die Gesetzesvorlage nicht gegeben, wo es heisst: Der Prüfling muss überdies „die Befähigung besitzen, Patienten entsprechend der Diagnose psychotherapeutisch zu behandeln“ und fähig sein, mit seiner Art von Psychotherapie „therapeutisch auf den Befund so zu reagieren, dass der Patient durch die konkrete Behandlung keinen gesundheitlichen Schaden erleidet“. Dies ohne eine Ausbildung in Psychotherapie zu gewährleisten wäre realitätsfremd. Behauptungen, man brauche für den „HP-Psych“ keine Psychotherapieausbildung widersprechen den gesetzlichen Vorgaben und Bedingungen des oben zitierten Urteils (BVerwG 3 C 34.90 vom 31.01.93). Angesichts der PLanungen aller Parteien, im Dezember 2017 durch gesetzliche Leitlinien die Zulassungsbedingungen zur HP-Prüfung zu verschärfen, ist nicht auszuschließen, dass auch in Bezug auf die Prüfung zum Heilpraktiker für Psychotherapie die psychotherapeutische Ausbildung der Prüflinge stärker als bisher hinterfragt wird.