Schriftliche Prüfung zum Heilpraktiker für Psychotherapie im Oktober 2016

Die gestrige schriftliche Prüfung war – denke ich – gut machbar. Die Lösungen stehen seit 13.00 Uhr im Netz unter www.forum-gilching.de (Prüfung März 2016). Ab sofort finden Sie alle Fragen mit Lösungen und Kurzkommentaren auf derselben Seite/Menu linke Spalte. Ein paar Fragen haben vielen Prüflingen Probleme bereitet, deshalb in der Folge einige Erläuterungen hierzu. Die Bezifferung bezieht sich auf Gruppe A, dahinter Gruppe B.

Frage 1 // 14: Aussagenkombination. Verschiedene körperliche Erkrankungen können mit Symptomen einer Panikattacke einhergehen. Hierzu zählen
(1) Hyperthyreose
(2) Hypoglykämie
(3) Koronare Herzkrankheit
(4) Zerebrales Anfallsleiden
(5) Asthma bronchiale

Hier sind alle richtig, auch die Hypoglykämie (Unterzuckerung). Bei Hypoglykämie treten u.a. auf: Herzklopfen, Herzrasen, Angstzustände, Panikattacken, Ohnmachtsgefühle, Schweißausbrüche, Übelkeit etc.. In schweren Fällen können Bewusstseinsstörungen bis hin zu komatösen Zuständen die Folge sein.

Zu Frage 6 // 10, Spider naevi als Folge von Alkoholmissbrauch
Zu Antwort C: Spider naevi (Spinnennävi, Gefäßsternchen) auf der Haut sind ein möglicher Hinweis auf eine Leberzirrhose
Kommentar: Spider naevi sind gutartige arterielle Gefäßneubildung der Haut (oft im Gesicht). Ausgehend von einem zentralen, erhabenen und etwa stecknadelkopfgroßen Gefäßknötchen ziehen dünne Ausläufer (Gefäßreiserchen) spinnen- oder sternartig nach außen. Ursache ist eine Lebererkrankung/Leberzirrhose, oft als Folge von langjähriger Alkoholabhängigkeit. Eine Illustration finden Sie unter Wikipedia.

Frage 7 // 15: Aussagenkombination. Antriebssteigerung ist ein typisches Symptom bei
(1) agitierter Depression
(2) hebephrener Schizophrenie
(3) Stimulanzieneinnahme
(4) manischer Episode
(5) Hypothyreose
B Nur die Aussagen 3 und 4 sind richtig.
Zu 1: Eine psychomotorische Agitiertheit ist etwas Anderes als eine Antriebssteigerung. Eine Antriebssteigerung ist eine zielgerichtete Zunahme an Energie und Initiative. Der Zustand der motorischen Unruhe bei der agitierten Depression ist ein rastloser Bewegungsdrang, der ins Leere läuft. Typisch sind z.B.: zielloses Umherlaufen in der Wohnung, Nesteln, Aufräumen, nicht zur Ruhe kommen etc. Gleichzeitig sind die Betroffenen jedoch müde (nicht voll Energie) und erschöpft. Im Internet und in Fachbüchern wird diese Unterscheidung kontrovers diskutiert: bei Möller-Laux (S.71) wird klar zwischen Antriebssteigerung und motorischer Unruhe unterschieden.Dazu ein Link zu www.psychologielexikon.com:
Psychologielexikon.
Inzwischen hat sich herausgestellt, dass die Prüfer C: 1, 3 und 4 als richtig gewertet haben. Dass 1 richtig sein soll, ist nach Ansicht von Fachleuten nicht nachzuvollziehen: Es gibt hierzu mehr als ein Dutzend Fundstellen in der Literatur und im Internet. Inzwischen haben mehrere meiner Schüler deshalb das Ergebnis ihrer Prüfung angefochten (offiziell: Widerspruch eingelegt) mit der Begründung, bei dieser Frage seien zwei Lösungen möglich. Hierfür haben sie z.B. obige Fundstelle (Psychologielexikon) ausgedruckt und mit eingereicht. Das Ergebnis steht noch aus.

Frage 9 // 25 (P 16-2): Welche der folgenden Aussagen zum schizophrenen Residuum (nach ICD-10 treffen zu?
(1) Beim schizophrenen Residuum handelt es sich um die depressive Phase nach Abklingen der akuten Episode einer Schizophrenie
(2) Vorherrschend sind paranoid-halluzinatorische Phänomene
(3) Charakteristisch sind eine psychomotorische Verlangsamung sowie die Vernachlässigung der eigenen Körperpflege
(4) Mehrere „negative“ Symptome waren während der vorangegangen 12 Monate vorhanden
(5) Im Rahmen der Differentialdiagnose sollten eine Demenz oder eine chronische Depression ausgeschlossen werden
D Nur die Aussagen 3, 4 und 5 sind richtig.
Zu 1: Beschrieben wird unter (1) die postschizophrene Depression (Dauer: mindestens 2 Wochen, Mischung zwischen depressiver Episode und einigen Restsymptomen der Schizophrenie, auch Positivsymptome!), nicht das schizophrene Residuum. .

Frage 17 // 21 (P 16-2): Suizidalität
(1) Suizidversuche bei Patienten sind für Heilpraktiker meldepflichtig
(2) Bei der überwiegenden Zahl der Suizide besteht keine psychische Erkrankung
(3) Ältere, alleinstehende Männer haben eine erhöhte Suizidrate
(4) Die Wiederholung eines Suizidversuchs im weiteren Lebensverlauf ist äußerst selten
(5) Bei Angststörungen ist die Suizidalität höher als bei der Allgemeinbevölkerung
C Nur die Aussagen 3 und 5 sind richtig.
Zu 5: Bei den Ursachen für Suizidalität werden Angststörungen häufig nicht erwähnt. Trotzdem ist bei Angststörungen die Suizidalität höher als bei der Allgemeinbevölkerung. Verschiedene Untersuchungen erbrachten bei Angsterkrankungen ein etwa 10faches Risiko für Suizidalität im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung. Überdies führt eine unbehandelte Angststörung oft zu einer Depression, viele Betroffene entwickeln zusätzlich eine Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit; diese Komplikationen bergen wiederum ein beträchtliches Risiko für Suizidversuche und vollendete Suizide.

Frage 21 // 7 (P 16-2): Inhaber einer auf das Gebiet der Psychotherapie beschränkten Heilpraktikererlaubnis sind grundsätzlich befugt zur
(1) Feststellung einer psychischen Erkrankung
(2) begleitenden Verordnung von beruhigend wirkenden Betäubungsmitteln
(3) Anwendung kognitiver Verhaltenstherapie
(4) Anwendung von Gesprächspsychotherapie
(5) Stellen einer Diagnose im Sinne der ICD-10
D Nur die Aussagen 1, 3, 4 und 5 sind richtig.
Da es in Bezug auf das Thema „Was darf ein HP-Psdych? Was nicht?“ immer wieder Diskussionen gibt, hier zunächst die gesetzliche Grundlage. Juristisch bindend ist das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 21.1.1993, deren wichtigsten Punkte hier zusammengefasst werden:

Der Prüfling muss „die Befähigung haben, seelische Krankheiten und Leiden … als solche zu erkennen … Er muss „die Befähigung besitzen, Patienten entsprechend der Diagnose psychotherapeutisch zu behandeln“; und er muss fähig sein, mit seiner Art von Psychotherapie „therapeutisch auf den Befund so zu reagieren, dass der Patient durch die konkrete Behandlung keinen gesundheitlichen Schaden erleidet.“

Bei der Beantwortung obiger Frage ist aber noch ein zweiter Punkt wichtig: was genau bedeutet das Wort „grundsätzlich“? Das Wort „grundsätzlich“ hat in der Rechtssprache und Medizin eine andere Bedeutung als in der Umgangssprache. Umgangssprachlich wird es meist im Sinne von „ausnahmslos“ gebraucht (z.B. „das tue ich grundsätzlich nicht“ = „nie“, „auf keinen Fall“). Dagegen bedeutet „grundsätzlich“ in der Rechtssprache und in der Medizin dasselbe wie „prinzipiell“, d.h.: Prinzipiell/vom Grundsatz her ja, aber nur unter bestimmten Bedingungen. Ein HP-Psych darf also prinzipiell/grundsätzlich kognitive VT/GT/Psychoanalyse etc. anwenden – unter der Bedingung, dass er die Befähigung besitzt, mit seiner Art von Therapie „so auf den Befund zu reagieren, dass der Patient durch die konkrete Behandlung keinen gesundheitlichen Schaden erleidet.“ Er darf also mit kognitiver VT, Psychoanalyse, Dialektisch-Behavioraler Therapie (DBT), Arbeit am Tonfeld, Ego-State-Therapie etc. etc. etc. arbeiten, wenn er dies auf Grund seiner Ausbildung und seiner Praxiserfahrung verantworten kann. Andernfalls ist er „eine Gefahr für die Volksgesundheit.“

Frage 23 // 17 (P 16-2): Einfachauswahl. Das Verhalten eines Patienten erscheint Ihnen sonderbar, bizarr, gekünstelt, unnatürlich. Welcher psychopathologische Begriff trifft hierfür am ehesten zu?
A Parathymie
B Affektlabilität
C Logorrhö
D Manierismen
E Mutismus
D ist richtig. Nicht verwechseln! Manieriertheit ist etwas Anderes als Parathymie! Wenn jemand beispielsweise bei einer Beerdigung fröhlich ist oder lächelnd erzählt, dass man ihn umbringen wolle, passen Emotion und Verhalten nicht zusammen (= Parathymie). Bei Manierismen hingegen bewegen sich die Betroffenen bizarr und unnatürlich. Ihre Redeweise ist gestelzt, schwülstig, pathetisch. Auch die Mimik ist „gekünstelt und aufgesetzt“. Manierismen sind typisch für die hebephrene Schizophrenie.

HP-Psychotherapie: Schriftliche Prüfung vom 16. März 2016

Die heutige schriftliche Prüfung war – denke ich – gut machbar. Die Lösungen stehen seit 13h im Netz unter Forum-Gilching.de (Prüfung März 2016). Ab morgen finden Sie alle Fragen mit Lösungen und Kurzkommentaren auf derselben Seite/Menu linke Spalte. Bei einer Analyse der einzelnen Prüfungsfragen ergeben sich Schwerpunkte, die sich z.T. wesentlich von den früheren Prüfungen unterscheiden:

1. An erster Stelle stehen mit 7 Fragen die psychogenen Störungen (ICD-10: F4), wenn man das Messie-Syndrom (= zwanghaftes Horten) dazu zählt.
2. An zweiter Stelle steht mit 4 Fragen das Thema „psychotrope Substanzen“ (Kokain, Cannabis, Alkohol, synthetische Kräutermischungen –> in der Frage „psychiatrische Notfälle“). Das sind weit mehr Fragen zu diesem Thema als in früheren Prüfungen.
3. An dritter Stelle stehen mit drei Fragen die affektiven Störungen
4. An vierter Stelle stehen mit je 2 Fagen: Verhaltenstherapie; formale/inhaltliche Denkstörungen; Suizidalität+Unterbringung; organische psychische Störungen (eine davon in der Frage „psychiatrische Notfälle“).
5. Von den weiteren Themen gab es nur je ein Frage. Themen: Schizophrenie, Alzheimer, Parkinson, Essstörungen, Legasthenie, paranoide Persönlichkeitsstörung und Akathisie.

Fragen zur medikamentösen Behandlung von schweren Depressionen und schizophrenen Störungen fehlten diesmal, ebenso Fragen zur Plus-/Minus-Symptomatik bei Schizophrenie und zur Freudschen Psychoanalyse. Gerade beim Thema Psychotherapie ist eine massive Verschiebung in Richtung VT feststellbar. Seit 2012 findet sich nur noch sporadisch eine Frage zur Psychoanalyse, und dann in der Regel nur zu den Abwehrmechanismen, die ja auch bei anderen Therapieformen eine Rolle spielen.

Kommentare zu einigen Prüfungsfragen (Gruppe A):
► Zu Frage 5: Synthetische Kräutermischungen. Bei den im Handel erhältlichen „Kräutermischungen“ handelt es sich offiziell um „Räuchermischungen“ die zur Raumluftaromatisierung gedacht sind. Konsumenten rauchen sie jedoch. Die Wirkung ist ähnlich wie bei Cannabis. Da sich die „Kräutermischungen“ aus unterschiedlichen pflanzlichen Bestandteilen und (häufig) synthetischen Cannabinoiden und anderen synthetischen Rauschstoffen zusammensetzen, können beim Rauchen massive psychotische Symptome auftreten. Auch über gefährliche körperliche Reaktionen bis hin zu Bewusstlosigkeit und Koma gibt es Berichte. Die erste Droge dieser Art war „Spice“, später kamen anders zusammengesetzt synthetische Kräutermischuzngen huinzu, z.B. Lava Red, Monkey go bananas, Bonzai, Bloom, Maya, PI, OMG, Sweed und Space.

► Zu Frage 22: Begleitsymptome bei Morbus Parkinson: Die „Bradyphrenie“ (Verlangsamung der geistigen Funktionen) äußert sich u.a. darin, dass sich bei vielen Parkinson-Patienten eine Demenz entwickelt. In der Fachliteratur findet sich auch der Hinweis, dass die Erkrankung oft mit Affektlabilität, z.B. enthemmtem Lachen oder Weinen einhergeht.

► Zu Frage 17: Akathisie. Die als Akathisie bezeichnete Sitzunruhe ist meist die Folge einer Behandlung mit Neuroleptika (in der Frage nicht erwähnt; nur durch Analyse der Symptome zu erschließen). Sie äußert sich in einer inneren Unruhe und einem nicht bezwingbaren Bedürfnis, sich zu bewegen. Dies macht es für die Patienten unmöglich, eine sitzende oder stehende Körperhaltung für längere Zeit beizubehalten.

► Zu Frage 28: Messie-Syndrom. Das Messie-Syndrom findet sich nicht in der ICD-10. Obwohl sich das Wort aus dem Englischen herleitet (mess = Chaos, Unordnung, Durcheinander), heisst die Störung im DSM-5 „compulsive hoarding“, d.h. „zwanghaftes Horten“. Meist verbirgt sich hinter dem zwanghaften Sammeln und Nicht-Wegwerfen-Können die zwanghafte Angst, sich von Dingen zu trennen, die man vielleicht noch brauchen könnte. In vielen Fällen steckt hinter einer vermüllten Wohnung aberauch eine schwere depressive Episode mit dazugehöriger Störung des Antriebs, so dass die Betroffenen unfähig sind aufzuräumen, Dinge wegzuwerfen oder den Müll zuz entsorgen. — Viele Menschen mit Messie-Syndrom ziehen sich von den Mitmenschen zurück und leben sozial isoliert.

Heilpraktiker für Psychotherapie: Erlaubte Therapieverfahren – was darf man im Mündlichen sagen?

1. Immer wieder werde ich in meinen Kursen wie auch in meinem Blog gefragt, welche Therapieverfahren ein HP-Psych anwenden bzw. mit welchen Klienten er arbeiten oder auch nicht arbeiten darf. Dies Frage ist relativ eindeutig zu beantworten, wenn es um die schriftliche Prüfung geht: für jeden Heilpraktiker gelten die Prinzipien der Therapiefreiheit und der Sorgfaltspflicht. Ein Heilpraktiker für Psychotherapie darf also jede Art von Psychotherapie anwenden, wenn gewährleistet ist, dass er auf Grund seiner Ausbildung „die Befähigung hat, Patienten entsprechend der Diagnose psychotherapeutisch zu behandeln“. Ein HP-Psych darf somit verhaltenstherapeutisch arbeiten, wenn er eine fundierte Ausbildung hierzu absolviert hat; deshalb darf er auch – wie in einer Prüfungsfrage der Herbstprüfung 15-2 – Störungen behandeln, für die i.d.R. die Verhaltenstherapie angewandt wird. Er darf natürlich auch mit Hypnose arbeiten, mit Kunst-, Gestalt- und Gesprächstherapie, mit systemischer Familientherapie, Tanztherapie, Arbeit mit dem Tonfeld etc. Und: Er darf auch psychoanalytisch arbeiten, wenn er eine entsprechende Ausbildung (z.B. als Laienanalytiker) absolviert hat. Einige Fragen zum Thema „Welche Therapieverfahren darf ein HP-Psych anwenden?“ finden Sie unter Punkt 3.

In diesem Zusammenhang noch ein Wort zum Begriff „Psychotherapie„: Das Wort Therapie kommt vom griechischen „therapeia“ und bedeutet: „Heilung/Linderung einer Erkrankung“. Psycho-Therapie bedeutet somit: Heilung oder Linderung einer psychischen Erkrankung. Wenn jemand allerdings ein Verfahren gelernt hat, mit dem man vorwiegend mit Gesunden arbeitet (z.B. Coaching; Lebensberatung), so zählt dies nicht zur Psychotherapie. Wenn jemand damit – als HP-Psych oder Laie – psychisch Kranke behandelt, ist er ebenso eine „Gefahr für die Volksgesundheit“ wie ein großer HP oder HP-Psych, der mit einem Wochenendkurs Hypnose, Gesprächstherapie oder Familienstellen Menschen mit einer Angststörung, einer Zwangserkrankung oder einer PTBS zu behandeln versucht.

2. Schwieriger ist die Beantwortung der Frage, wenn es um die mündliche Prüfung geht: da wollen die Prüfer nicht wissen, welche Therapie Sie „grundsätzlich“ ausüben dürfen, sondern ob Sie die in der Fallgeschichte diagnostizierte psychische Störung mit Ihrer Art von Psychotherapie behandeln oder an einen „Experten“ abgeben. In meinem Buch „Sicher durch die mündliche Prüfung“ habe ich deshalb die unter (1) genannten Aussagen etwas relativiert, denn im Mündlichen hat es der Prüfling mit Prüfern zu tun, die entweder Anhänger der Psychoanalyse sind (augenblickliche eher selten) oder sich der Verhaltenstherapie verschrieben haben. Meist ist unter den Prüfern ein Psychologischer Psychotherapeut: Die Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten umfasst mindestens 4.200 Stunden, sie dauert in der Vollzeitform mindestens 3 Jahre und in der berufsbegleitenden Form mindestens 5 Jahre. Hier wäre es unklug zu behaupten: Ich habe eine Ausbildung in VT gemacht und werde den Klienten mit seiner Phobie/Angststörungen/Zwangsstörung/Depression verhaltenstherapeutisch behandeln. Besser ist es zu sagen: Bei einer Phobie/Zwangsstörung etc. hat sich die VT bewährt… Ich werde den Klienten also raten, zu einem Verhaltenstherapeuten zu gehen. Meist kommt dann die Zusatzfrage: Welche Art von VT ist hier am besten geeignet (klassische VT? Kognitive VT? Muss der Prüfling erklären können!).

Zur Illustration hier noch ein Beispiel: In einer mündlichen Prüfung ging es kürzlich um einen jungen Mann mit einer Agoraphobie. Die Frage an den Prüfling: „Wie gehen Sie hier therapeutisch vor? -“ Prüfling (Ausbildung in Gesprächstherapie): „Eigentlich dürfte ich den Klienten behandeln, aber bei Phobien hat sich die VT bewährt.“ – Prüferin am Ende der Prüfung: „Nicht bestanden. Ihr größter Fehler war zu sagen, Sie dürften den Mann behandeln – das dürfen Sie nicht!“

3. Welche Therapieverfahren darf ein Heilpraktiker für Psychotherapie ausüben?
Hier einige Originalprüfungsfragen der Jahre 2003 bis 2015:

Prüfung 2003: Mehrfachauswahlaufgabe. Ein Therapeut besitzt eine auf das Gebiet der Heilkundlichen Psychotherapie beschränkte Erlaubnis nach dem Heilpraktikergesetz. Welche der folgenden Verfahren oder Techniken darf dieser Therapeut anwenden? Wählen Sie drei Antworten!
□ A Entspannungstraining
□ B Psychoanalyse
□ C Akupressur
□ D Testpsychologische Untersuchungen
□ E Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie zur Krebsbehandlun

Frage 1 (P 13-1): Aussagenkombination. Welche der folgenden Verfahren zählen zu den Psychotherapieverfahren?
(1) Hypnose
(2) Gestalttherapie
(3) Lichttherapie
(4) Psychodrama
(5) EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing)

□ A Nur die Aussagen 1 und 2 sind richtig
□ B Nur die Aussagen 1 und 4 sind richtig
□ C Nur die Aussagen 3, 4 und 5 sind richtig
□ D Nur die Aussagen 1, 2, 4 und 5 sind richtig
□ E Alle Aussagen sind richtig

Frage 27 (P08-2): Aussagenkombination. Welche der folgenden Verfahren zählen zu den Psychotherapieverfahren?
(1) Hypnose
(2) Gestalt-Therapie
(3) Elektrokrampf-Therapie
(4) Psychodrama
(5) Homöopathie

□ A Nur die Aussagen 1 und 2 sind richtig
□ B Nur die Aussagen 1 und 4 sind richtig
□ C Nur die Aussagen 3 und 5 sind richtig
□ D Nur die Aussagen 1, 2 und 4 sind richtig
□ E Alle Aussagen sind richtig

Frage 16 (P 15-2): Aussagenkombination. Inhaber einer auf das Gebiet der Psychotherapie beschränkten Heilpraktikererlaubnis sind grundsätzlich berechtigt zur psychotherapeutischen Behandlung von Patienten mit:
(1) Tic-Störung
(2) Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung
(3) Anpassungsstörung
(4) Angststörung
(5) Exhibitionismus

□ A Nur die Aussage 4 ist richtig
□ B Nur die Aussagen 2 und 3 sind richtig
□ C Nur die Aussagen 1, 2 und 4 sind richtig
□ D Nur die Aussagen 1, 3, 4 und 5 sind richtig
□ E Alle Aussagen sind richtig

HP-Psychotherapie: Schriftliche Prüfung vom Oktober 2015

Die schriftliche Prüfung vom Herbst 2015 (Heilpraktiker für Psychotherapie) war nicht leicht. Einige Fragen waren in den letzten 20 Jahren noch nie Thema – z.B. Fragen zur schizotypen Störung; oder dass Alzheimer und vaskuläre Demenz gemeinsam auftreten können (ICD-10/F00.2). Auch dass ein HP-Psych Tic-Störungen, ADHS oder Exhibitionismus behandeln darf, wenn er eine entsprechende Ausbildung (z.B. VT) absolviert hat, hat einige Teilnehmer verwirrt.

Auch die Frage zu den Ursachen für eine Intelligenzminderung empfanden viele Teilnehmer als schwierig. Wichtig hierbei: eine Intelligenzminderung entsteht meist (aber nicht immer) durch eine Schädigung im Mutterleib, bei oder kurz nach der Geburt. Allerdings gibt es auch Schädigungen des Gehirns zu einem späteren Zeit der frühkindlichen Entwicklung. Bei Wikipedia findet sich als Ursache einer Intelligenzminderung z.B. auch eine angeborene Hypothyreose oder eine Maserninfektion. Die Frage war eine „Falle“, denn bei einer normalen Hypothyreose (z.B. im Erwachsenenalter) ist die Folgeerkrankung eventuell eine Demenz, keine Intelligenzminderung. Unter Wikipedia finden sich als Ursachen für eine Intelligenzminderung:
• Pränatal genetisch-chromosomal (z.B.Trisomie 21) oder stoffwechselbedingt (z. B. Phenylketonurie oder Galaktosämie),
• Pränatal umweltbedingt. Viruserkrankungen (z. B. Röteln) oder Intoxikationen (Medikamente; Drogen wie Alkohol) und Hypoxien (z. B. durch mütterliches Rauchen während der Schwangerschaft).
• Pränatal multifaktorielle Ursachen sind bedingt durch hirnorganische Entwicklungsdefekte mit Epilepsien oder Hydrocephalus in der Folge.
• Perinatale Ursachen: Frühgeburtlichkeit oder Geburtstraumen.
• Postnatale Ursachen: Infektionen (z. B. Meningitis oder Enzephalitis), endokrinologisch (z. B. durch eine Hypothyreose); Impfschäden.

Zu Frage A16/B11: Was darf ein Heilpraktiker für Psychotherapie behandeln?
Grundlage hierfür ist das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 21.1.1993, deren zwei wichtigsten Punkte bei der Beantwortung obiger Prüfungsfrage hier zusammengefasst werden:
● Der Prüfling muss „die Befähigung haben, seelische Krankheiten und Leiden … als solche zu erkennen … um therapeutisch auf den Befund so zu reagieren, dass der Patient durch die konkrete Behandlung keinen gesundheitlichen Schaden erleidet.“
● Der Prüfling muss „die Befähigung besitzen, Patienten entsprechend der Diagnose psychotherapeutisch zu behandeln.“ Voraussetzung hierfür ist eine Ausbildung in einem psychotherapeutischen Verfahren, das nach allgemeinem Wissensstand i.d.R. für die entsprechende Störung angewandt wird. Häufig ist dies – z.B. bei leichteren Formen von ADHS, vorübergehenden Tic-Störungen, Angststörungen und Exhibitionismus – die Verhaltenstherapie. Jemand, der eine fundierte Ausbildung in Verhaltenstherapie absolviert hat, kann also durchaus auch einen Klienten mit Exhibitionismus behandeln, wenn er/sie hier schon Erfahrungenm gesammelt hat. Dass Exhibitionisten meist keine Krankheitseinsicht zeigen und i.d.R. nicht freiwillig in die Praxis kommen, sei nur nebenbei bemerkt.

Noch ein Wort zu psychischen Erkrankungen, die einen „Straftatbestand“ erfüllen: Wenn jemand unter seiner Störung leidet und bei einem HP-Psych Hilfe sucht, kann dieser eine Behandlung zwar ablehnen, darf aber auch Hilfe leisten, wenn er sich dazu befähigt fühlt und eine entsprechende Ausbildung absolviert hat. Ausnahme: Ein Klient erzählt mir, dass er ein schweres Verbrechen wie z.B. einen Mord oder eine Geiselnahme plant (!!!). In diesem Fall bin ich rechtlich verpflichtet, dies der Polizei zu melden (§ 138, StGB). Aus § 138/StGB geht indirekt aber auch hervor, dass ein Arzt oder Therapeut sich nicht strafbar macht, wenn er weniger schwere Vergehen nicht anzeigt. Auch bei früher vergangenen leichteren Verstößen gegen das Gesetz unterliegt er – ähnlich wie ein Anwalt oder ein Priester – der Schweigepflicht.

Unsere Lösungsvorschläge für beide Gruppen der schriftlichen Prüfung (Heilpraktiker Psychotherapie) finden Sie auf der Website des Forums Gilching unter
Forum-Gilching.de (Prüfung Oktober 2015)

Heilpraktiker Psychotherapie: Lerntipps für die schriftliche Prüfung (Teil 2)

Lerntipps füBuch - Sicher durch die mündliche Prüfungr die letzten Wochen vor der schriftlichen Prüfung

1. Wenn Ihr den Vorbereitungskurs zur HP-Prüfung (Psychotherapie) ganz oder größtenteils abgeschlossen habt, hat es sich als günstig erwiesen, gezielt einzelne Kapitel zu wiederholen. Viele meiner Kursteilnehmer verwenden zur Nachbereitung der verschiedenen Kapitel mein Buch Schriftliche Prüfung Heilpraktiker für Psychotherapie. Elsevier-Verlag, € 29,90. Die einzelnen Kapitel halten sich an die Einteilung der ICD-10. Anhand von Kurzfällen, kommentierten MC-Fragen, Kurztests und Überblicksgrafiken könnt Ihr überprüfen, ob Ihr das bisher Gelernte gut verstanden habt und auf eine Weise abrufen könnt, dass Ihr die 400 z.T. original Prüfungsfragen richtig beantworten könnt.

2. Um die Prüfungssituation mit 28 Prüfungsfragen zu simulieren, könntLernkartenNeu Ihr auf unserer Website www.forum-gilching.de alle Prüfungsfragen der Jahre 2010 bis 2015 (mit Lösungen und Kurzkommentaren) einsehen bzw. herunterladen und in den vorgeschriebenen 55 Minuten  schriftlich bearbeiten.

3. Die Lösungen zu den Prüfungsfragen auf unserer Website sind allerdings nur in wenigen Fällen kommentiert. Ausführliche Kommentare zu ALLEN Lösungsvorschlägen (ob richtig oder falsch) findet ihr in meinen eben erschienenen Lernkarten zur schriftlichen Prüfung mit 616 Original-Prüfungsfragen der Jahre 2004 bis 2014. Elsevier-Verlag, € 44,99.

 

 

 

HP-Psychotherapie: Lerntipps für die schriftliche Prüfung (Teil 1)

Psychologische und neurologische Erkenntnisse über das Lernen
(Zusammenfassung von Kap. 1 meines Buchs „Schriftliche Prüfung: Heilpraktiker für  Psychotherapie“. Elsevier-Verlag, € 29,90.)

Beim LeErscheinngsdatum: April 2014rnen auf die Prüfung haben Sie wahrscheinlich die Erfahrung gemacht, dass mühsam Gelerntes innerhalb kürzester Zeit  aus Ihrem Gedächtnis entschwunden ist. Diese Erkenntnis ist nicht neu: schon Ende des 19. Jahrhunderts konnte der Psychologe H.Ebbinghaus in verschiedenen Lernexperimenten nachweisen, dass wir bereits 20 Minuten nach dem Lernen sinnloser Silben 40 % des Gelernten nicht mehr abrufen können; nach einer Stunde haben wir über die Hälfte, nach einem Tag zwei Drittel, nach 6 Tagen über 85 % des Gelernten vergessen – vorausgesetzt es waren sinnlose Wörter; vorausgesetzt auch, das auswendig Gelernte wurde nicht wiederholt.

Inzwischen haben Lernpsychologen auf der Grundlage der Ebbinghaus’schen Lernkurve unser Wissen über erfolgreiches Lernen erweitert und hierbei wichtige Erkenntnisse gewonnen, die hier stichpunktartig zusammengefasst werden:

1. Viele Eingangskanäle ansprechen
Neu Gelerntes wird umso besser erinnert, je mehr „Eingangskanäle“ beim Lernen aktiviert werden (Hören, Sehen, Lesen, Sprechen, Schreiben, Zeichnen, Malen, Riechen, Schmecken etc.). Auf diese Weise kann sich das Gelernte an vielen verschiedenen Teilen des Gehirns mit den dort vorhandenen „Schaltkreisen“ verbinden.

2. Emotionale „Erregung“:
Bei Dingen, die uns emotional stark berühren, genügt ein einmaliges Erleben, damit sich das Ereignis lebenslang einprägt: die erste Liebe, der erste Kuss, ein wunderschöner Urlaubstag, aber auch traumatische Erlebnisse aus der Kindheit oder dem Erwachsenenalter bleiben oft so intensiv in unserem Gedächtnis haften, dass wir uns ein Leben lang daran erinnern. Die Erklärung hierfür findet sich in einem Merksatz, den wir uns für das Lernen zunutze machen sollten:
„Was uns emotional nicht berührt, wird schnell vergessen“
Oder umgekehrt: Je mehr Sie an dem, was Sie lernen, emotional beteiligt sind, desto besser und länger prägt sich das Gelernte ein. Das könnte damit beginnen, dass SHPmündlNeuauflageie Teile des Skripts in Stichworten zusammenfassen und dann laut sprechen, vor dem Spiegel vortragen, in einer Arbeitsgruppe erläutern oder auf ein Diktiergerät aufnehmen. Oder aber Sie schreiben wichtige Teile des Gelernten auf Karteikarten und erweitern Ihr Wissen durch Filmausschnitte, lebensnahe Fallgeschichten (z.B. aus meinem Buch „Sicher durch die mündliche Prüfung“); oder indem Sie – allein oder mit einem Freund/einer Freundin – im Rollenspiel z.B. einen Schizophrenen, einen Maniker, einen „Borderliner“ oder einen Menschen mit einer schizoiden/paranoiden/abhängigen Persönlichkeitsstörung imitieren (natürlich auf der Grundlage der Diagnosekriterien nach ICD-10).

Auf neuronaler Ebene kann man sich die Grundlagen für „emotionales Lernen“ vereinfacht folgendermaßen vorstellen:

Aus den unzähligen auf uns einstürmenden Sinneseindrücke wählt das Gehirn die Informationen aus, die es für wichtig erachtet, andere werden von vornherein abgeblockt. Die neuen Informationen werden über eine kleine Hirnregion mit dem Namen „Hippocampus“ („Seepferdchen“) verarbeitet. Der Hippocampus unterscheidet nochmals zwischen „wichtig“ (emotional erregend) und „unwichtig“ (emotional unbedeutend), ordnet die eingetroffenen Informationen und transferiert sich nach einigen Stunden bis Tagen in die „zuständigen“ Areale der Hirnrinde (des „Langzeitgedächtnisses“). Das funktioniert allerdings nur, wenn nicht ununterbrochen neue, wichtige Informationen den Hippocampus überfluten: dann nämlich werfen die neu ankommenden Lerninhalte die im Hippocampus kreisenden Informationen aus dem System – das vor ein paar Stunden Gelernte ist verschwunden. Ein mehrere Stunden andauerndes Lernen ohne Zwischenpausen ist dehalb kontraindiziert.

Lernprobleme gibt es auch, wenn jemand sich in einer emotionalen Krise befindet: die ständig kreisenden emotional „aufgeladenen“ Gedanken lassen kaum zu, dass neue, emotional weniger „erregende“ Lerninhalte, aufgenommen werden. Falls dies doch geschieht, wird das soeben Gelernte schnell von den belastenden Gedanken verdrängt und aus dem „System“ geworfen.

KONSEQUENZEN FÜR DAS LERNEN

(1) Denken Sie daran: Ihr Gehirn hat nur eine begrenzte Aufnahmefähigkeit, beschränken Sie sich deshalb beim Lernen auf die Themen, die für die Prüfung wichtig sind. Einen Überblick über besonders wichtige, weniger wichtige und nur selten überprüfte Themen finden Sie in meinem Buch „Schriftliche Prüfung: Heilpraktuiker für Psychotherapie.“ Das Buch eignet sich auch sehr gut dazu, um bestimmte Kapitel des Vorbereitungskurses zu wiederholen und anhand von Prüfungsfragen und Kurztests das eigene Wissen zu dem entsprechenden Themenbereich zu überprüfen.

(2) Kennzeichnen Sie beim Durchgehen Ihres Skripts oder Lehrbuchs durch farbiges Unterstreichen wichtiger Begriffe, was besonders wichtig ist. Diese einfache Technik hilft Ihrem Gehirn, aus der Fülle des Neuen das Wichtige herauszufiltern. Und vergessen Sie nicht, in einem zweiten Durchgang die unterstrichenen Passagen zu wiederholen.

(3) Beim Lernen sollten Sie Pausen einlegen, damit das Kurzzeitgedächtnis (der „Hippocampus“) genügend Zeit hat, die neuen Informationen zu ordnen und an die dafür zuständigen Hirnareale weiterzuleiten. Bewährt haben sich Lernphasen von 20, 30 oder maximal 60 Minuten, nach denen Sie bewusst eine 5-15-minütige Pause einlegen. Besonders günstig zum Lernen wichtiger Dinge ist die Zeit vor dem Schlafengehen, denn in der Nacht hat der Hippocampus genügend Zeit, das neu Gelernte zu verarbeiten.

(4) Sorgen Sie für eine entspannte Atmosphäre. Angst und Stress bewirken, dass Ihr Gehirn auf „Gefahr“ umschaltet, ein Zustand, in dem die kognitiven Instanzen weitgehend ausgeschaltet werden und ihr Hippocampus kaum Neues aufnehmen kann. Versuchen Sie deshalb, eine Lernatmosphäre zu schaffen, in der sie ihre Alltagsprobleme für einige Zeit beiseite schieben – indem sie sich bewusst eine gewisse Zeit zum Lernen reservieren, vorher eventuell kurz meditieren oder sich entspannen oder ihr Lernen durch Entspannungsmusik untermalen.

(5) Bitte vergessen Sie bei alldem nicht: Je stärker Sie beim Lernen emotional beteiligt sind, desto besser ist die Behaltensleistung, denn:
„Was uns emotional nicht berührt, wird schnell vergessen!“

Fernsehtipps Juni 2015: „Birdy“ – „Höhenangst“

Nach langer Wartezeit gibt es endlich einmal wieder einen sehenswerten Film, diesmal zum Thema „schizoide/schizotype Persönlichkeitsstörung“ und „Kriegstrauma“:

Birdy (ServusTV, Sa., 13. Juni 2015, 22.20h
Basierend auf dem Roman von William Wharton erzählt der Film vom Schicksal zweier junger Männer im Amerika der 60er Jahre: Birdy (Matthew Modine) und Alfonso (Nicolas Cage), genannt Al, wachsen gemeinsam in einem armseligen Vorort von Philadelphia auf. Der extravertierte Al redet gern und ist der Schwarm aller Mädchen. Sein menschenscheuer Freund Birdy dagegen lebt in einer Welt der Fantasie: Er umgibt sich am liebsten mit Tauben und Kanarienvögeln, die seinen Traum von Freiheit versinnbildlichen. Doch nicht nur seine verrückten Flugversuche holen Birdy auf den Boden der Tatsachen, auch der Vietnamkrieg verändert ihn zutiefst. Die Freunde werden einberufen.- Beide kehren zurück, doch das Leben eines jeden scheint zerstört. Al hat schwere Gesichtsverletzungen erlitten, Birdy hat ein schlimmes psychisches Trauma: Er sitzt in der Haltung eines sitzenden Vogels stumm und erstarrt in seinem Krankenzim¬mer und lässt sich wie ein Vogel füttern. Hat er neben seiner Persönlichkeitsstörung als Folge des Kriegs eine schwere dissoziative Störung (dissoziativer Stupor)? Oder eine sog. Kriegspsychose (schwere PTBS) ? Oder vielleicht eine Form der katatonen Schizophrenie?
Um ihn „zurückzuholen“, wird Al gebeten, seinen Freund durch Erzählungen über gemein¬same Jugenderleb¬nisse den Weg in die Wirklichkeit zurückfinden zu lassen. In Rückblenden erleben wir so Birdys Jugendzeit.

Für den scheuen, introvertierten Birdy kommen laut ICD-10 drei psychische Störungen in Betracht: 1. eine schizoide Persönlichkeitsstörung; 2. eine schizotype Störung; 3. eventuell: eine beginnende wahnhafte Störung.

Ein sehenswerter Film mit vielen humorvollen Szenen. Wer Zeit hat, unbedingt ansehen oder auf DVD aufnehmen.

„Bitte nicht zu hoch hinaus“ (BR Gesundheit, Die., 16. Juni 2015, 19.00h)

Ein Beitrag zu „Höhenangst“ (Akrophobie). Weitere Infos sind leider nicht verfügbar. Könnte interessant sein (vor allem die Vorschläge zur psychotherapeutischen Behandlung von Höhenangst).

Heilpraktiker für Psychotherapie: Schriftliche Prüfung vom 18. März 2015

Die Frühjahrsprüfung 15-1 zum Heilpraktiker für Psychotherapie war gut machbar. Die meisten meiner Kursteilnehmer hatten 2 bis 5 Fehler. Einige sehr spezielle Fragen (z.B. zu den Symptomen einer Lithiumintoxikation) waren natürlich – wie immer – dabei. Gut finde ich, dass nun endlich auch eine Frage zur Binge-Eating-Störung aufgenommen wurde. Die Lösungen mit Kurzkommentaren finden Sie auf unserer Website unter Forum-Gilching.de (Prüfung März 2015)

Bitte denken Sie daran: eine nicht zu unterschätzende Hürde ist die mündliche Prüfung. Um die Leute aus meinen Kursen optimal auf’s Mündliche vorzubereiten, biete ich schon nächsten Montag (23.03.2015, 17-21 h) ein Kurzseminar an mit dem Titel: „Wie bestehe ich die mündliche Prüfung“. Überdies ist es auch möglich, speziell für München-Land, München-Stadt, Augsburg-Land, Landshut, Regensburg etc. ein Coaching in Kleingruppen buchen. Details zu den beiden Kursen finden Sie unter Forum-Gilching.de (Vorbereitung auf’s Mündliche)

Wird im Mündlichen eine psychotherapeutische Ausbildung verlangt?
Da ich immer wieder Zuschriften bekomme von Prüflingen, die im Mündlichen KEINE psychotherapeutische Ausbildung vorweisen können, sondern sich nur über Bücher auf’s Schriftliche vorbereitet haben, hier nochmals in Kürze die Rechtsvorschriften aus dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 21.1.1993, deren wichtigsten Punkte sich in den Merkblättern der verschiedenen Bundesländer wieder finden. Die im Gesetz aufgeführten Punkte lassen sich wie folgt zusammenfassen:

● Der Prüfling muss ausreichende theoretische Kenntnisse besitzen, um seine psychotherapeutische Tätigkeit gegenüber der Tätigkeit eines Arztes (Psychiater, Neurologe, Internist etc.) abzugrenzen.
● Der Prüfling muss „ausreichende diagnostische Fähigkeiten in Bezug auf das einschlägige Krankheitsbild“ besitzen.
● Der Prüfling muss „die Befähigung haben, seelische Krankheiten und Leiden … als solche zu erkennen … um therapeutisch auf den Befund so zu reagieren, dass der Patient durch die konkrete Behandlung keinen gesundheitlichen Schaden erleidet.“
● Der Prüfling muss „die Befähigung besitzen, Patienten entsprechend der Diagnose psychotherapeutisch zu behandeln.“ Das heißt: er muss sich die Befähigung angeeignet haben, Menschen die an einer psychischen Erkrankung leiden, so zu behandeln, dass sie durch seine Art der Psychotherapie keinen Schaden erleiden.

Rein rechtlich gesehen kann nach Auskunft des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Familie „nicht gefordert werden, dass jeder Kandidat eine einschlägige psychotherapeutische Ausbildung durchlaufen hat, um zur Überprüfung zugelassen zu werden… Nach höchstrichterlicher Rechtsprechung kommt es bei der Überprüfung nicht auf die Vorbildung, sondern auf die beabsichtigte Tätigkeit an“. Für die Prüfungskommission könne der Nachweis einer fachlichen Vorbildung allerdings von Nutzen sein und Einfluss nehmen auf Art und Inhalt der Fragestellung, „je nachdem, ob ein Kandidat eine Ausbildung in einem psychotherapeutischen Verfahren nachweisen kann oder nicht.“ (Schreiben vom 13.05.14 auf persönliche Anfrage).

Um festzustellen, ob der Prüfling die im Gesetz aufgeführten Fähigkeiten besitzt, stellen die Prüfer zu Beginn oft (aber nicht immer!) Fragen wie:
● „Welche psychotherapeutische Ausbildung haben Sie gemacht?“
● „Wie haben Sie sich auf die Prüfung vorbereitet?“
● „Mit welchen Klienten wollen Sie nach Bestehen der Prüfung arbeiten?“

Anschließend legen sie dem Prüfling meist eine Fallgeschichte vor, anhand derer er seine diagnostischen Fähigkeiten in Bezug auf das vorliegende Krankheitsbild unter Beweis stellen soll. Zum Abschluss folgt nahezu immer die Frage: „Wie gehen Sie im vorliegenden Fall therapeutisch vor?“
Das weitere Prüfungsgespräch knüpft entweder an die differenzialdiagnostischen Überlegungen der Fallgeschichte an; häufig auch stellen die Prüfer querbeet Fragen zu den verschiedensten Themenbereichen, die manchmal auf einer Frageliste abgehakt werden. Nahezu immer müssen Sie in diesem Zusammenhang detaillierte Kenntnisse zum Betreuungsrecht und zum Unterbringungsrecht/Psychisch-Krankengesetz nachweisen.

Nicht alle Prüfungsämter verlangen eine psychotherapeutische Vorbildung
Es gibt auch Prüfungsämter, die sich darauf beschränken, 40-60 Minuten nur theoretisches Wissen abzufragen ohne darauf einzugehen, ob der Prüfling eine psychotherapeutische Ausbildung gemacht oder anderweitig Erfahrungen im Bereich Psychotherapie gesammelt hat. Manche Prüfungskommissionen fragen zumindest danach, welche Ausbildung nach Bestehen der Prüfung geplant ist, aber auch das ist nicht immer der Fall. Wenn Sie sich nicht sicher sind, wie die Prüfung in Ihrem Gesundheitsamt ablaufen wird, sollten Sie sich bei ihrem Ausbildungsinstitut kundig machen oder – falls Sie einen Fernkurs absolviert haben – in Ihrem Gesundheitsamt nachfragen.

In der Neuauflage meinHPmündlNeuauflagees Buchs „Sicher durch die mündliche Prüfung“ (Erscheinungsdatum: 20. März) habe ich auch Prüfungskommissionen aufgenommen, bei denen das „Mündliche“ anders abläuft als in den meisten Bundesländern. –

Ich wünsche allen Prüflingen, die heute das Schriftliche bestanden haben, viel Glück im „Mündlichen“ und freue mich über den einen oder anderen Kommentar.

Fernsehtipps Januar/Februar 2015

Viele Monate lang gabe es kaum Dokumentar- oder Spielfilme mit Themen aus den Bereichen Psychiatrie und Psychotherapie, jetzt plötzlich gibt es dicht gedrängt mehrere sehenswerte Filme und Dokumentationen.

1. Thema Alkoholismus: Christiane Hörbiger. Wie in Licht in der Nacht. Sa., 24.Jan.2015 (20.15)
2. Vaskuläre Demenz. Hannelore Hoger. Nichts für Feiglinge. So., 25. Jan. 2015 (MDR, 22.00)
3. Multiple Persönlichkeitsstörung. Katja Riemann. Ich bin die andere. So., 01.02.15 (Tele5, 22.25)
4. Hashimoto-Thyreoiditis: Wenn die Schilddrüse verrückt spielt. Die., 03.02.15 (NDR, Visite, 20.15)
5. Depression – eine Krankheit erobert die Welt. Die., 03.02.15 (Arte, 21.50)

Zu 1. Christiane Hörbiger. Wie in Licht in der Nacht. Sa., 24.Jan.2015 (20.15)
Die erfolgreiche Geschäftsfrau Carla Binder ist in Rente gegangen. Nach außen hin gibt sie die glückliche, zufriedene Frau von Welt, doch innen klafft erin tiefes Loch. Seit Jahren trinkt sie Alkohol, doch nun – nach dem Ausscheiden aus der Firma – beherrscht der Alkohol mehr und mehr ihr Leben. Hilfe findet Carla bei ihrem Hausmeister, einem trockenen Alkoholiker. Nach einem Anfall unkontrollierten Trinkens wird sie mit einer akuten Alkoholvergiftung in die Klinik eingeliefert, weigert sich zunächst jedoch, einen Entzug zu machen. Allmählich erkennt sie ihre Abhängigkeit von Alkohol und ist bereit, sich einer Entgiftung in der Klinik zu unterziehen. – Wir sehen die hierfür typischen Symptome wie Zittern, Bauchkrämpfe, nächtliches „Herumgeistern“, psychomotorische Unruhe, Bettflucht, die sie mit medikamentöser Hilfe nach etwa 10 Tagen überwindet. Zu guter letzt findet sie Hilfe bei den anonymen Alkoholikern, die ihr helfen, das „Loch“ mit eigenen Erfahrungen zu füllen und sich mit ihrer Tochter zu versöhnen.

Zu 2. Hannelore Hoger. Nichts für Feiglinge. So., 25. Jan. 2015 (MDR, 22.00)
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Heilpraktiker für Psychotherapie: Mündliche Prüfung 2014-2

Da bei der schriftlichen Prüfung 14-2 im Vergleich zur Frühjahrsprüfung sehr viele Prüflinge bestanden haben, gab es in einigen Prüfungsämtern offensichtlich Prüfungskommissionen, die im Mündlichen stärker „ausgesiebt“ haben als in den Jahren zuvor. Oft wurden – wie im folgenden Beispiel – Kurzfälle zum Anlass genommen, um im Rahmen der differenzialdiagnostischen Überlegungen (inzwischen sehr wichtig geworden!!!) breitgefächertes Wissen abzufragen.

Fallbeispiel: Ein junger Mann (27) fährt morgens mit der U-Bahn in die Arbeit. Er bekommt Atemnot, Schweißausbrüche, zittert am ganzen Körper und muss die U-Bahn an der nächsten Haltestelle verlassen. Er muss dringend ins Freie, da geht es ihm besser. – Was kommt differenzialdiagnostisch in Frage?

• DD Panikattacke bei Panikstörung: Durch Nachfragen klären -> In Vergangenheit: Panikattacken wie aus heiterem Himmel?)
• DD Panikattacke bei Agoraphobie: Durch Nachfragen klären -> In Vergangenheit: Panikattacken bei Menschenmengen, auf Plätzen etc.?)
• DD Panikattacke bei Klaustrophobie: Durch Nachfragen klären -> In Vergangenheit: Panikattacken bei engen Räumen?)
• DD Panikattacken bei sozialer Phobie: Durch Nachfragen klären -> In Vergangenheit: Panikattacken in sozialen Situationen?)
• DD Organische Ursachen, z.B. Schilddrüsenüberfunktion. Weitere Symptome durch Nachfragen klären bzw. ausschließen
• DD Angstanfall im Rahmen einer Depression -> Durch Fragen nach weiteren Symptomen ausschließen oder in Betracht ziehen (hier: Fragen der Prüfer zu den typischen Symptomen einer depressiven Episode; eventuell auch einer Anpassungsstörung)
• DD Herzangstsyndrom: Werden diese und weitere Symptome stark herzbezogen erlebt? (Zusatzfragen der Prüfer zu anderen somatoformen autonomen Funktionsstörungen)
• DD Angstanfall im Rahmen eines Asthma-Anfalls
• DD Angstanfall bei Angina pectoris
• DD Herzinfarkt -> Prüfer: Was tun Sie, wenn der junge Mann in Ihrer Praxis sitzt? (Notarzt rufen!)
• DD Entzugserscheinungen (Benzodiazepine? Alkohol?). –> Prüfer: Fragen zur Entzugssymptomatik, zum Entzugsdelir, zu Bewusstseinsstörungen beim Delir. Zusatzfrage: Gibt es organisch bedingte psychische Störungen, bei denen das Bewusstsein nicht getrübt ist? -> Korsakow-Syndrom (Symptome erklären) – Demenz im Frühstadium – Alkoholhalluzinose.
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