Archiv für den Monat: März 2016

HP-Psychotherapie: Schriftliche Prüfung vom 16. März 2016

Die heutige schriftliche Prüfung war – denke ich – gut machbar. Die Lösungen stehen seit 13h im Netz unter Forum-Gilching.de (Prüfung März 2016). Ab morgen finden Sie alle Fragen mit Lösungen und Kurzkommentaren auf derselben Seite/Menu linke Spalte. Bei einer Analyse der einzelnen Prüfungsfragen ergeben sich Schwerpunkte, die sich z.T. wesentlich von den früheren Prüfungen unterscheiden:

1. An erster Stelle stehen mit 7 Fragen die psychogenen Störungen (ICD-10: F4), wenn man das Messie-Syndrom (= zwanghaftes Horten) dazu zählt.
2. An zweiter Stelle steht mit 4 Fragen das Thema „psychotrope Substanzen“ (Kokain, Cannabis, Alkohol, synthetische Kräutermischungen –> in der Frage „psychiatrische Notfälle“). Das sind weit mehr Fragen zu diesem Thema als in früheren Prüfungen.
3. An dritter Stelle stehen mit drei Fragen die affektiven Störungen
4. An vierter Stelle stehen mit je 2 Fagen: Verhaltenstherapie; formale/inhaltliche Denkstörungen; Suizidalität+Unterbringung; organische psychische Störungen (eine davon in der Frage „psychiatrische Notfälle“).
5. Von den weiteren Themen gab es nur je ein Frage. Themen: Schizophrenie, Alzheimer, Parkinson, Essstörungen, Legasthenie, paranoide Persönlichkeitsstörung und Akathisie.

Fragen zur medikamentösen Behandlung von schweren Depressionen und schizophrenen Störungen fehlten diesmal, ebenso Fragen zur Plus-/Minus-Symptomatik bei Schizophrenie und zur Freudschen Psychoanalyse. Gerade beim Thema Psychotherapie ist eine massive Verschiebung in Richtung VT feststellbar. Seit 2012 findet sich nur noch sporadisch eine Frage zur Psychoanalyse, und dann in der Regel nur zu den Abwehrmechanismen, die ja auch bei anderen Therapieformen eine Rolle spielen.

Kommentare zu einigen Prüfungsfragen (Gruppe A):
► Zu Frage 5: Synthetische Kräutermischungen. Bei den im Handel erhältlichen „Kräutermischungen“ handelt es sich offiziell um „Räuchermischungen“ die zur Raumluftaromatisierung gedacht sind. Konsumenten rauchen sie jedoch. Die Wirkung ist ähnlich wie bei Cannabis. Da sich die „Kräutermischungen“ aus unterschiedlichen pflanzlichen Bestandteilen und (häufig) synthetischen Cannabinoiden und anderen synthetischen Rauschstoffen zusammensetzen, können beim Rauchen massive psychotische Symptome auftreten. Auch über gefährliche körperliche Reaktionen bis hin zu Bewusstlosigkeit und Koma gibt es Berichte. Die erste Droge dieser Art war „Spice“, später kamen anders zusammengesetzt synthetische Kräutermischuzngen huinzu, z.B. Lava Red, Monkey go bananas, Bonzai, Bloom, Maya, PI, OMG, Sweed und Space.

► Zu Frage 22: Begleitsymptome bei Morbus Parkinson: Die „Bradyphrenie“ (Verlangsamung der geistigen Funktionen) äußert sich u.a. darin, dass sich bei vielen Parkinson-Patienten eine Demenz entwickelt. In der Fachliteratur findet sich auch der Hinweis, dass die Erkrankung oft mit Affektlabilität, z.B. enthemmtem Lachen oder Weinen einhergeht.

► Zu Frage 17: Akathisie. Die als Akathisie bezeichnete Sitzunruhe ist meist die Folge einer Behandlung mit Neuroleptika (in der Frage nicht erwähnt; nur durch Analyse der Symptome zu erschließen). Sie äußert sich in einer inneren Unruhe und einem nicht bezwingbaren Bedürfnis, sich zu bewegen. Dies macht es für die Patienten unmöglich, eine sitzende oder stehende Körperhaltung für längere Zeit beizubehalten.

► Zu Frage 28: Messie-Syndrom. Das Messie-Syndrom findet sich nicht in der ICD-10. Obwohl sich das Wort aus dem Englischen herleitet (mess = Chaos, Unordnung, Durcheinander), heisst die Störung im DSM-5 „compulsive hoarding“, d.h. „zwanghaftes Horten“. Meist verbirgt sich hinter dem zwanghaften Sammeln und Nicht-Wegwerfen-Können die zwanghafte Angst, sich von Dingen zu trennen, die man vielleicht noch brauchen könnte. In vielen Fällen steckt hinter einer vermüllten Wohnung aberauch eine schwere depressive Episode mit dazugehöriger Störung des Antriebs, so dass die Betroffenen unfähig sind aufzuräumen, Dinge wegzuwerfen oder den Müll zuz entsorgen. — Viele Menschen mit Messie-Syndrom ziehen sich von den Mitmenschen zurück und leben sozial isoliert.