Archiv für den Monat: Juli 2015

Heilpraktiker Psychotherapie: Lerntipps für die schriftliche Prüfung (Teil 2)

Lerntipps füBuch - Sicher durch die mündliche Prüfungr die letzten Wochen vor der schriftlichen Prüfung

1. Wenn Ihr den Vorbereitungskurs zur HP-Prüfung (Psychotherapie) ganz oder größtenteils abgeschlossen habt, hat es sich als günstig erwiesen, gezielt einzelne Kapitel zu wiederholen. Viele meiner Kursteilnehmer verwenden zur Nachbereitung der verschiedenen Kapitel mein Buch Schriftliche Prüfung Heilpraktiker für Psychotherapie. Elsevier-Verlag, € 29,90. Die einzelnen Kapitel halten sich an die Einteilung der ICD-10. Anhand von Kurzfällen, kommentierten MC-Fragen, Kurztests und Überblicksgrafiken könnt Ihr überprüfen, ob Ihr das bisher Gelernte gut verstanden habt und auf eine Weise abrufen könnt, dass Ihr die 400 z.T. original Prüfungsfragen richtig beantworten könnt.

2. Um die Prüfungssituation mit 28 Prüfungsfragen zu simulieren, könntLernkartenNeu Ihr auf unserer Website www.forum-gilching.de alle Prüfungsfragen der Jahre 2010 bis 2015 (mit Lösungen und Kurzkommentaren) einsehen bzw. herunterladen und in den vorgeschriebenen 55 Minuten  schriftlich bearbeiten.

3. Die Lösungen zu den Prüfungsfragen auf unserer Website sind allerdings nur in wenigen Fällen kommentiert. Ausführliche Kommentare zu ALLEN Lösungsvorschlägen (ob richtig oder falsch) findet ihr in meinen eben erschienenen Lernkarten zur schriftlichen Prüfung mit 616 Original-Prüfungsfragen der Jahre 2004 bis 2014. Elsevier-Verlag, € 44,99.

 

 

 

HP-Psychotherapie: Lerntipps für die schriftliche Prüfung (Teil 1)

Psychologische und neurologische Erkenntnisse über das Lernen
(Zusammenfassung von Kap. 1 meines Buchs „Schriftliche Prüfung: Heilpraktiker für  Psychotherapie“. Elsevier-Verlag, € 29,90.)

Beim LeErscheinngsdatum: April 2014rnen auf die Prüfung haben Sie wahrscheinlich die Erfahrung gemacht, dass mühsam Gelerntes innerhalb kürzester Zeit  aus Ihrem Gedächtnis entschwunden ist. Diese Erkenntnis ist nicht neu: schon Ende des 19. Jahrhunderts konnte der Psychologe H.Ebbinghaus in verschiedenen Lernexperimenten nachweisen, dass wir bereits 20 Minuten nach dem Lernen sinnloser Silben 40 % des Gelernten nicht mehr abrufen können; nach einer Stunde haben wir über die Hälfte, nach einem Tag zwei Drittel, nach 6 Tagen über 85 % des Gelernten vergessen – vorausgesetzt es waren sinnlose Wörter; vorausgesetzt auch, das auswendig Gelernte wurde nicht wiederholt.

Inzwischen haben Lernpsychologen auf der Grundlage der Ebbinghaus’schen Lernkurve unser Wissen über erfolgreiches Lernen erweitert und hierbei wichtige Erkenntnisse gewonnen, die hier stichpunktartig zusammengefasst werden:

1. Viele Eingangskanäle ansprechen
Neu Gelerntes wird umso besser erinnert, je mehr „Eingangskanäle“ beim Lernen aktiviert werden (Hören, Sehen, Lesen, Sprechen, Schreiben, Zeichnen, Malen, Riechen, Schmecken etc.). Auf diese Weise kann sich das Gelernte an vielen verschiedenen Teilen des Gehirns mit den dort vorhandenen „Schaltkreisen“ verbinden.

2. Emotionale „Erregung“:
Bei Dingen, die uns emotional stark berühren, genügt ein einmaliges Erleben, damit sich das Ereignis lebenslang einprägt: die erste Liebe, der erste Kuss, ein wunderschöner Urlaubstag, aber auch traumatische Erlebnisse aus der Kindheit oder dem Erwachsenenalter bleiben oft so intensiv in unserem Gedächtnis haften, dass wir uns ein Leben lang daran erinnern. Die Erklärung hierfür findet sich in einem Merksatz, den wir uns für das Lernen zunutze machen sollten:
„Was uns emotional nicht berührt, wird schnell vergessen“
Oder umgekehrt: Je mehr Sie an dem, was Sie lernen, emotional beteiligt sind, desto besser und länger prägt sich das Gelernte ein. Das könnte damit beginnen, dass SHPmündlNeuauflageie Teile des Skripts in Stichworten zusammenfassen und dann laut sprechen, vor dem Spiegel vortragen, in einer Arbeitsgruppe erläutern oder auf ein Diktiergerät aufnehmen. Oder aber Sie schreiben wichtige Teile des Gelernten auf Karteikarten und erweitern Ihr Wissen durch Filmausschnitte, lebensnahe Fallgeschichten (z.B. aus meinem Buch „Sicher durch die mündliche Prüfung“); oder indem Sie – allein oder mit einem Freund/einer Freundin – im Rollenspiel z.B. einen Schizophrenen, einen Maniker, einen „Borderliner“ oder einen Menschen mit einer schizoiden/paranoiden/abhängigen Persönlichkeitsstörung imitieren (natürlich auf der Grundlage der Diagnosekriterien nach ICD-10).

Auf neuronaler Ebene kann man sich die Grundlagen für „emotionales Lernen“ vereinfacht folgendermaßen vorstellen:

Aus den unzähligen auf uns einstürmenden Sinneseindrücke wählt das Gehirn die Informationen aus, die es für wichtig erachtet, andere werden von vornherein abgeblockt. Die neuen Informationen werden über eine kleine Hirnregion mit dem Namen „Hippocampus“ („Seepferdchen“) verarbeitet. Der Hippocampus unterscheidet nochmals zwischen „wichtig“ (emotional erregend) und „unwichtig“ (emotional unbedeutend), ordnet die eingetroffenen Informationen und transferiert sich nach einigen Stunden bis Tagen in die „zuständigen“ Areale der Hirnrinde (des „Langzeitgedächtnisses“). Das funktioniert allerdings nur, wenn nicht ununterbrochen neue, wichtige Informationen den Hippocampus überfluten: dann nämlich werfen die neu ankommenden Lerninhalte die im Hippocampus kreisenden Informationen aus dem System – das vor ein paar Stunden Gelernte ist verschwunden. Ein mehrere Stunden andauerndes Lernen ohne Zwischenpausen ist dehalb kontraindiziert.

Lernprobleme gibt es auch, wenn jemand sich in einer emotionalen Krise befindet: die ständig kreisenden emotional „aufgeladenen“ Gedanken lassen kaum zu, dass neue, emotional weniger „erregende“ Lerninhalte, aufgenommen werden. Falls dies doch geschieht, wird das soeben Gelernte schnell von den belastenden Gedanken verdrängt und aus dem „System“ geworfen.

KONSEQUENZEN FÜR DAS LERNEN

(1) Denken Sie daran: Ihr Gehirn hat nur eine begrenzte Aufnahmefähigkeit, beschränken Sie sich deshalb beim Lernen auf die Themen, die für die Prüfung wichtig sind. Einen Überblick über besonders wichtige, weniger wichtige und nur selten überprüfte Themen finden Sie in meinem Buch „Schriftliche Prüfung: Heilpraktuiker für Psychotherapie.“ Das Buch eignet sich auch sehr gut dazu, um bestimmte Kapitel des Vorbereitungskurses zu wiederholen und anhand von Prüfungsfragen und Kurztests das eigene Wissen zu dem entsprechenden Themenbereich zu überprüfen.

(2) Kennzeichnen Sie beim Durchgehen Ihres Skripts oder Lehrbuchs durch farbiges Unterstreichen wichtiger Begriffe, was besonders wichtig ist. Diese einfache Technik hilft Ihrem Gehirn, aus der Fülle des Neuen das Wichtige herauszufiltern. Und vergessen Sie nicht, in einem zweiten Durchgang die unterstrichenen Passagen zu wiederholen.

(3) Beim Lernen sollten Sie Pausen einlegen, damit das Kurzzeitgedächtnis (der „Hippocampus“) genügend Zeit hat, die neuen Informationen zu ordnen und an die dafür zuständigen Hirnareale weiterzuleiten. Bewährt haben sich Lernphasen von 20, 30 oder maximal 60 Minuten, nach denen Sie bewusst eine 5-15-minütige Pause einlegen. Besonders günstig zum Lernen wichtiger Dinge ist die Zeit vor dem Schlafengehen, denn in der Nacht hat der Hippocampus genügend Zeit, das neu Gelernte zu verarbeiten.

(4) Sorgen Sie für eine entspannte Atmosphäre. Angst und Stress bewirken, dass Ihr Gehirn auf „Gefahr“ umschaltet, ein Zustand, in dem die kognitiven Instanzen weitgehend ausgeschaltet werden und ihr Hippocampus kaum Neues aufnehmen kann. Versuchen Sie deshalb, eine Lernatmosphäre zu schaffen, in der sie ihre Alltagsprobleme für einige Zeit beiseite schieben – indem sie sich bewusst eine gewisse Zeit zum Lernen reservieren, vorher eventuell kurz meditieren oder sich entspannen oder ihr Lernen durch Entspannungsmusik untermalen.

(5) Bitte vergessen Sie bei alldem nicht: Je stärker Sie beim Lernen emotional beteiligt sind, desto besser ist die Behaltensleistung, denn:
„Was uns emotional nicht berührt, wird schnell vergessen!“