Tipps und Tricks für die die schriftliche Prüfung Teil 1

1. Was wird in der schriftlichen HPP-Prüfung verlangt?
Die schriftliche Prüfung besteht aus 28 Multiple-Choice-Fragen, Um die Prüfung zu bestehen, müssen mindestens 21 Fragen richtig beantwortet sein. Die 28 Prüfungsfragen setzen sich aus folgenden Themenbereichen zusammen:

  •  Psychotherapieverfahren mit den Schwerpunkten Verhaltenstherapie und Psychoanalyse. Ca. 4-5 Fragen pro Prüfung. Mehr dazu in Teil 2 der „Tipps und Tricks“.
  •  Psychische Erkrankungen der Ziffern 0-9 aus der ICD-10-Klassifikation psychischer Störungen. Nicht alle der dort aufgeführten Krankheitsbilder sind prüfungsrelevant (siehe Kommentar unter Punkt 2)
  • Diagnostik: Psychopathologischer Befund und Elementarfunktionen
  • Neurologische Erkrankungen oder Stoffwechselstörungen mit Symptomen, die man mit psychischen Störungen verwechseln könnte. Am häufigsten hierbei: Erkrankungen der Schilddrüse; Diabetes; neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Parkinson, Epilepsie.
  • Suizid und Suizidalität: Ursachen und Symptome
  • Rechtsvorschriften:  Psychisch-Kranken-Gesetz und Betreuungsrecht

2. Achtung! Nicht alle THEMENBEREICHE der ICD-10 sind prüfungsrelevant.
Die Folgende Abbildung gibt einen Überblick über die Häufigkeit von Prüfungsfragen der letzten 5 Jahre. Im Gegensatz zu früheren Prüfungen stehen Fragen zu psychotherapeutischen Verfahren mit etwa 16% (4-5 Fragen pro Prüfung) an erster Stelle. Mehr hierzu im 2. Teil der „Tipps und Tricks“. An 2. Stelle stehen die unter F4 aufgelisteten  „psychogenen“ Störungen (12,5 %) mit den Schwerpunkten  Angst- und Zwangsstörungen,  somatoforme Störungen, Belastungsstörungen, gefolgt von schizophrenen und affektiven Störungen und psychotropen Substanzen, an 3. Stelle Fragen zum psychopathologischen Befund (siehe Beispiele unten). Obwohl nur 1-2 mal pro Prüfung verlangt sind Fragen zur Demenz, zum Delir und zu ausgewählten Persönlichkeitsstörungen  nach wie vor aktuell. Auch Fragen zu Essstörungen, zur Suizidalität und zum Psychisch-Krankengesetz waren in nahezu jeder Prüfung einmal vorhanden.

Zu Punkt 3 der Tabelle: Fragen zur Diagnostik und zum psychopathologischen Befund sind in jeder Prüfung 2 bis 4 mal zu finden. Dazu zählen Fragen wie:

Grübeln gehört im psychopathologischen Befund zur Gruppe der…“

„Unkontrollierte Steigerung des Antriebs (Antriebsenthemmung) wird beobachtet bei… „

„Ein Mann wird durch Überaktivität, sorglose Heiterkeit, Distanzlosigkeit und Unkonzentriertheit auffällig; es besteht kein Krankheitsgefühl. Differenzialdiagnostisch sind folgende Erkrankungen in Betracht ziehen oder durch weitere Fragen abzuklären…“

„Ein 65-jähriger Patient befindet sich seit einigen Wochen im Ruhestand. eine Frau berichtet, dass er sich seither stark verändert habe. Er sei sehr zurückgezogen und wortkarg. Wenn er mit ihr spreche, äußere er nur Sorgen und Ängste…“

Viele Fragen zum psychopathogischen Befund+ Diagnostik findet Ihr in Kap. 2 meines Buchs „Schriftliche Prüfung Heilpraktiker Psychotherapie“ (4. Auflage Juli 2022) –> HP Psych: Schriftliche Prüfung

3. Wichtig zu wissen: Nicht alle Störungsbilder der ICD-10 werden in der Prüfung abgefragt!
Beim Lernen solltest du  die Krankheitsbilder aussparen, die in den vergangenen Prüfungen nie oder fast nie vorgekommen sind. Beim Durchgehen der letzten 10-15 Prüfungen kristallisiert sich schnell heraus, welche Störungsbilder besonders häufig vorkommen, wie die Fragen dazu aussehen und vor allem: Welche in der ICD-10 aufgelisteten psychischen Erkrankungen bisher nie oder fast nie gefragt wurden.

Ganz wichtig hierbei:

  • Lernpsychologisch gesehen ist es unmöglich, die gesamte ICD-10 mit allen Krankheitsbildern und dazu gehörigen Diagnosekriterien im Kopf zu behalten. Besser ist es, in einem HPP-Vorbereitungskurs ausgewählte  Kapitel der ICD-10  kennenzulernen und so zu verinnerlichen, dass das Gelernte in der Prüfung abrufbar ist. Im Raum München und Umgebung bietet das Forum Gilching GbR halbjährlich Vorbereitungskurse an, die in 11 oder 16 Kurstagen alles nötige Prüfungswissen vermitteln.
  • Alternativ ist es auch möglich, sich über Lehrbücher auf die Prüfung vorzubereiten.  Nicht bewährt haben sich hierbei Lehrbücher der Psychiatrie, die auf Medizinstudenten zugeschnitten und deshalb in einer Sprache verfasst sind, die Einsteiger in die Thematik dazu zwingt, ständig bei Google „nachzuschlagen“
  • Sinnvoller ist es, sich das entsprechende Wissen über Bücher anzueignen, die Euch als Einsteiger sprachlich und inhaltlich nicht überfordern, in der Vermittlung der Lerninhalte vom „Einfachen“ zum „Schwierigen“ vorgehen und Fachausdrücke im laufenden Text erklären. Mehr hierzu unter Intensivkurs HP-Psych.
  • Viele unserer Kursteilnehmer haben es überdies als hilfreich empfunden, nicht nur Prüfungsfragen aus dem Internet herunterzuladen und in Eigenregie zu lösen, sondern  meine Lernkarten mit Kommentaren zu allen Lösungsvorschlägen wieder und wieder durchzuarbeiten und falsch beantwortete Kärtchen auszusortieren, um sie später nochmals – evtl. mehrmals – zu bearbeiten.   Die Neuauflage mit Original-Prüfungsfragen der Jahre 2012-2021 erscheint Mitte August 2022. Mehr hierzu unter Lernkarten HP-Psych
  • Und nicht zu vergessen: Einige Heilpraktikerschulen bieten kurz vor der schriftlichen Prüfung Übungsabende zur Wiederholung des gesamten Lernstoffes an. Das Forum Gilching hat hierzu zwei Halbtage (Frei., 14.30-20.00) eingeplant. Mehr hierzu unter Prüfungstraining.
  • Hinweise zu bewährten Lerntechniken und zum Umgang mit Prüfungsfragen aus der Kategorie „Vorsicht Falle“ findet Ihr in Teil 2 der Tipps für die schriftliche Prüfung.

Prüfungstraining am Forum Gilching GbR

Vorbereitungskurse für die HPP-Prüfung

  • Halbjahreskurs : 13 Kurstage, Kursbeginn 21.10.22 (14.30-20.00 Uhr)
  • Ganzjahreskurs : 16 Kurstage, Kursbeginn 8.11.22 (14-tägig, 9-13 Uhr)
  • Kursleitung: Gisela Schneider und Walter Hiemer
  • Kursgebühr: Halbjahreskurs: € 1.550,00 – Ganzjahreskurs: € 1.600,00
  • Mehr unter Ausbildung Heilpraktiker Psychotherapie

Prüfungstraining schriftliche HPP Prüfung ONLINE

Generalwiederholung aller prüfungsrelevanten Themen
  • Fallgeschichten zum Wiederholen der Elementarfunktionen.
  • Original-Prüfungsfragen zu allen wichtigen Störungsbildern der ICD-10
  • Hinweise zu bewährten Lösungsstrategien
  • Überblicksgrafiken, Schaubilder, Lernhilfen, „Eselsbrücken“ u.a.m.
  • Zwei Kurstage mit unterschiedlichen Lerninhalten
  • Prüfungstraining, Teil 1: 23. Sept. 2022, 14.30-20.00 Uhr (€ 130,00)
  • Prüfungstraining, Teil 2: 30. Sept. 2022, 14.30-20.00 Uhr (€ 130,00)
  • Mehr unter Prüfungstraining schriftliche Prüfung

Fälletraining mündliche HPP Prüfung Online- oder Präsenzunterricht

So., 23. Okt. 2022, 10-18 Uhr (€ 140,00)

Die wichtigsten Themen im Überblick

  • Wie stelle ich mich am besten zu Beginn der Prüfung vor?
  • Was sind die einzelnen Schritte bei einer “differenzialdiagnostischen Vorgehensweise”?
  • Wie völlig anders ist ein Vorgehen nach dem „psychopathologischen Befund?”
  • Was erwarten die Prüfer bei der Frage: „Was machen Sie mit dem Mann/der Frau?“ – Welche Psychotherapieverfahren erwarten die Prüfer bei den verschiedenen psychischen Störungen? In welchen Fällen dürfen Sie Ihre erlernte Psychotherapie einbringen?
  • Welche Fragen zum Unterbringungsrecht (PsychKG) und zum Betreuungsrecht werden häufig gestellt?
  • Mit Übungsblättern zu Fallbeispielen aus vergangenen mündlichen Prüfungen.
  • Kursleitung: Walter Hiemer
  • Mehr unter Fälletraining mündliche Prüfung

Mündliche Prüfung: Fälletraining / Coaching in Kleingruppen (3-5 Teilnehmer)

Beim Coaching unterzieht sich jeder Teilnehmer einer simulierten mündl. Prüfung (20 min), bei der auch die so wichtige Vorstellung vor den Prüfern (3-5 min) geübt wird. Außerdem: Besprechung von Fallgeschichten unter Verwendung von mehr als 100 Gedächtnisprotokollen der jeweiligen Prüfungskommission (München-Stadt, München-Land, Augsburg, Landshut etc.), damit jeder weiß, was auf ihn/sie zukommt!!! Für zu Hause noch ein etwa 30-seitiges Skript mit Fragen und Fallgeschichten aus vergangenen Prüfungen. – Kursleitung: Walter Hiemer

Termine: individuell vereinbar, je nach Prüfungstermin
Teilnahmegebühr: € 120,00.
Mehr unter Coaching in Kleingruppen

Sicher durch die mündliche Prüfung HP Psychotherapie

Differenzialdiagnostisches Vorgehen

Die Prüfer sind meist Ärzte mit Klinikerfahrung. In der ärztlichen Praxis bzw. Klinik gilt: Der Arzt stellt eine wahrscheinliche Diagnose = Verdachtsdiagnose (VD), die erst dann gültig ist, wenn alle anderen möglichen Diagnosen = Differenzialdiagnosen (DD) ausgeschlossen werden können. In der mündlichen Prüfung haben die Prüfer dieselbe Vorgehensweise im Kopf, nämlich:

  1. Was ist die wahrscheinlichste Diagnose (= Verdachtsdiagnose). Variante: „Was denken Sie hat der Mann/die Frau?“
  2. Was sind Ihre differenzialdiagnostischen Überlegungen? Hier sind auch Störungen zu nennen, die „weit hergeholt“ erscheinen, trotzdem durch Nachfragen geklärt werden müssen.
  3. Ganz wichtig! In der Regel kehrst Du zu Deiner ersten Diagnose zurück: Nach Ausschluss der Differenzialdiag­nosen wird aus der Verdachtsdiagnose nun die endgültigen Diagnose
  4. Ausnahme: Du hast dich in der Verdachtsdiagnose geirrt. Dann ersetzt Du sie durch eine der Differenzialdiagnosen – natürlich mit einer entsprechenden logischen Begründung

Differenzialdiagnosen: Beispiele

Beispiel 1: Prüfer: Jemand hat immer wieder Panikattacken. Welche körperlichen Erkrankungen müssten Sie zuallererst durch weitere Fragen ausschließen?

  • Hyperthyreose
  • Hypoglykämie
  • Koronare Herzkrankheit (z.B. Anina pectoris)
  • Asthma bronchiale
  • Epilepsie
  • Entzugssyndrom von Benzos, Alkohol, etc.

Prüfer: Wenn Sie eine körperliche Verursachung ausgeschlossen haben: Welche psychischen Erkrankungen müssten Sie durch weitere Fragen abklären?

  • Panikstörung
  • Agoraphobie
  • Herzangstsyndrom
  • soziale Phobie
  • Klaustrophobie
  • Akrophobie

Beispiel 2: Prüfer: Jemand kommt stark untergewichtig in Ihre Praxis. Welche körperlichen Ursachen müssten Sie vorweg abklären, bevor Sie die Diagnose „Magersucht“ in Betracht ziehen:

  • Kolitis ulcerosa
  • Morbus Crohn
  • Unverträglichkeit von Nahrungsmitteln
  • Hyperthyreose
  • Krebserkrankung

Prüfer: Was müssten Sie – abgesehen von der Diagnose Magersucht – als DD noch in Betracht ziehen (psychische Ursachen):

  • schwere depressive Episode (somatisches Syndrom)
  • wahnhafte Störung (z.B. Vergiftungswahn) 
  • Missbrauch von Stimulanzien

Beispiel 3. Prüfer: Eine 16jährige ist bei Ihnen in der Praxis, weil sie seit ihrer Knie-OP vor 3 Tagen Stimmen hört, die ihr zum Beispiel sagen, sie solle den Fön ins Wasser werfen. Sie schlafe nun wieder bei den Eltern. Differenzialdiagnostische Überlegungen:

  • Schizophrenie? Nein! Keine dialogischen oder kommentierenden Stimmen! Keine sonstigen Symptome für Schizophrenie; Zeitkriterium: 4 Wochen!
  • Depressive Episode mit psychotischen Symptomen? Zeitkriterium! Keine sonstigen depressiven Symptome.
  • Akute Belastungsreaktion: Keine anhaltenden psychotischen Symptome. Dauer max. 2 Tage
  • Anpassungsstörung? Keine psychotischen Symptome bei der Anpassungsstörung.
  • Wahrscheinlichste Diagnose:
  • Abklingendes postoperatives Delir (Durchgangssyndrom) als Folge der bei einer OP verabreichten Narkosemittel, Analgetika (= Schmerzmittel, meist Opioide) und Muskelrelaxantien (z.B. Benzodiazepine u.a.m.) mit kurzzeitigen psychotischen Symptomen und Angst (sie schläft mit 16 wieder im Zimmer/im Bett der Eltern)

Beispiel 4: Fallgeschichte: ine 27-jährige Lehramts-Referendarin kommt in die Praxis, weil sie sich so erschöpft fühlt, schlecht schläft, keinen Appetit mehr hat und sich nur mit Mühe konzentrieren kann. Bis vor kurzem hat ihr der Lehrberuf großen Spaß gemacht, aber jetzt hat sie keine Freude mehr an ihrem Beruf und schafft es oft nicht mehr, den Unterricht vorzubereiten oder Schülerarbeiten zu korrigieren. Manchmal ist sie nach dem Unterrichten so erschöpft, dass sie sich im Lehrerzimmer hinlegen muss.
Ergänzend fügt sie hinzu, .dass sie vor oder nach einer Prüfungslehrprobe des Öfteren Sehstö­rungen hat und z.B. unscharf sieht. Sie war deshalb beim Augenarzt, der konnte aber nichts finden. Und beim Wan­dern in den Bergen hatte sie mehrmals Kribbelgefühle (Parästhesien) in den Beinen.

  • DD1: Mittelgradige oder schwere depressive Episode -> Symptome im 1. Abschnitt
  • DD2: Konversionsstörung: Sehstörungen bei Prüfungslehrproben als Folge der Aufregung
  • DD3: Neurologische Ursache: Parästhesien in den Beinen ohne psychische Belastung
  • DD4: Sehstörungen und Parästhesien sind Frühsymptome einer MS; evtl. auch Folgen eines Hirntumors
  • VD = Wahrscheinlichste Diagnose:Organische Depression als Folge von MS oder eines Hirntumors.

Übrigens: In meinem „Intensivkurs Heilpraktiker für Psychotherapieverstehen“ gibt es zu jedem Krankheitsbild nicht nur eine dazu passende Fallgeschichte, sondern auch einen Abschnitt mit Hinweisen zu verschiedensten Differenzialdiagnosen. Das Buch erscheint Mitte Oktober 2017. Weitere Merkmale: 150 spannende und einprägsame Fallgeschichten, in denen die Diagnosekriterien nach ICD 10 hervorgehoben sind. Dazu eine eingängige Sprache und mehrfaches Wiederholen von Fachbegriffen, Symptomen und Diagnosekriterien sowie zahlreiche Illustrationen, Merkwörter und Gedächtnisstützen, die helfen sollen, das Gelernte auch in der Prüfungssituation leicht abzurufen.

Werde ich in der „Mündlichen“ nach einer Ausbildung in Psychotherapie gefragt?

Meist Ja! Immer wieder wird uns berichtet, man brauche für die Prüfung keine psychotherapeutische Ausbildung. Dies ist allein schon durch die Gesetzesvorlage nicht gegeben, wo es heisst: Der Prüfling muss überdies „die Befähigung besitzen, Patienten entsprechend der Diagnose psychotherapeutisch zu behandeln“ und fähig sein, mit seiner Art von Psychotherapie „therapeutisch auf den Befund so zu reagieren, dass der Patient durch die konkrete Behandlung keinen gesundheitlichen Schaden erleidet„. Dies ohne eine Ausbildung in Psychotherapie zu gewährleisten wäre realitätsfremd. Behauptungen, man brauche für den „HP-Psych“ keine Psychotherapieausbildung widersprechen den gesetzlichen Vorgaben und Bedingungen des oben zitierten Urteils (BVerwG 3 C 34.90 vom 31.01.93).

Manche Prüfungsämter (z.B. In München, Augsburg, Landshut) sind in dieser Hinsicht eher großzügig: Wenn jemand z.B. eine Ausbildung begonnen, aber noch nicht abgeschlossen hat, wird dies meist akzeptiert. Manche Prüfer geben sich auch zufrieden, wenn der Prüfling „glaubwürdig versichert“, dass er/sie nach bestandener Prüfung bei der HP-Schule XY eine Ausbildung in **-Therapie absolvieren wird.

Einen Überblick über mögliche Therapieformen findet Ihr unter meinem Beitrag Mit welcher Psychotherapie will ich später in eigener Praxis arbeiten?

Ausbildung Psychotherapie für Heilpraktiker : Mit welcher Therapie will ich später in meiner HPP Praxis arbeiten?

Welche Therapie darf ein Heilpraktiker für Psychotherapie in seiner Praxis anwenden?

Diese Frage ist relativ eindeutig zu beantworten: Für jeden Heilpraktiker gelten die Prinzipien der Therapiefreiheit und der Sorgfaltspflicht. Ein Heilpraktiker für Psychotherapie darf also jede Art von Psychotherapie anwenden, wenn er aufgrund seiner Ausbildung „die Befähigung besitzt, Patienten entsprechend der Diagnose psychotherapeutisch zu behandeln“ und hierbei gewährleistet ist, dass der Patient durch die konkrete Behandlung keinen gesundheitlichen Schaden erleidet (BVerwG 3 C 34.90 vom 21.01.1993; Kap. 16.1.2, Box 16.1).

Ein Heilpraktiker für Psychotherapie darf also auch mit Therapieverfahren arbeiten, die ein Psychologischer Psychotherapeut nicht anwendet oder zumindest nicht mit der „Kasse“ abrechnen kann – vorausgesetzt, er hat eine fundierte Ausbildung hierzu absolviert. Er darf z. B. mit Hypnose arbeiten, mit Kunst-, Gestalt- und Gesprächstherapie, mit Systemischer Therapie, Traumatherapie, Musiktherapie und vielen weiteren Richtungen der Psychotherapie, solange es sich dabei um Verfahren handelt, die nach allgemeinem Wissensstand als Psychotherapie anerkannt sind. Ein Überblick über häufig praktizierte anerkannte Psychotherapieverfahren findet sich weiter unten.

Mit welcher Form von Psychotherapie will ich später in eigener Praxis arbeiten?

Mit Bestehen der Prüfung zum Heilpraktiker für Psychotherapie erwirbt jeder Prüfling die Berechtigung, in eigener Praxis psychotherapeutisch zu arbeiten. In der Regel lernen die zukünftigen Therapeuten bereits vor der Prüfung ein psychotherapeutisches Verfahren, das sie später in ihrer Praxis anwenden werden. Bevor jemand sich darauf einlässt, eine fundierte, oft 1–3 Jahre dauernde Ausbildung in einem psychotherapeutischen Verfahren zu erlernen, ist es ratsam, sich in einer ersten Entscheidungsphase drei wichtige Fragen zu stellen:

1. Ist die Therapie, die ich erlernen möchte, eine Therapieform, zu der ich mich so hingezogen fühle, dass ich sie in meiner zukünftigen Praxis mit Überzeugung und Begeisterung ausüben werde?

2. Ist es eine Therapie, die NICHT von Psychologischen Psychotherapeuten angeboten wird? Auch wenn in der Prüfung viel Wissen über Verhaltenstherapie und tiefenpsychologische Verfahren verlangt wird, bedeutet dies nicht, dass Sie mit diesen Therapieformen eine erfolgreiche Praxis aufbauen können. Im Gegenteil: Warum sollte jemand Therapiesitzungen bei einem Heilpraktiker für Psychotherapie aus eigener Tasche bezahlen, wenn die Kosten für dieselbe Therapie bei einem Psychologischen Psychotherapeuten von der Krankenkasse übernommen wird? Sinnvoller ist es, eine Therapie zu wählen, die für viele Suchende eine Alternative zur Verhaltenstherapie oder Psychoanalyse darstellt: z. B. Hypnotherapie oder Kunsttherapie, Tanz- und Bewegungstherapie oder imaginative Verfahren wie katathymes Bilderleben oder Tagtraumtechnik. Die Auswahl ist groß. Wichtig ist allerdings, dass das von Ihnen gewählte Psychotherapieverfahren zu Ihnen passt und Sie in Ihrer Ausbildung sowohl in der Rolle als Klient wie auch in der Rolle als Therapeut schon Erfahrungen gesammelt haben. Im Forum Gilching bieten wir eine einjährige Psychotherapieausbildung an, in der Sie schon an zwölf Kurstagen einmal als Therapeut(in), einmal als Klient(in) Erfahrungen sammeln und überdies in sieben Supervisions- und Schulungssitzungen eigene Themen bearbeiten können. Weitere Infos zu unserer Systemischen Bild-, Gestalt- und Traumatherapie (BGT) finden Sie auf der Website des Forums Gilching unter Systemische Bild-, Gestalt- und Traumatherapie oder in einem aktuellen Blog-Beitrag zu unserer „BGT“.

3. Wo plane ich, meine Praxis zu eröffnen? Wenn Sie in einer größeren Stadt wohnen und in nächster Nähe z. B. von der Volkshochschule oder von anderen Therapeuten Entspannungstechniken, Achtsamkeitstraining oder Gesprächsführung nach Rogers angeboten werden, dürfte es schwierig werden, mit diesen Verfahren Klienten für Ihre zukünftige Praxis zu gewinnen. Sinnvoller ist es, eine Therapieform zu wählen, mit der Sie in Ihrer Gegend ein „Alleinstellungsmerkmal“ besitzen, sodass Menschen, die z. B. nach Hypnotherapie, Focusing, Kunsttherapie, Arbeit mit dem inneren Kind oder körperorientierter Psychotherapie suchen, automatisch auf Ihrer Website landen und Sie weiterempfehlen, wenn Ihre Therapie ihnen geholfen hat.

Anerkannte Psychotherapieverfahren im Überblick

Richtlinienverfahren für Psychologische Psychotherapeuten. Die Kosten werden i. d. R. von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen:

  • Klassische und kognitive Verhaltenstherapie
  • Analytische Psychotherapie (Psychoanalyse)
  • Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie
  • Systemische Therapie (ab 2020, nur für Erwachsene)
  • EMDR-Traumatherapie (nur für Erwachsene mit diagnostizierter PTBS)
Anerkannte psychotherapeutische Verfahren, meist nicht von den Krankenkassen bezahlt:
  • Gesprächspsychotherapie nach C. Rogers (als Gesprächstechnik häufig in VT, ST, Psychoanalyse integriert; auch ein wichtiger Bestandteil vieler anderer Formen von Psychotherapie)
  • Focusing (nach E. Gendlin)
  • Hypnose/Hypnotherapie n (nach M. H. Erickson u. a.)
  • Logotherapie (nach V. Frankl)
  • Gestalttherapie (nach F. Perls)
  • Ego-State-Therapie (nach John und Helen Watkins)
  • Arbeit mit inneren Kindanteilen
  • Internal Family System/IFS (nach R. C. Schwartz)
  • Traumatherapie
  • Somatic Experiencing/SE (nach P. Levine)
  • Katathymes Bilderleben/Katathym-imaginative Psychotherapie (nach H.-C. Leuner)
  • Körperorientierte Psychotherapie (nach W. Reich, G. Boyesen, A. Lowen u. a. m.)
  • Atemtherapie
  • Psychodrama (nach J. L. Moreno)
  • Transaktionsanalyse (nach E. Berne)
  • Kunsttherapie
  • Musiktherapie
  • Tiergestützte Therapie (z. B. Reittherapie)
  • Arbeit am Tonfeld
  • u.a.m.
Entspannungstechniken für psychisch „Gesunde“, die in verschiedensten psychotherapeutischen Verfahren begleitend eingesetzt werden:
  • Achtsamkeitstraining (MBST/MBCT)
  • Progressive Muskelrelaxation (nach E. Jacobson)
  • Autogenes Training (AT nach H. J. Schultz); PMR nach Jacobson)
  • Entspannung durch Atmen
  • Meditation
  • Traumreisen
  • und andere mehr

Die hier vorgestellten Therapieverfahren erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Reihenfolge der einzelnen Methoden ist zufällig gewählt. Weitere Informationen zu den aufgeführten Therapieformen finden Sie unter dem jeweiligen Stichwort im Internet.

Erlaubte Therapieverfahren – was darf man im Mündlichen sagen?

1. Immer wieder werde ich in meinen Kursen wie auch in meinem Blog gefragt, welche Therapieverfahren ein HP-Psych anwenden bzw. mit welchen Klienten er arbeiten oder auch nicht arbeiten darf. Dies Frage ist relativ eindeutig zu beantworten, wenn es um die schriftliche Prüfung geht: für jeden Heilpraktiker gelten die Prinzipien der Therapiefreiheit und der Sorgfaltspflicht. Ein Heilpraktiker für Psychotherapie darf also jede Art von Psychotherapie anwenden, wenn gewährleistet ist, dass er auf Grund seiner Ausbildung „die Befähigung hat, Patienten entsprechend der Diagnose psychotherapeutisch zu behandeln“. Ein HP-Psych darf somit verhaltenstherapeutisch arbeiten, wenn er eine fundierte Ausbildung hierzu absolviert hat; deshalb darf er auch – wie in einer Prüfungsfrage der Herbstprüfung 15-2 – Störungen behandeln, für die i.d.R. die Verhaltenstherapie angewandt wird. Er darf natürlich auch mit Hypnose arbeiten, mit Kunst-, Gestalt- und Gesprächstherapie, mit systemischer Familientherapie, Tanztherapie, Arbeit mit dem Tonfeld etc. Und: Er darf auch psychoanalytisch arbeiten, wenn er eine entsprechende Ausbildung (z.B. als Laienanalytiker) absolviert hat. Einige Fragen zum Thema „Welche Therapieverfahren darf ein HP-Psych anwenden?“ finden Sie unter Punkt 3.

In diesem Zusammenhang noch ein Wort zum Begriff „Psychotherapie„: Das Wort Therapie kommt vom griechischen „therapeia“ und bedeutet: „Heilung/Linderung einer Erkrankung“. Psycho-Therapie bedeutet somit: Heilung oder Linderung einer psychischen Erkrankung. Wenn jemand allerdings ein Verfahren gelernt hat, mit dem man vorwiegend mit Gesunden arbeitet (z.B. Coaching; Lebensberatung), so zählt dies nicht zur Psychotherapie. Wenn jemand damit – als HP-Psych oder Laie – psychisch Kranke behandelt, ist er ebenso eine „Gefahr für die Volksgesundheit“ wie ein großer HP oder HP-Psych, der mit einem Wochenendkurs Hypnose, Gesprächstherapie oder Familienstellen Menschen mit einer Angststörung, einer Zwangserkrankung oder einer PTBS zu behandeln versucht.

2. Schwieriger ist die Beantwortung der Frage, wenn es um die mündliche Prüfung geht: da wollen die Prüfer nicht wissen, welche Therapie Sie „grundsätzlich“ ausüben dürfen, sondern ob Sie die in der Fallgeschichte diagnostizierte psychische Störung mit Ihrer Art von Psychotherapie behandeln oder an einen „Experten“ abgeben. In meinem Buch „Sicher durch die mündliche Prüfung“ habe ich deshalb die unter (1) genannten Aussagen etwas relativiert, denn im Mündlichen hat es der Prüfling mit Prüfern zu tun, die entweder Anhänger der Psychoanalyse sind (augenblickliche eher selten) oder sich der Verhaltenstherapie verschrieben haben. Meist ist unter den Prüfern ein Psychologischer Psychotherapeut: Die Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten umfasst mindestens 4.200 Stunden, sie dauert in der Vollzeitform mindestens 3 Jahre und in der berufsbegleitenden Form mindestens 5 Jahre. Hier wäre es unklug zu behaupten: Ich habe eine Ausbildung in VT gemacht und werde den Klienten mit seiner Phobie/Angststörungen/Zwangsstörung/Depression verhaltenstherapeutisch behandeln. Besser ist es zu sagen: Bei einer Phobie/Zwangsstörung etc. hat sich die VT bewährt… Ich werde den Klienten also raten, zu einem Verhaltenstherapeuten zu gehen. Meist kommt dann die Zusatzfrage: Welche Art von VT ist hier am besten geeignet (klassische VT? Kognitive VT? Muss der Prüfling erklären können!).

Zur Illustration hier noch ein Beispiel: In einer mündlichen Prüfung ging es kürzlich um einen jungen Mann mit einer Agoraphobie. Die Frage an den Prüfling [Ausbildung in Gesprächstherapie]: „Wie gehen Sie hier therapeutisch vor? -“ Prüfling: „Eigentlich dürfte ich den Klienten behandeln, aber bei Phobien hat sich die VT bewährt.“ – Prüferin am Ende der Prüfung: „Nicht bestanden. Ihr größter Fehler war zu sagen, Sie dürften den Mann behandeln – das dürfen Sie nicht!“

Heilpraktiker Psychotherapie : Tipps und Tricks für die schriftliche Prüfung 2022-2 (2)

„Psychotherapeutische Verfahren“ – „Vorsicht Falle“ – „Das habe ich noch nie gehört“ – „Thema unbekannt“ u.a.m.

1. Fragen zu psychotherapeutischen Verfahren

Wie in Teil 1 bereits beschrieben, gab es in letzter Zeit in jeder Prüfung 4-5 Fragen zu psychotherapeutischen Verfahren – im Gegensatz zu früheren Jahren, wo die Themenbereiche Schizophrenie, affektive Störungen, psychotrope Substanzen und psychopathologischer Befund vorherrschten.

In den Jahren 2012-1 bis 2022-1 (20 Prüfungen) gab es insgesamt 75 Fragen zum Thema Psychotherapie, die sich wie folgt verteilten:

  • Verhaltenstherapie: 31 Fragen
  • Psychoanalyse: 13 Fragen
  • Allgemeine Fragen, z.B. „Was zählt zur Psychotherapie“: 20 Fragen
  • Andere Therapieverfahren, z.B. DBT, AT, Übungen zur Achtsamkeit u.a.m.: 11 Fragen
  • Ein Sonderfall war die Prüfung 22-1: da gab es 11 Fragen zur „Psychotherapie“, darunter auch eine Frage zur Dialektisch Behavioralen Therapie (DBT), zum SORKC-Modell, zur systematischen Desensibilisierung, zu Merkmalen der Gruppentherapie, zum therapeutischen Vorgehen bei einer Somatisierungsstörung, zu Prinzipien der Psychoanalyse, zum sekundären Krankheitsgewinn, zu den Therapieformen, die ein HP-Psych ausüben darf, welche Therapieverfahren zur Psychotherapie zählen u.a. mehr.
  • Zusammengefasst bedeutet dies für Dein Lernprogramm: Psychotherapeutische Verfahren sollten auf Deiner Lernliste weit oben stehen.
  • Wichtig zu wissen:
  • In allen seit 1996 abgehaltenen Prüfungen gab es keine einzige Frage zu den Merkmalen der Psychotherapie nach C.G.Jung, Alfred Adler, Viktor Frankl, Fritz Perls, I. Moreno u.a. mehr. So interessant diese Pioniere der Psychotherapie auch sein mögen – Du kannst sie in Deinem Lernprogramm streichen.
  • In den letzten Jahren kamen vereinzelt auch Fragen zu Entspannungsverfahren (AT; PMR), EMDR, DBT und Techniken der Achtsamkeit. Hier genügt es, die Lösungsvorschläge vergangener Prüfungsfragen durchzugehen und sich die wichtigsten Merkmale hierzu einzuprägen. Meine „Lernkarten“ und mein Buch „Schriftliche Prüfung“ können hierbei vielleicht eine wertvolle Hilfe sein.

2. „Ausgefallene“ Themen, die in bisherigen Prüfungen kaum oder nie vorkamen

Auffällig ist, dass  die Prüfer in letzter Zeit Themenbereiche einbauen, die man in den herunterzuladenden Prüfungsfragen nicht findet, weil sie bisher nie oder fast nie im Schriftlichen vorkamen. Beispiele:

  • März 2017: Messie-Syndrom, HAWIE-Intelligenztest; expressive/rezeptive Sprachstörung bei Kindern.
  • Oktober 2017: Reaktive Bindungsstörung; dissoziative Amnesie.
  • März 2018: Migräne; Sexualstörungen; Multiple Sklerose
  • Oktober 2018: Rett-Syndrom; formelle Achtsamkeitsübungen
  • März 2919: Lernmechanismen beim Rollenspiel; Wechsler-Intelligenztest
  • Oktober 2019: Substitutionsbehandlung von Heroinabhängigen; mögliche Ursachen einer organischen depressiven Störung
  • Oktober 2020: Morbus Parkinson; Entzugserscheinungen nach Absetzen von Cannabis; Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT); EMDR-Therapie; Patientenrechtegesetz
  • März 2021: Nochmals: Substitutionsbehandlung von Opioidabhängigen ; Nebenwirkungen einer psychotherapeutischen Behandlung
  • Oktober 2021: Motivierende Gesprächsführung (Motivational Interviewing); Symptome des Nikotinentzugssyndroms; Nebenwirkungen der Psychotherapie; Sonderfälle bzgl. Unterbringung (siehe „Vorsicht Falle“)
  • März 2022: Hypoglykämie; Geschäftsunfähigkeit; Gruppentherapien; Unterbringung nach BGB, Strafrecht, Psychisch-Krankengesetz oder Freiwilligkeitserklärung

Was tun?

Es ist sicher nicht sinnvoll, für die Rand- oder Grenzbereiche der Psychiatrie und Psychotherapie unzählige Fachbücher durchzuarbeiten, um „optimal“ für die Prüfung vorbereitet zu sein – dies alles zu speichern schafft Euer Gehirn nicht. Besser ist es sich darauf einzustellen, dass ein oder zwei Fragen kommen werden, bei denen es darum geht, den gesunden Menschenverstand einzuschalten, die Fragestellung bewusst prüfen oder über Lösungsstrategien – z.B. bestimmte Signalwörter, Lösungsvorschläge wie „Keine der Aussagen ist richtig“ oder die Anwendung von „Ausschlussverfahren“ andere Lösungen auszuschließen. Einige Beispiele hierfür:

3. Lösungsstrategien

1. Ausschlussverfahren:

P 21-2: Aussagenkombination. Zu den organischen einschließlich symptomatischen psychischen Störungen (nach ICD-10) zählen:

1. Leichte kognitive Störung
2. Delir, nicht durch Alkohol oder andere psychische Substanzen bedingt
3. Demenz bei Alzheimer Krankheit
4. Katatone Schizophrenie
5. Postenzephalitisches Syndrom

□ A Nur 2 und 5 sind richtig
□ B Nur 3 und 4 sind richtig
□ C Nur 2, 3 und 5 sind richtig
□ D Nur 1, 2, 3 und 5 sind richtig
□ E Alle Aussagen sind richtig

Du weißt, dass 4 in jedem Fall falsch ist, damit entfallen die Lösungen B und E. Du bist aber unsicher, ob das postenzephalitische Syndrom dazu gehört. 2 + 3 sind in jedem Fall richtig, damit auch das postenzephalitische Syndrom. Bleibt nur die Frage: zählt die leichte kognitive Störung auch dazu – ja, das hast du gelernt. Die einzig mögliche Lösung ist somit D: 1, 2, 3 und 5 sind richtig

Weitere Beispiele aus vergangenen Prüfungen gibt es an unseren 2 Tagen „Prüfungstraining“ (Kursleitung: Walter Hiemer). Der Kurs findet online statt.

2. Genau lesen! Vorsicht Falle!

Die Fragestellung genau lesen! Es geht hier um den schädlichen Gebrauch (F1x.1), nicht um das Abhängigkeitssyndrom (F1.x.2). Damit entfallen die für das Abhängigkeitssyndrom typischen Merkmale 1, 4 und 5. Richtig ist A: Nur 2 und 3 sind richtig.

Prüf.21-1. Vorsicht Falle! Aussagenkombination : Welche der folgenden Aussagen zu Angststörungen treffen zu?
1. Die körperliche Reaktionen und Empfindungen der pathologischen Angst unterscheiden sich in der Qualität erheblich von denen der „normalen“ Angst
2. Die soziale Phobie gehört zu den häufigsten Angststörungen
3. Bei der Agoraphobie besteht eine Angst sich in eine Menschenmenge oder auf öffentliche Plätze zu begeben
4. Eine Panikattacke ist eine einzelne, abrupt beginnende Episode von intensiver Angst oder Unbehagen, die mit vegetativen Symptomen einhergeht
5. Ein primäre Angststörung liegt bei einem Angstsyndrom vor, das auf eine körperliche oder psychische Grunderkrankung zurückzuführen ist

□ A Nur 2 und 4 sind richtig
□ B Nur 1, 2 und 3 sind richtig
□ C Nur 2, 3 und 4 sind richtig
□ D Nur 3, 4 und 5 sind richtig
□ E Alle Aussagen sind richtig

Vorsicht Falle. Es geht in Aussage 1 NUR um die körperlichen Reaktionen, und NUR um die ART (=Qualität), nicht um die Stärke (= Quantität) oder das Andauern der körperlichen Symptome wie Zittern, Atemnot, Schwächegefühl, Übelkeit, Schwindel etc. – In Aussage 5 geht es um den 2. Teil der Aussage: Beschrieben wird hier die sekundäre Angststörung als Folge einer körperlichen oder psychischen Grunderkrankung. Bei einer primären Angststörung sind die Angstsymptome nicht auf eine psychische Erkrankung (z.B. Depression, Schizophrenie, Delir), eine organische Verursachung (z.B. Hyperthyreose, Herzerkrankung) oder einen Missbrauch psychotroper Substanzen zurückzuführen. Zu den primären Angststörungen zählen u.a. Phobien, die Panikstörung und die generalisierte Angststörung.
Richtig ist Lösung C: Nur 2, 3 und 4 sind richtig.

3. Den gesunden Menschenverstand einschalten

P 21-1: Aussagenkombination. Welche der folgenden Aussagen treffen zu? Zu den unerwünschten Wirkungen bzw. Risiken einer psychotherapeutischen Behandlung zählen:

1. Auftreten von psychotischen Symptomen
2. Destabilisierung von Beziehungen
3. Suizid des Patienten
4. Verminderung eines begleitenden Substanzkonsums
5. Übertragung im Rahmen der psychoanalytischen Therapie

□ A Nur 1 und 3 sind richtig
□ B Nur 1, 2 und 3 sind richtig
□ C Nur 2, 4 und 5 sind richtig
□ D Nur 1, 2, 3 und 5 sind richtig
□ E Allen Aussagen sind richtig

Genau lesen und entscheiden: Wenn jemand im Verlauf der Therapie seinen Drogenkonsum reduziert – ist das eine unerwünschte Nebenwirkung? Nein! Und wenn ein Klient im Rahmen einer psychoanalytischen Behandlung sein Vater-/Mutterproblematik auf den Therapeuten überträgt? Das zählt – so hast du gelernt – in der Psychoanalyse zu einem wichtigen und erwünschten Element der Therapie. 4+5 sind also falsch. Kann es im Verlauf einer Psychotherapie kurz- oder längerfristig zu Beziehungsproblemen kommen? Ja, bei bestimmten Therapieformen (Psychoanalyse) in jedem Fall. Wenn 2 richtig ist und 4+5 falsch, bleibt nach Ausschlussverfahren: B Nur 2, 4 und 5 sind richtig.

P 19-1: Aussagenkombination. Bei welchen der folgenden Erkrankungen wirken psychische Faktoren in der Krankheitsentstehung oder -verschlimmerung mit?
(1) Colitis ulcerosa
(2) Enterocolitis regionalis (Morbus Crohn)
(3) Asthma bronchiale
(4) Essentielle arterielle Hypertonie
(5) Psoriasis vulgaris (Schuppenflechte)

□ A Nur 1 und 4 sind richtig
□ B Nur 2 und 3 sind richtig
□ C Nur 1, 3, und 4 sind richtig
□ D Nur 1, 2, 3 und 5 sind richtig
□ E Alle Aussagen sind richtig

Zur Fragestellung: Es geht u.a darum, ob psychische Faktoren (z.B. Stress, nicht gelöste Konflikte, Probleme am Arbeitsplatz, depressive Syndrome etc.) dazu führen können, dass Symptome einer bestehenden körperlichen Erkrankung sich verschlechtern. Eigene Erfahrungen oder Erfahrungen mit Menschen aus deinem Umfeld werden dir bestätigen: Ja, bei ganz ganz vielen Erkrankungen verschlimmern sich die Symptome, wenn jemand durch Beruf, Familie, Partnerschaft dauerhaft belastet ist. Auch die Schuppenflechte verschlechtert sich z.B., wenn der Organismus durch Dauerstress belastet ist. Alle Aussagen dürften somit zutreffend sein, auch wenn du vielleicht einzelne Fachausdrücke nicht mehr „parat“ kennst. Hier nochmals zur Wiederholung:

  • Colitis ulcerosa: Entzündung (–> „-itis“) des Enddarms/Dickdarms (lat. Colon) mit Geschwüren (lat. ulcus). Dadurch oft blutig-schleimige Durchfälle. Die Kolitis zählt zu den Autoimmunerkrankungen.
  • Morbus Crohn: Chronisch entzündliche Erkrankung mit Durchfall und chronischen Bauchschmerzen, die an verschiedensten Stellen des Darms (oft im Dünndarm) auftreten kann. Morbus Crohn zählt zu den Autoimmunerkrankungen.
  • Asthma bronchiale zählt zu den Autoimmunerkrankungen. Aufregung/Stress können einen lebensbedrohlichen Asthmaanfall auslösen
  • Essentielle (primäre) Hypertonie bedeutet: dauerhafter Bluthochdruck ohne erkennbare Ursache, im Gegensatz zu einer sekundären Hypertonie, die z.B. durch eine Nierenerkrankung, durch Erkrankungen der Schilddrüse auftreten kann.
  • Die Symptome der Schuppenflechte verschlechtern sich in der Regel bei psychischen Belastungen. Auch die „Psoriasis“ zählt zu den Autoimmunerkrankungen.
4. Genau lesen! Auf „Signalwörter“, „Schlüsselbegriffe“ , „Symptome“ achten!

P 21-1: Aussagenkombination. Welche der folgenden Aussagen zur Substitutionsbehandlung von Opiodabhängingen treffen zu?

1. Eine Schwangerschaft schließt eine Substitutionsbehandlung aus
2. Die Substitutionsbehandlung darf in Ausnahmefällen (z.B. Sonntag/Feiertage) vom Heilpraktiker durchgeführt werden
3. Eine Substitutionsbehandlung ist ein generelles Ausschlusskriterium für das Führen eines Kraftfahrzeuges
4. Methadon ist auch suchterzeugend
5. Das Risiko an HIV-Infektionen wird durch die kontrollierte Methadonabgabe verringert

□ A Nur 1 und 5 sind richtig
□ B Nur 2 und 3 sind richtig
□ C Nur 4 und 5 sind richtig
□ D Nur 1, 3 und 4 sind richtig
□ E Nur 3, 4 und 5 sind richtig

Signalwörter wie „immer“, „nie“ signalisieren, dass die Aussage aller Wahrscheinlichkeit falsch ist, denn in der Psychiatrie (wie auch in der Medizin ganz allgemein) gibt es nahezu immer Ausnahmen von der Regel. Das gilt in diesem Fall auch für den Begriff „generelles (= ohne Ausnahme gültiges) Ausschlusskriterium“. In der Tat gibt es auch hier eine Ausnahme von der Regel: In seltenen Einzelfällen (z.B. nach einem Jahr Substitutionsbehandlung und eingehender ärztlicher Untersuchung) kann ausnahmsweise eine Erlaubnis erteilt werden – das geht aus verschiedenen Beiträgen im Internet hervor. Aussage 3 ist also falsch! Da auch für heroinabhängige Schwangere zum Schutz des Babys eine Substitutionsbehandlung indiziert sein kann und Methadon auch abhängig machen kann, ist die richtige Lösung C: Nur 4 und 5 sind richtig. – Eine echte Falle! Warum ein HP-Psych dies wissen muss, ist nicht nachvollziehbar.

In der folgenden Prüfungsfrage bewirkt das Schlüsselwort „immer“ , dass Aussage 5 falsch sein muss.

P 2000-1: Aussagenkombination: Für das Korsakow-Syndrom gilt:
(1) amnestische Störungen sind typisch
(2) die örtliche Orientierung ist in der Regel nicht gestört
(3) die Erkrankung tritt in der Regel nur nach langjährigem Alkohol-Missbrauch auf
(4) Konfabulationen können stark ausgeprägt sein
(5) die Erkrankung ist immer chronisch und deshalb irreversibel

□ A nur 1 und 4 sind richtig. Zu 5: „immer chronisch“ = falsch.

Zahlreiche weitere Beispiele zu verschiedensten Lösungsstrategien gibt es an unseren zwei Tagen „Prüfungstraining“ (Kursleitung: Walter Hiemer). Der Kurs findet online statt.

5. Häufig gefragt: Welche Therapie darf ein HP-Psych anwenden?

Zu diesem Thema gibt es regelmäßig immer wieder eine Prüfungsfrage mit ganz verschiedenen Schwerpunkten. In der Folge eine Zusammenfassung von Original-Aussagen zum Thema: Welche Therapie darf ein HP-Psych anwenden? Welche psychischen Störungen darf er behandeln? Welche anderen Techniken oder Hilfen darf er in seiner Praxis anwenden. Hierzu zwei typische Fragestellungen:

Inhaber einer auf das Gebiet der Psychotherapie beschränkten Heilpraktikererlaubnis dürfen grundsätzlich im Rahmen der psychotherapeutischen Behandlung anbieten: …
Oder:
Für Inhaber einer auf das Gebiet der Psychotherapie beschränkten Heilpraktikererlaubnis besteht bei folgenden Tätigkeiten bzw. Therapieformen ein Behandlungsverbot (in der Folge bitte ankreuzen):

  • 1 Homöopathie
  • 2 Hypnotherapie
  • 3 Psychoanalyse
  • 4 Logotherapie
  • 5 Gestalttherapie
  • 6 Kognitive Umstrukturierung
  • 7 Psychotherapeutische Behandlung einer Tic-Störung
  • 8 Osteopathie
  • 9 Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie
  • 10 Cranio Sacral Therapie
  • 11 EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing)
  • und viele andere mehr.

Lösung: Ein Behandlungsverbot besteht nur bei 1 Homöopathie/ 8 Osteopathie/ 10 Cranio Sacral Therapie. Weitere Infos zu anerkannten Psychotherapieverfahren im Beitrag
Mit welcher Psychotherapie will ich später in eigener Praxis arbeiten?

Weitere Tipps

1. Wiederholt das, was Ihr im Kurs oder im Selbststudium gelernt habt, in Abständen immer wieder, bis es sich im Kopf verankert hat und auch bei Aufregung abrufbar ist. Zu viel Detailwissen kann das Gehirn nicht aufnehmen, die Kapazität Eures „Speichers“ ist begrenzt. Haltet Euch vor Augen, dass Ihr 7 Fehler machen dürft, wenn zwei oder drei Fragen auftauchen, die Euch schwierig oder unbekannt vorkommen, konzentriert Euch auf die, die Ihr gut gelernt habt.

2. Wenn Ihr in der Vorbereitung auf einzelne Fragen trefft mit Themen, die bisher nie gefragt wurden: In den meisten Fällen genügt es, sich die Erklärungen zu den richtigen und falschen Aussagen einzuprägen und evtl. über Google weitere Infos einzuholen. Viele unserer Prüflinge benutzen hierzu meine Lernkarten mit ausführlichen Erklärungen zu allen Lösungen – den richtigen und wie auch den falschen.

Und zur Erinnerung: Bei Fragen zu seltenen oder ausgefallenen Themen auf keinen Fall psychiatrische Fachartikel oder Fachbücher studieren! Erfahrungsgemäß kommen ausgefallene Fragen dieser Art nie wieder. Beispiele: Das Messie-Syndrom (P 16-1); Synthetische Kräutermischungen (P 16-1); Sexualstörungen (17-2+20-2: zweimal die gleiche Frage); die Behandlung von chronischen Schmerzstörungen (P 20-1); Notfallmaßnahmen bei einem bewusstlosen, spontan atmenden Patienten (P 21-2); Hypoglykämie (P 22-1) u.a.m.

3. Wichtig zu wissen: In jeder Prüfung kommen ein bis drei Fragen vor, die in früheren Prüfungen schon einmal wörtlich oder fast wörtlich vorgekommen sind. Deshalb rate ich , kurz vor der Schriftlichen nicht bis zur letzten Minute Bücher oder Skripten zu studieren, sondern sich voll auf frühere  Prüfungsfragen zu konzentrieren. Meine Lernkarten mit ausführlichen Kommentaren zu den Prüfungsfragen der Jahre 2012-2021 habe ich speziell hierfür erarbeitet.

Lerntipps für die schriftliche HPP-Prüfung

Lernen – aber wie?

Psychologische und neurologische Erkenntnisse über das Lernen
(Zusammenfassung von Kap. 1 meines Buchs „Schriftliche Prüfung: Heilpraktiker für  Psychotherapie„. 4. Auflage (Juli 2022). Elsevier-Verlag, € 36,00.

Beim Lernen auf die Prüfung haben Sie wahrscheinlich die Erfahrung gemacht, dass mühsam Gelerntes innerhalb kürzester Zeit  aus Ihrem Gedächtnis entschwunden ist. Diese Erkenntnis ist nicht neu: schon Ende des 19. Jahrhunderts konnte der Psychologe H.Ebbinghaus in verschiedenen Lernexperimenten nachweisen, dass wir bereits 20 Minuten nach dem Lernen sinnloser Silben 40 % des Gelernten nicht mehr abrufen können; nach einer Stunde haben wir über die Hälfte, nach einem Tag zwei Drittel, nach 6 Tagen über 85 % des Gelernten vergessen – vorausgesetzt, das auswendig Gelernte wurde nicht wiederholt.

Inzwischen haben Lernpsychologen auf der Grundlage der Ebbinghaus’schen Lernkurve unser Wissen über erfolgreiches Lernen erweitert und hierbei wichtige Erkenntnisse gewonnen, die hier stichpunktartig zusammengefasst werden:

1. Viele Eingangskanäle ansprechen
Neu Gelerntes wird umso besser erinnert, je mehr „Eingangskanäle“ beim Lernen aktiviert werden (Hören, Sehen, Lesen, Sprechen, Schreiben, Zeichnen, Malen, Riechen, Schmecken etc.). Auf diese Weise kann sich das Gelernte an vielen verschiedenen Teilen des Gehirns mit den dort vorhandenen „Schaltkreisen“ verbinden.

2. Emotionale „Erregung“:
Bei Dingen, die uns emotional stark berühren, genügt ein einmaliges Erleben, damit sich das Ereignis lebenslang einprägt: die erste Liebe, der erste Kuss, ein wunderschöner Urlaubstag, aber auch traumatische Erlebnisse aus der Kindheit oder dem Erwachsenenalter bleiben oft so intensiv in unserem Gedächtnis haften, dass wir uns ein Leben lang daran erinnern. Die Erklärung hierfür findet sich in einem Merksatz, den wir uns für das Lernen zunutze machen sollten:
„Was uns emotional nicht berührt, wird schnell vergessen“
Oder umgekehrt: Je mehr Sie an dem, was Sie lernen, emotional beteiligt sind, desto besser und länger prägt sich das Gelernte ein. Das könnte damit beginnen, dass Sie Teile des Skripts in Stichworten zusammenfassen und dann laut sprechen, vor dem Spiegel vortragen, in einer Arbeitsgruppe erläutern oder auf ein Diktiergerät aufnehmen. Oder aber Sie schreiben wichtige Teile des Gelernten auf Karteikarten und erweitern Ihr Wissen durch Filmausschnitte , lebensnahe Fallgeschichten (z.B. aus meinem Buch „Sicher durch die mündliche Prüfung“); oder indem Sie – allein oder mit einem Freund/einer Freundin – im Rollenspiel z.B. einen Schizophrenen, einen Maniker, einen „Borderliner“ oder einen Menschen mit einer schizoiden/paranoiden/ abhängigen Persönlichkeitsstörung imitieren (natürlich auf der Grundlage der Diagnosekriterien nach ICD-10).

Auf neuronaler Ebene kann man sich die Grundlagen für „emotionales Lernen“ vereinfacht folgendermaßen vorstellen:

Aus den unzähligen auf uns einstürmenden Sinneseindrücke wählt das Gehirn die Informationen aus, die es für wichtig erachtet, andere werden von vornherein abgeblockt. Die neuen Informationen werden über eine kleine Hirnregion mit dem Namen „Hippokampus“ („Seepferdchen“) verarbeitet. Der Hippokampus unterscheidet nochmals zwischen „wichtig“ (emotional erregend) und „unwichtig“ (emotional unbedeutend), ordnet die eingetroffenen Informationen und transferiert sich nach einigen Stunden bis Tagen in die „zuständigen“ Areale der Hirnrinde (des „Langzeitgedächtnisses“). Das funktioniert allerdings nur, wenn nicht ununterbrochen neue, wichtige Informationen den Hippocampus überfluten: dann nämlich werfen die neu ankommenden Lerninhalte die im Hippocampus kreisenden Informationen aus dem System – das vor ein paar Stunden Gelernte ist verschwunden. Ein mehrere Stunden andauerndes Lernen ohne Zwischenpausen ist deshalb kontraindiziert.

Lernprobleme gibt es auch, wenn jemand sich in einer emotionalen Krise befindet: die ständig kreisenden emotional „aufgeladenen“ Gedanken lassen kaum zu, dass neue, emotional weniger „erregende“ Lerninhalte, aufgenommen werden. Falls dies doch geschieht, wird das soeben Gelernte schnell von den belastenden Gedanken verdrängt und aus dem „System“ geworfen.

KONSEQUENZEN FÜR DAS LERNEN

(1) Denken Sie daran: Ihr Gehirn hat nur eine begrenzte Aufnahmefähigkeit, beschränken Sie sich deshalb beim Lernen auf die Themen, die für die Prüfung wichtig sind. Einen Überblick Tipps und Tricks, Teil 1  und – detaillierter –  meinem Buch Schriftliche Prüfung HP Psychotherapie. Das Buch eignet sich auch sehr gut dazu, um bestimmte Kapitel des Vorbereitungskurses zu wiederholen und anhand von Prüfungsfragen und Kurztests das eigene Wissen zu dem entsprechenden Themenbereich zu überprüfen.

(2) Denken Sie beim Durchgehen Ihres Skripts oder Lehrbuchs daran, wichtige Begriffe durch farbiges Unterstreichen zu kennzeichnen. Diese einfache Technik hilft Ihrem Gehirn, aus der Fülle des Neuen alles Wichtige herauszufiltern. Und vergessen Sie nicht, in einem zweiten Durchgang die unterstrichenen Passagen zu wiederholen.

(3) Beim Lernen sollten Sie Pausen einlegen, damit das Kurzzeitgedächtnis (der „Hippokampus“) genügend Zeit hat, die neuen Informationen zu ordnen und an die dafür zuständigen Hirnareale weiterzuleiten. Bewährt haben sich Lernphasen von 20, 30 oder maximal 60 Minuten, nach denen Sie bewusst eine 5-15-minütige Pause einlegen. Besonders günstig zum Lernen wichtiger Dinge ist die Zeit vor dem Schlafengehen, denn in der Nacht hat der Hippocampus genügend Zeit, das neu Gelernte zu verarbeiten.

(4) Sorgen Sie für eine entspannte Atmosphäre. Angst und Stress bewirken, dass Ihr Gehirn auf „Gefahr“ umschaltet, ein Zustand, in dem die kognitiven Instanzen weitgehend ausgeschaltet werden und ihr Hippocampus kaum Neues aufnehmen kann. Versuchen Sie deshalb, eine Lernatmosphäre zu schaffen, in der sie ihre Alltagsprobleme für einige Zeit beiseite schieben – indem sie sich bewusst eine gewisse Zeit zum Lernen reservieren, vorher eventuell kurz meditieren oder sich entspannen oder ihr Lernen durch Entspannungsmusik untermalen.

(5) Bitte vergessen Sie bei alldem nicht: Je stärker Sie beim Lernen emotional beteiligt sind, desto besser ist die Behaltensleistung, denn:
„Was uns emotional nicht berührt, wird schnell vergessen!“
In neuerer Zeit gibt es auf YouTube unzählige Filme zu den verschiedensten Störungsbildern der ICD-10. Sie helfen dabei, die in der ICD-10 beschriebenen  Symptome „lebendig“ werden zu lassen, so dass die entsprechenden Krankheitsbilder sich besonders gut im Gedächtnis einprägen.

Lernen mit Filmausschnitten, Fallgeschichten und lebendig vorgetragenen persönlichen Erlebnissen sind auch die Grundlagen der HPP-Ausbildungskurse, die wir halbjährlich am Forum Gilching anbieten.

Intensivkurs Heilpraktiker für Psychotherapie

Mein neues Kurzlehrbuch. Mit 150 Fallgeschichten zu allen wichtigen Krankheitsbildern.

Im Dezember 2021 ist die 2. Auflage meines Kurzlehrbuch „Psychiatrie leicht verstehen“ erschienen, nun unter neuem Titel: Intensivkurs Heilpraktiker Psychotherapie (Elsevier-Verlag, € 44,00).

Die folgende Amazon-Rezension zur Erstauflage fasst die wesentlichen Merkmale des Buchs in Kürze zusammen:

Amazon Top-Kundenrezensionen

Alles was ich seit Monaten gesucht habe in einem Buch. Vom 9.11.2017

Intensivkurs Heilpraktiker für Psychotherapie weiterlesen

Systemische Bild-, Gestalt- & Traumatherapie (BGT)

Was ist das Besondere an „unserer“ BGT

Am Forum Gilching  bilden wir  –  Ute und Rudolf Schneider – seit September 2006 in einer Therapieform aus, die sich über Jahre hinweg in unseren  Ausbildungsseminaren entwickelt hat und viele bereits bekannte Richtungen der Psychologie und Psychotherapie in sich vereint. Wir haben ihr den Namen  Systemische Bild-, Gestalt- und Traumatherapie (Kurzform: BGT) gegeben. Warum wir diesen Namen gewählt haben, ist nachfolgender Kurzbeschreibung  zu entnehmen.

Elemente aus Philosophie, Psychologie und Psychotherapie, die sich in unserer BGT zu einer „Ganzheitlichen Psychotherapie“ verbunden haben

1. Gestalt-Psychologie: Der Begriff „Gestalt“ als philosophischer und psychologischer Begriff geht auf u.a. auf Max Wertheimer zurück, der in den Jahren 1910-1914 in Experimenten und wissenschaftlichen Beiträgen die Grundlagen der Gestaltpsychologie/Gestaltphilosophie erarbeitete. Wertheimer ging davon aus, dass jeder lebende Organismus nach Ganzheit strebt, genauer: nach einem „sinnvollen Ganzen“, das mehr ist „als die Summe seiner Teile“ (Aristoteles). Auf den Menschen übertragen bedeutet dies: unser Körper  ist mehr als die Summe seiner Glieder und Organe, unser Ich ist mehr als die Summe unserer einzelnen Gedanken, Gefühle und Körperempfindungen. In diesem Sinne von „Ganzheit“ verwenden wir den Begriff  „Gestalttherapie“ in unserer  ganzheitlichen  BGT: Sie soll den Menschen helfen, wieder  „ganz“ zu werden. Da Körper, Geist und Seele nach gestaltpsycho­logischer Vorstellung eine „untrennbare Einheit“ bilden, wirken sich seelische Verletzungen auch auf den Körper aus und umgekehrt.

2. Gestalt-Therapie nach Fritz Perls:  Der Psychotherapeut Fritz Pearls hat in seinem Buch „Gestalt Therapy“ (1951) die oben beschriebenen philoso­phischen und naturwissenschaft­lichen Vorstellungen von „Gestalt“ in seine therapeutische Arbeit integriert. Dabei kam er zu einer wichtigen Erkennt­nis: der Mensch wächst und entwickelt sich hin zum „Ganz-Sein“ im Kontakt mit seiner Umwelt. Wenn wir in Kontakt mit der Umwelt treten, machen wir neue Erfahrun­gen, die unsere Denkmuster und unser Verhalten verändern. Erfah­rungen machen wir allerdings nicht über unseren Verstand, sondern in erster Linie über unsere Sinne, über unsere Wahrnehmungen im Hier und Jetzt. Fritz Perls hat diese Er­kennt­nis mit einem berühmten Satz auf einen Nenner gebracht: „Get out of your head and come to your senses“ (Auf Deutsch in etwa: „Lass das Denken, komm zu deinen Sinnen“ = Sinneswahrnehmungen)

3. Ego-State Therapie nach John und Helen Watkins : Die Ego-State-Therapy geht davon aus, dass sich das „Ich“ eines Menschen aus verschiedenen Ich-Anteilen („ego states“) zusammen­setzt, von denen manche so abgespalten sind, dass wir sie nicht bewusst wahr­nehmen. Vor allem traumatisierte Kindan­teile führen in unserem Energiefeld häufig eine Art Eigenleben und stehen oft im Widerspruch zu den Gedanken, Gefühlen und Verhaltens­weisen des Erwachsenen-Ichs. Ähnlich wie bei der Ego-State-Therapie ist ein wichtiges Ziel unserer BGT, unbe­kannte Ich-Anteile ins Bewusstsein zu heben und sie nach Verarbeitung der zugrundeliegenden Trauma-Erfahrung in das „innere Team“, in die „innere Familie“ zu integrieren.

4. Traumatherapie/EMDR:  Viele unserer Kindanteile haben traumatische Erfahrungen ge­macht, für deren Verarbeitung wir u.a. auch Techniken des EMDR verwenden, die  in den Büchern von Francine Shapiro und Laurel Parnell beschrieben werden. Wenn wir z.B. im therapeutischen Prozess danach fragen, welche Emotionen und Körperempfindungen ein inneres Kind in einer belastenden Situation hatte und welche irrationalen Gedanken und Glaubenssätze noch bis in die Gegenwart weiter wirken (z.B. „Ich darf mich nicht wehren“ – „Ich bin völlig hilflos“), ist diese Vorgehensweise  dem EMDR-Standardprotokoll nach Francine Shapiro entlehnt.

5. Gesprächstherapie nach  Carl Rogers: Nach dem 2. Weltkrieg hat der Carl Rogers seine   Gesprächspsychotherapie als Gegenmodell zur Psychoanalyse  entwickelt. Neben den allseits bekannten Eigenschaften des Therapeuten (Empathie, Selbstkongruenz, Akzeptanz) ist bei  Rogers der Glaube an die Selbst­heilungskräfte des Einzelnen ein zentrales Element.  Ähnlich wie Rogers sind wir überzeugt davon, dass diese Selbstheilungskräfte sich nur  über  Erfahrungen mit der Umwelt ent­falten können.  Eigene Erfahrungen haben für Rogers die „höchste Autorität“: „Experience is, for me, the highest authority. No other person’s ideas, and none of my own ideas, are as authoritative as my experience“ (Frei übersetzt: “Erfahrung ist für mich die höchste Autorität. Keine Ideen eines anderen Menschen, auch keine meiner eigenen Vorstellungen sind so macht­voll und prägend wie die eigene Erfahrung”).

Unsere BGT (Ganzheitliche Bild-, Gestalt und Traumatherapie) in Kürze

1. Ähnlich wie die Gestaltpsychologie gehen wir von der Grundannahme aus, dass Körper, Geist und Seele eine untrennbare Einheit bilden. Wenn ein Anteil dieser Einheit nachhaltig verletzt oder belastet ist, wird der Mensch krank. Ziel unserer Therapie ist es deshalb, Verwundungen des Körpers und/oder der Seele zu heilen, damit  die betroffenen Menschen wieder zurück zur „Ganzheit“ finden.
2. Verwundungen der Seele entstehen oft in frühen Phasen unserer Entwicklung: In der Kindheit, im Baby- oder Säuglingsalter, manchmal sogar schon im Mutterleib oder bei der Geburt.  Häufig handelt es sich hierbei um Erlebnisse, die von den „inneren Kindern“ als Schock oder Trauma erlebt wurden.3. Ähnlich wie bei der Therapie einer PTBS im Erwachsenenalter verwenden wir für die Verarbeitung frühkindlicher Traumata Techniken des EMDR, die wir von unserer EMDR-Ausbildung nach Francine Shapiro übernommen haben: Fragen nach Körpergefühl und Emotionen zum Beispiel,  oder das Erspüren von  negativen Glaubensätzen, die in frühen Phasen der seelischen Entwicklung geprägt wurden und in aktuellen Lebenssituationen oft flashbackartig reaktiviert werden. In unserer ganzheitlichen Bild-, Gestalt- und TRAUMATHERAPIE versuchen wir, die Ursache für belastende Verhaltensmuster der Gegenwart aufzuspüren und dort zu verarbeiten, wo die damit verknüpften Gedanken, Emotionen und Körperempfindungen entstanden sind.
4. Extrem wichtig hierbei ist es, dass wir therapeutisch mit der richtigen Person arbeiten, denn die irrationalen Gefühle, Gedanken und Verhaltensweisen gehören in den meisten Fällen nicht zu dem Ich von heu­te, sondern zu einem inneren Kind, das evtl. Gewalt, Vernachlässigung, Missbrauch oder den frühen Tod eines geliebten Menschen erlebt hat. Am Ende der Verarbeitung steht dann oft die Erkenntnis eines inneren Kindes: „Es war schlimm, aber heute lebe ich nicht mehr in der Situation von damals, das alles ist heute vorbei!“
5. Aus der Traumaforschung wissen wir überdies , dass bei einem Schock oder einem belastenden Ereignis Teile unserer Lebensenergie zu unserem Schutz weggehen. Die Griechen nannten diese Lebensenergie Psyche = Seele. Ziel unserer ganzheitlichen „PSYCHO“-Therapie ist es unter anderem, unsere weggegangenen „Seelenanteile“ zu­rückzuholen und auf diese Weise unsere „Psyche“, unsere Lebensenergie, unsere Lebenskraft wieder „ganz“ werden zu lassen.—
6. Um leichter in das Wahrnehmen zu gehen, verwenden wir Zeichnungen: Einfache Strichmännchen, manchmal auch Symbole aus dem katathymen Bilderleben, z.B. Baum, Blume oder Haus. Der Klient legt die Hand auf das Bild, er­spürt mit dem eigenen Körper, wie es dem Männchen, dem Baum, der Blume geht und malt seine Gefüh­le und Körperempfindungen farbig hinein. Dieses Erspüren von Gefühlen und Körperempfindungen über einfache Bilder ist ein zentrales Merkmal unserer ganzheitlichen BILD-, Gestalt- und Traumatherapie (BGT).
7. Strichmännchen sind auch ein wichtiges Instrument beim Aufspüren  innerer Kindanteile, die – wie oben beschrieben – oft das Denken und Fühlen des Erwachsenen-Ichs überlagern und den Menschen im Hier und Jetzt auf eine Weise reagieren lassen, als sei er noch ein Säugling, Baby, Kind oder Teenager.  Der Klient zeichnet hierbei eine aktuelle Problemsituation, malt in das Strichmännchen von heute alle hierbei auftauchenden negativen Emotionen und Körperempfindungen farbig hinein und lässt sich über diese Problemfarben in eine Situation aus der Kindheit tragen, in der eins seiner  inneren Kinder so gedacht und gefühlt hat wie der Erwachsene von heute. In manchen Fällen geht die „Reise“ weit, weit zurück: in das Säuglings- und Babyalter, in die Geburt oder in den Mutterleib, wo der Embryo oder Foetus noch weitgehend eins mit der Mutter war und ihre Gefühle, Gedanken und körperlichen Befindlichkeiten am eigenen Leib gespürt hat.8. Anders als in der Gesprächstherapie nach Rogers redet der Therapeut bei uns wenig. Ähnlich wie in der EMDR-Therapie ist seine Standard­frage meist: „Was kannst du wahrnehmen?“ bzw. „Was hat sich verändert?“ Oder, wenn der Klient über seine Wahrnehmun­gen spricht: „Bleib dabei“, “Nimm es wahr“, „Ist gut so. Die Gefühle dürfen jetzt sein.“ – Wenn der Klient beginnt, nach Erklärungen zu suchen, sagt der Therapeut einfach nur: „Ist in Ordnung so, aber jetzt komm zurück zu deinem Bild…leg nochmals die Hand auf das Männ­chen/ den Baum/die Blume… Wie geht es ihm/ihr? Was sonst noch kannst du wahrnehmen?“

Das sind zusammengefasst die zentralen Merkmale unserer BGT. In einem weiteren Beitrag werde ich anhand eines typischen Beispiels beschreiben, wie Techniken der Trauma-therapie, Innere-Kind-Arbeit und Spiritualität in Verbindung mit einfachen Bildern sich in unserer „Ganzheitlichen Bild-, Gestalt- und Traumatherapie“ zu einem harmonischen Ganzen verbunden haben.

Wer sich für unsere BGT-Ausbildung interessiert: Weitere Infos findet Ihr unter
https://www.forum-gilching.de/ausbildung/bild-gestalt-und-traumatherapie.html

Bild unten: Ute Schneider als Supervisorin in der BGT-Ausbildung

Schriftliche HP-Prüfung (Psychotherapie), 10. Oktober 2018

Die Lösungen für Gruppe A und B stehen ab sofort auf  der Website des Forums Gilching e.V. unter https://www.forum-gilching.de/pruefungsfragen/oktober-2018.html

Kommentar:
Wie schon in den letzten Jahren war die Prüfung nicht leicht, auch wenn viele unserer Prüflinge mit 3-5 Fehlern bestanden haben. „Knackpunkte“ waren – wie in den letzten beiden Prüfungen – u.a.  Fragen zu Themenbereichen, die bisher noch nie im „Schriftlichen“ gefragt wurden, z.B. den Begriff „Habituation“, das Rett-Syndrom,  Störungen des Sozialverhaltens, Denkfehler im Rahmen der kognitiven Therapie, Fragen zu „formellen Achtsamkeitsübungen“… Nebenbei gesagt: ich wusste bisher nicht, dass die aus dem Zen-Buddhismus kommenen Übungen zur Achtsamkeit (Geh- oder Atemmeditation, Body Scan etc. ) zur Psychotherapie zählen, auch wenn Sie natürlich in verschiedenen Therapieformen  – z.B. in der DBT (dialektisch behavioralen Therapie) –  als eines von vielen „Werkzeugen“ Anwendung finden.

Auffällig ist, dass  die Prüfer in letzter Zeit Themenbereiche einbauen, die man in den herunterzuladenden Prüfungsfragen nicht findet, weil sie bisher nie oder fast nie im Schriftlichenvorkamedn. Beispiele vom Oktober 2018 wurden oben schon aufgeführt. Ein halbes Jahr vorher – iIm Frühjahr 2018 – waren es Themen wie Migräne, multiple Sklerose und Sexualstörungen, im Oktober 2017 dann Fragen zur Bindungsstörung und zur dissoziativen Amnesie, im März 2017 Fragen zur expressiven und rezeptiven Sprachstörung bei Kindern und zum HAWIE-Intelligenzterst, im März 2016 zu psychiatrischen Notfallsituationen , zum operanten Konditionieren und zum Messie-Syndrom.

Was also tun?

Es ist sicher nicht sinnvoll, mehrere Psychatriebücher durchzuarbeiten, um sich „optimal“ auf die Prüfung vorzubereiten. Besser ist es sich darauf einzustellen, dass einige wenige Fragen kommen werden, bei denen es darum geht, den gesunden Menschenverstand einzuschalten oder über ein Ausschlussverfahren andere Lösungen auszuschließen. Ein typisches Beispiel hierfür in Prüfung 2018-2:

Einfachauswahl. Eine Mutter bittet um eine Entwicklungsdiagnostik bei ihrer 2-jährigen Tochter. Das Mädchen habe sich zunächst unauffällig entwickelt, mit 1 Jahr zu laufen und zu sprechen begonnen. Seit mehreren Monaten stagniere die Entwicklung; bereits erworbene Fähigkeiten habe sie wieder verlernt. Das Kind laufe zunehmend schlechter, spreche immer weniger und müsse wieder gefüttert werden. Bei der Untersuchung fallen unter anderem Stereotypien der Hände (waschende Bewegungen) auf.
Welche der folgenden Diagnosen trifft am ehesten zu?

□   A   Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)
□   B   Selektiver Mutismus
□   C   Rett-Syndrom
□   D  Chorea Huntington
□   E   Sogenannte Trotzphase

Bei genauem Lesen der Fallgeschichte entfallen die Lösungsvorschläge A, B, D und E (das Kind ist gerade erst 2 Jahre alt!). Dann bleibt nur Lösung C übrig.

Ähnliches gilt für die Frage über Denkfehler: „Denkfehler“  im Rahmen der kognitiven Therapie der Depression (nach Beck) sind:

(1) Generalisierung
(2) Wahngedanken
(3) Katastrophisierung
(4) Schwarz-Weiß-Denken
(5) Vermeidungsverhalten

□ A Nur die Aussagen 1 und 3 sind richtig
□ B Nur die Aussagen 1, 2 und 4 sind richtig
□ C Nur die Aussagen 1, 3 und 4 sind richtig
□ D Nur die Aussagen 2, 4 und 5 sind richtig
□ E Alle Aussagen sind richtig

Vermeidungsverhalten (5) ist kein DENK-Fehler; ein Wahngedanke ist kein Denkfehler, sondern eine unkorrigierbare Idee (inhaltliche Denkstörung). Es bleiben damit nur 1, 3 und 4 übrig. Da ging es dann darum auszuwählen, ob eher A oder C zutreffend sind.

Weitere Tipps

1. Wiederholt das, was Ihr im Kurs oder im Selbststudium gelernt habt, in Abständen immer wieder, bis es sich im Kopf verankert hat und auch bei Aufregung abrufbar ist. Zu viel Detailwissen kann das Gehirn nicht aufnehmen, die Kapazität Eures „Speichers“ ist begrenzt. Haltet Euch vor Augen, dass Ihr 7 Fehler machen dürft, wenn zwei oder drei Fragen auftauc hen, die Euc h schwierig oder unbekannt vorkommen, konzentriert Euch auf die, die Ihr gut gelernt habt.

2. In jeder Prüfung kommen ein bis drei Fragen vor, die schon einmal wörtlich oder fast wörtlich in früheren – z.T. länger zurückliegenden Prüfungen – vorgekommen sind. In der Prüfung 18-1 waren es die Fragen zur abhängigen PS, zur schizotypen Störung (wörtlich in 15-2) und zur sozialen Angststörung (in 16-1). Auch viele andere Fragen konnte man aus dem Vorwissen zu vorangegangenen Prüfungen gut erschließe. Deshalb rate Ich, kurz vor dem Schriftlichen nicht weitere Bücher zu wälzen, sondern sich voll auf frühere  Prüfungsfragen zu konzentrieren. Viele Prüflinge haben dies mit meinen Lernkarten getan, die inzwischen in Neuauflage erschienen sind: