Archiv für den Monat: März 2015

Heilpraktiker für Psychotherapie: Schriftliche Prüfung vom 18. März 2015

Die Frühjahrsprüfung 15-1 zum Heilpraktiker für Psychotherapie war gut machbar. Die meisten meiner Kursteilnehmer hatten 2 bis 5 Fehler. Einige sehr spezielle Fragen (z.B. zu den Symptomen einer Lithiumintoxikation) waren natürlich – wie immer – dabei. Gut finde ich, dass nun endlich auch eine Frage zur Binge-Eating-Störung aufgenommen wurde. Die Lösungen mit Kurzkommentaren finden Sie auf unserer Website unter Forum-Gilching.de (Prüfung März 2015)

Bitte denken Sie daran: eine nicht zu unterschätzende Hürde ist die mündliche Prüfung. Um die Leute aus meinen Kursen optimal auf’s Mündliche vorzubereiten, biete ich schon nächsten Montag (23.03.2015, 17-21 h) ein Kurzseminar an mit dem Titel: „Wie bestehe ich die mündliche Prüfung“. Überdies ist es auch möglich, speziell für München-Land, München-Stadt, Augsburg-Land, Landshut, Regensburg etc. ein Coaching in Kleingruppen buchen. Details zu den beiden Kursen finden Sie unter Forum-Gilching.de (Vorbereitung auf’s Mündliche)

Wird im Mündlichen eine psychotherapeutische Ausbildung verlangt?
Da ich immer wieder Zuschriften bekomme von Prüflingen, die im Mündlichen KEINE psychotherapeutische Ausbildung vorweisen können, sondern sich nur über Bücher auf’s Schriftliche vorbereitet haben, hier nochmals in Kürze die Rechtsvorschriften aus dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 21.1.1993, deren wichtigsten Punkte sich in den Merkblättern der verschiedenen Bundesländer wieder finden. Die im Gesetz aufgeführten Punkte lassen sich wie folgt zusammenfassen:

● Der Prüfling muss ausreichende theoretische Kenntnisse besitzen, um seine psychotherapeutische Tätigkeit gegenüber der Tätigkeit eines Arztes (Psychiater, Neurologe, Internist etc.) abzugrenzen.
● Der Prüfling muss „ausreichende diagnostische Fähigkeiten in Bezug auf das einschlägige Krankheitsbild“ besitzen.
● Der Prüfling muss „die Befähigung haben, seelische Krankheiten und Leiden … als solche zu erkennen … um therapeutisch auf den Befund so zu reagieren, dass der Patient durch die konkrete Behandlung keinen gesundheitlichen Schaden erleidet.“
● Der Prüfling muss „die Befähigung besitzen, Patienten entsprechend der Diagnose psychotherapeutisch zu behandeln.“ Das heißt: er muss sich die Befähigung angeeignet haben, Menschen die an einer psychischen Erkrankung leiden, so zu behandeln, dass sie durch seine Art der Psychotherapie keinen Schaden erleiden.

Rein rechtlich gesehen kann nach Auskunft des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Familie „nicht gefordert werden, dass jeder Kandidat eine einschlägige psychotherapeutische Ausbildung durchlaufen hat, um zur Überprüfung zugelassen zu werden… Nach höchstrichterlicher Rechtsprechung kommt es bei der Überprüfung nicht auf die Vorbildung, sondern auf die beabsichtigte Tätigkeit an“. Für die Prüfungskommission könne der Nachweis einer fachlichen Vorbildung allerdings von Nutzen sein und Einfluss nehmen auf Art und Inhalt der Fragestellung, „je nachdem, ob ein Kandidat eine Ausbildung in einem psychotherapeutischen Verfahren nachweisen kann oder nicht.“ (Schreiben vom 13.05.14 auf persönliche Anfrage).

Um festzustellen, ob der Prüfling die im Gesetz aufgeführten Fähigkeiten besitzt, stellen die Prüfer zu Beginn oft (aber nicht immer!) Fragen wie:
● „Welche psychotherapeutische Ausbildung haben Sie gemacht?“
● „Wie haben Sie sich auf die Prüfung vorbereitet?“
● „Mit welchen Klienten wollen Sie nach Bestehen der Prüfung arbeiten?“

Anschließend legen sie dem Prüfling meist eine Fallgeschichte vor, anhand derer er seine diagnostischen Fähigkeiten in Bezug auf das vorliegende Krankheitsbild unter Beweis stellen soll. Zum Abschluss folgt nahezu immer die Frage: „Wie gehen Sie im vorliegenden Fall therapeutisch vor?“
Das weitere Prüfungsgespräch knüpft entweder an die differenzialdiagnostischen Überlegungen der Fallgeschichte an; häufig auch stellen die Prüfer querbeet Fragen zu den verschiedensten Themenbereichen, die manchmal auf einer Frageliste abgehakt werden. Nahezu immer müssen Sie in diesem Zusammenhang detaillierte Kenntnisse zum Betreuungsrecht und zum Unterbringungsrecht/Psychisch-Krankengesetz nachweisen.

Nicht alle Prüfungsämter verlangen eine psychotherapeutische Vorbildung
Es gibt auch Prüfungsämter, die sich darauf beschränken, 40-60 Minuten nur theoretisches Wissen abzufragen ohne darauf einzugehen, ob der Prüfling eine psychotherapeutische Ausbildung gemacht oder anderweitig Erfahrungen im Bereich Psychotherapie gesammelt hat. Manche Prüfungskommissionen fragen zumindest danach, welche Ausbildung nach Bestehen der Prüfung geplant ist, aber auch das ist nicht immer der Fall. Wenn Sie sich nicht sicher sind, wie die Prüfung in Ihrem Gesundheitsamt ablaufen wird, sollten Sie sich bei ihrem Ausbildungsinstitut kundig machen oder – falls Sie einen Fernkurs absolviert haben – in Ihrem Gesundheitsamt nachfragen.

In der Neuauflage meinHPmündlNeuauflagees Buchs „Sicher durch die mündliche Prüfung“ (Erscheinungsdatum: 20. März) habe ich auch Prüfungskommissionen aufgenommen, bei denen das „Mündliche“ anders abläuft als in den meisten Bundesländern. –

Ich wünsche allen Prüflingen, die heute das Schriftliche bestanden haben, viel Glück im „Mündlichen“ und freue mich über den einen oder anderen Kommentar.