Psychiatrie – leicht verstehen. Kurzlehrbuch. Heilpraktiker Psychotherapie. Mit 150 Fallgeschichten zu allen wichtigen Krankheitsbildern.

Seit Oktober 2017 ist mein Kurzlehrbuch mit 150 spannenden, einprägsamen Fallgeschichten auf dem Markt. Es ist beim Elsevier-Verlag erschienen und kostet im Buchhandel € 39.99. Die folgende Amazon-Rezension fasst die wesentlichen Merkmale des Buchs in Kürze zusammen:

Amazon Top-Kundenrezensionen

Alles was ich seit Monaten gesucht habe in einem Buch. Vom 9.11.2017

Nach wenigen Seiten von „Psychatrie leicht verstehen“ fühle ich richtig Euphorie. Ich sammle seit 4 Monaten Unterlagen und kaufe alles was ich auf Amazon finden kann um für die „kleine Heilpraktiker“-Prüfung zu lernen und war immer unsicher, von welchem Gebiet wie viel Wissen notwendig ist. Oft war ich verängstigt oder enttäuscht. Jetzt habe ich zum ersten Mal den Eindruck eine sehr klare Übersicht und alle notwendigen Erklärungen in einem Buch zu finden. Ich nehme eine große Welle von Optimismus wahr und lerne gleich 6 Stunden durch. Jedes Fremdwort wird erklärt, jede Störung mit einer Beispielgeschichte illustriert und gleichzeitig verdeutlichen klare Grafiken Zusammenhänge und Unterschiede. Es gibt Merkhilfen und Eselsbrücken, die Reihenfolge des Materials fühlt sich stimmig an. Begriffe werden sinnvoll eingeführt und meine Neugier wird immer wieder aufs Neue geweckt. Es ist mir seit Tagen eine große Freude mit diesem Buch zu lernen.
Vielen Dank für dieses fantastische Werk!

Um einen Eindruck vom Aufbau und der farblichen Gestaltung des Buchs zu bekommen, habe ich in der Folge ein Unterkapitel aus der Lerneinheit Persönlichkeitsstörungen ausgewählt:

6.11 Paranoide Persönlichkeitsstörung

Der Begriff „paranoide Persönlichkeitsstörung“ kann zu Verwirrung führen, denn das Wort „paranoid“ wird hier in anderer Bedeutung verwendet als beim Krankheitsbild der „paranoiden“ Schizophrenie“. Wie in der Lerneinheit über die schizoide PS ausgeführt, bedeutet die griechische Endung „-oid“: „ähnlich, aber nicht dasselbe“, das Adjektiv „paranoid“ demzufolge: ähnlich wie Paranoia (= Wahn), aber nicht dasselbe. Da das Störungsbild aus dem amerikanischen Diagnosehandbuch DSM-III übernommen wurde, ist es vielleicht interessant zu erfahren, was „paranoid“ im Englischen bedeutet. Alle einsprachigen Lexika führen zwei Bedeutungen von „paranoid“ an:

1. A mental condition characterized by delusions of persecution (ein Geisteszustand, der durch Verfolgungswahn gekennzeichnet ist)
2. Unjustified suspicion and mistrust of other people (ungerechtfertigtes Misstrauen und ungerecht-fertigte Verdächtigungen gegenüber anderen Menschen)

Die zweite Bedeutung des Wortes bringt die zentrale Symptomatik der paranoiden PS auf einen Punkt: Die Betroffenen sind extrem misstrauisch, verdächtigen andere, ihnen schaden zu wollen und reagieren übermäßig empfindlich oder streitsüchtig auf eine vermeintliche Missachtung der eigenen Person. Selbst Ehepartner oder Familienangehörige werden verdächtigt, untreu zu sein oder sich mit anderen gegen die eigene Person verschworen zu haben. Die Betroffenen leiden allerdings nicht an einem „echten“ Verfolgungswahn mit den hierfür typischen Merkmalen, sonst hätten die Betroffenen eine wahnhafte Störung.

Diagnostische Kriterien nach ICD-10
A1 Zeitdauer: Von Kindheit/Jugendalter bis zur Gegenwart andauernd.
A2: Abnorme Verhaltensmuster in den Bereichen Affektivität, soziales Handeln und Kognitionen („Alle sind gegen mich“)
B. Mindestens vier der Merkmale 1-7 müssen vorhanden sein:
1. Übertriebene Empfindlichkeit auf Rückschläge und Zurücksetzungen
2. Neigung, dauerhaft Groll zu hegen, das heißt Beleidigungen, Verletzungen oder Missachtungen werden nicht vergeben;
3. Misstrauen und eine anhaltende Tendenz, Erlebtes zu verdrehen, indem neutrale oder freundliche Handlungen anderer als feindlich oder verächtlich missdeutet werden;
4. streitsüchtiges und beharrliches, situationsunangemessenes Bestehen auf eigenen Rechten;
5. häufiges ungerechtfertigtes Misstrauen gegenüber der sexuellen Treue des Ehe- oder Sexual¬partners;
6. ständige Selbstbezogenheit, besonders in Verbindung mit starker Überheblichkeit;
7. häufige Beschäftigung mit unbegründeten Gedanken an „Verschwörungen“ als Erklärungen für Ereignisse in der näheren Umgebung des Patienten oder der Welt im Allgemeinen.

Zusatzmerkmale nach DSM-5:
8. verdächtigt andere ohne Grund, ihn auszunutzen, zu schädigen oder zu täuschen
9. reagiert bei vermeintlichen Angriffen auf die eigene Person schnell mit Wut und Aggression und startet rasch einen Gegenangriff
10. vertraut sich nur zögernd anderen Menschen an, aus ungerechtfertigter Angst, die Informationen könnten in böswilliger Weise gegen ihn/sie verwendet werden.


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Wichtig zu wissen

Prävalenz
Die Häufigkeit der paranoiden Persönlichkeitsstörung in der Allgemeinbevölkerung wird je nach Untersuchung zwischen etwa 0,5 und 2 % angegeben. Bei den Patienten in Fachkliniken finden sich deutlich mehr Betroffene (mehr als 10 %). Männer sind häufiger betroffen als Frauen.
Ätiologie
Das Hauptmerkmal der paranoiden PS ist das Gefühl eines tief verwurzelten Misstrauens, das nach Ansicht von Soziologen (Dieter Claessens, 1992) und Psychoanalytikern (E.H. Erikson) auf eine frühe Entwicklungsphase zurückgeht, die auch als „zweite, soziokulturelle Geburt“ bezeichnet wird und die ersten Monate, eventuell auch die ersten 1-2 Jahre umfasst, in der sich beim Säugling und Baby das Urvertrauen entwickelt. In dieser allerersten Lebenszeit macht jeder Mensch die Erfahrung, dass er seiner Mutter oder einer anderen engen Bezugsperson vertrauen kann. Oder aber er lernt, dass alle gegen ihn sind und er niemandem vertrauen kann. Bei Säuglingen und Babys, die von Anfang an abgelehnt, vernachlässigt, misshandelt oder von einem Babysitter zum nächsten „weitergereicht“ wurden, entwickelt sich häufig ein Bindungsverhalten, das von tiefem Misstrauen geprägt ist. Auch Säuglinge, die früh in ein Heim oder ins Waisenhaus gegeben wurden, machen häufig die Erfahrung, dass ihr Urbedürfnis nach Fürsorge, Liebe und Geborgenheit nicht befriedigt wird. Statt Urvertrauen ist ein „Urmisstrauen“ die Folge. Dieses „Urmisstrauen“ prägt sich bei den Betroffenen so tief ein, dass es im späteren Leben auf Menschen, Situationen und Beziehungen übertragen wird, nach dem Motto: „Alle sind gegen mich“, „Die ganze Welt hat sich gegen mich verschworen“.
Differenzialdiagnose
Trotz des irreführenden Namens hat die paranoide Persönlichkeitsstörung – wie eingangs ausgeführt – in den zentralen Diagnosekriterien nichts mit einer paranoiden Schizophrenie gemein, die ja phasenhaft verläuft und nicht seit Kindheit und Jugendalter durchgehend vorhanden ist. Sollten allerdings die Ideen von Misstrauen, Verschwörung und sich verfolgt Fühlen die Kriterien eines Wahns erfüllen, wäre an eine anhaltende wahnhafte Störung zu denken. Sie unterscheidet sich von der paranoiden PS dadurch, dass sie nicht schon seit der Adoleszenz durchgängig vorhanden ist und meist im Zusammenhang steht mit einem einschneidenden „life event“. Überdies verhalten sich die Betroffenen – anders als paranoide Persönlichkeiten – außerhalb der wahnbesetzten Lebensbereiche normal und unauffällig.
Verwechseln könnte man die paranoide PS mit der schizotypen Störung, die ebenfalls durch Misstrauen, zwischenmenschliche Distanziertheit und paranoide Ideenbildung gekennzeichnet ist. Nicht typisch für die paranoide PS sind jedoch „schizotype“ Merkmale wie magisches Denken, ungewöhnliche Wahrnehmungen (Körpergefühlsstörungen, Depersonalisation, Derealisation) und eine umständliche, gekünstelte Sprache.
Therapie
Ähnlich wie bei der schizoiden PS ist die psychotherapeutische Behandlung einer paranoiden PS für den Therapeuten eine große Herausforderung, denn die meisten Betroffenen gehen nur in Therapie, wenn sie durch den Arbeitgeber oder die Familie dazu gezwungen werden oder aufgrund komorbider Störungen (Depressionen; Substanzmissbrauch; emotionale Krisen) Hilfe suchen. Wenn Betroffene wirklich bereit sind, psychotherapeutische Hilfe anzunehmen, kann versucht werden, das Misstrauen gegenüber anderen Menschen abzubauen, soziale Kompetenzen zu verbessern und verzerrte Kognitionen („Alle sind gegen mich“) zu verändern. Dies ist oft nicht einfach, denn die misstrauische Haltung bezieht meist auch den Therapeuten mit ein. […]

Drei Gruppen von Persönlichkeitsstörungen (Merkhilfe: A-B-C)

Schriftliche Prüfung Heilpraktiker für Psychotherapie 2017-2 (11.10.2017)

Die gestrige schriftliche Prüfung war nicht leicht. Schon bei der Themenauswahl gab es Unterschiede zu früher: Insgesamt 5 mal wurde das Wissen im Bereich Kinder- und Jugendpsychiatrie abgefragt mit Fragen zu Tic-Störungen, zur Legasthenie, zum frühkindlichen Autismus, zur Intelligenzminderung und – zum 1. Mal seit Bestehen der Prüfung – zur reaktiven Bindungsstörung. Die Formulierungen der Fragen waren überdies oft so gewählt, dass man nicht einfach auswendig gelerntes Wissen reproduzieren konnte, sondern sich genau überlegen musste, ob diese oder jene Aussage wohl richtig ist. Beispiel: Beginnt die Somatisierungsstörung (Mindestdauer 2 Jahre) schon im frühen Erwachsenenalter? In der ICD-10 findet sich dazu nichts, in der Fachliteratur heisst es: Der Beginn der jahrelang anhaltenden Beschwerden liegt meist in der „ausgehenden Adoleszenz“ und im frühen Erwachsenenalter. Oder Frage 15: „Treten Zwangssymptome nach dem 40. Lebensjahr auf, sollte eine organische Ursache ausgeschlossen werden“ = richtig! Hintergrund: Zwangsstörungen beginnen meist in dre Kindheit, in der Adoleszenz oder im frühen Erwachsenenalter; ein später Beginn muss dann wohl auf eine andere Ursache zurückzuführen sein (siehe unten).

Den Rückmeldungen meiner Kursteilnehmer konnte ich entnehmen, dass viele die Prüfung trotzdem geschafft haben. Die Lösungen stehen seit gestern (11.10.) ab 12.00 Uhr im Netz unter www.forum-gilching.de (Prüfung Oktober 2017). Dort finden Sie auch alle Fragen mit Lösungen und Kurzkommentaren. Ein paar Fragen haben vielen Prüflingen Probleme bereitet, deshalb in der Folge einige Erläuterungen hierzu. Die Bezifferung bezieht sich auf Gruppe A, dahinter Gruppe B.

Frage 13//23: Einfachauswahl.
Ein 65-jähriger Patient stellt sich in Begleitung seiner Ehefrau vor. Er wirkt sehr klagsam und antriebsgemindert. Er klagt über Vergesslichkeit, er könne sich das Datum nicht merken und vergesse Termine. Er interessiere sich für fast nichts mehr. Der Hausarzt habe ihn zum Nervenarzt überwiesen. Dieser habe ihm ein Medikament verschrieben und eine Psychotherapie empfohlen. Welche der folgenden Diagnosen kommt am ehesten in Frage?
□ A Korsakov-Syndrom
□ B Demenz bei Pick-Krankheit
□ C Vaskuläre Demenz
□ D Sogenannte depressive Pseudodemenz
□ E Demenz bei HIV-Krankheit
D ist richtig (Pseudodemenz)
Bei einer vaskulären Demenz müsste die Erkrankung seit mindestens 6 Monaten vorhanden sein; überdies würde der Hausarzt da keine Medikamente (Antidepressiva?) verschreiben und den Mann zum Neurologen schicken anstatt eine Psychotherapie zu empfehlen. Der Patient ist klagsam und antriebsgemindert und leidet wohl erst seit kurzem unter Vergesslichkeit und Antriebsminderung: Er hat eine Anpassungsstörung mit depressiver Reaktion oder eine depressive Episode. Möglicherweise ist er gerade in Rente gegangen (Alter: 65) und hat Probleme, sich an die neue Situation anzupassen.

Frage 15//3: Aussagenkombination.
Tic-Störungen
(1) sind willkürliche und regelmäßige Muskelreaktionen und Lautäußerungen, die gewohnheitsmäßig auftreten
(2) gelten abe einer Dauer von einem Monat als chronisch
(3) beginnen typischerweise in der Pubertät
(4) werden klinisch diagnostiziert
(5) treten bei ungefähr 10% aller Kinder und Jugendlichen vorübergehend auf
□ A Nur die Aussagen 3 und 5 sind richtig
□ B Nur die Aussagen 1, 4 und 5 sind richtig
□ C Nur die Aussagen 2, 3, und 4 sind richtig
□ D Nur die Aussagen 3, 4 und 5 sind richtig
□ E Alle Aussagen sind richtig
D 3, 4 + 5 sind richtig
(1) Falsch. Es sind unwillkürliche (nicht willkürliche) Bewegungen und Lautäußerungen.
(2) Falsch. Erst ab 12 Monaten gelten Tic-Störungen als chronisch
(4) Richtig. „Klinisch diagnostiziert“ bedeutet nicht, dass die Untersuchungen in einer Klinik erfolgen müssen. In der Sprache der Mediziner bedeutet „klinisch“: Die Diagnose wird von einem Facharzt vorgenommen.

Frage 11//16: Einfachauswahl. Eine 28-jährige Frau, ohne psychische Vorerkrankungen kommt in Ihre Praxis. Sie berichtet aufgeregt und kurzatmig, dass sie am Morgen an einer stark befahrenen Straßenkreuzung einen Verkehrsunfall mit einem LKW gehabt habe, welcher wohl eine rote Ampel übersehen haben musste. Sie brauche daher unbedingt „etwas zur Beruhigung“. So könne sie nicht zur Arbeit. Die Betroffene berichtet stereotyp, dass sie doch „grün“ gehabt habe und was denn passiert wäre, wenn der LKW sie mit ihrer 3-jährigen Tochter frontal an ihrer Fahrerseite erwische hätte. Die Betroffene zittert, wirkt psychomotorisch unruhig, verzweifelt und zeigt deutliche Auffassungs- und Konzentrationsstörungen. Welche der folgenden Diagnosen im Sinne der ICD-10 trifft am ehesten zu?
□ A Posttraumatische Belastungsstörung
□ B Anpassungsstörung mit gemischter Störung von Gefühlen und Sozialverhalten
□ C Panikstörung
□ D Akute Belastungsreaktion
□ E Dissoziative Störung (Konversionsstörung), gemischt
D ist richtig
Die Symptome sind typisch für eine akute Belastungsreaktion. Beschrieben wird eine kurzzeitige Reaktion auf ein einschneidendes, belastendes Ereignis. Abklingen der Symptome (nach ICD-10) meist schon nach 8 Stunden!. Die Symptome (Verzweiflung, psychomotorische Unruhe, Zittern etc.) sind typisch für eine akute Belastungsreaktion, die übrigens in den letzten Prüfungen jetzt schon viermal gefragt wurde.

Frage 24 // 28 (P 17-2): Aussagenkombination.
Ein Behandlungs- bzw. Tätigkeitsverbot besteht für Inhaber einer auf das Gebiet der Psychotherapie beschränkten Heilerlaubnis für die
(1) psychoanalytische Therapie eines psychisch kranken Patienten mit chronischer Borreliose
(2) Verordnung von Betäubungsmitteln
(3) psychotherapeutische Behandlung der depressiven Störung eines Patienten mit bekannter HIV-Infektion
(4) Empfehlung einer stationären Behandlung
(5) Psychoedukation bei einem schizophrenen Patienten
□ A Nur Aussage 2 ist richtig
□ B Nur Aussage 3 ist richtig
□ C Nur die Aussagen 2 und 4 sind richtig
□ D Nur die Aussagen 1, 2 und 5 sind richtig
□ E Alle Aussagen sind richtig
A Nur 2 ist zutreffend = verboten
Zu 1+3: Die Psychotherapie (z.B. Psychoanalyse oder VT) beschränkt sich auf die psychische Störung und ist daher erlaubt, wenn der Therapeut eine entsprechende Ausbildung hierfür besitzt. Die Borreliose bzw. HIV-Infektion gehört natürlich in die Hände eines Facharztes.

Frage 16 // 11 (P 17-2): Mehrfachauswahl. Welche zwei der folgenden Aussagen zur Zwangsstörung (nach ICD-10) treffen zu?
□ A Patienten mit einer Zwangsstörung erleben ihre Zwangshandlungen im Gegensatz zur anankastischen (zwanghaften) Persönlichkeitsstörung üblicherweise ich-synton
□ B Mindestens gegen einen Zwangsgedanken oder gegen eine Zwangshandlung muss der Patient noch Widerstand leisten
□ C Mit Abstand am häufigsten kommt bei Zwangsstörungen der Zählzwang vor
□ D Therapie der Wahl ist zunächst die alleinige Pharmakotherapie, erst bei Therapieresistenz sollte eine kognitive Verhaltenstherapie angewendet werden
□ E Treten Zwangssymptome nach dem 40. Lebensjahr auf, sollte eine organische Ursache ausgeschlossen werden.
B und E sind richtig
Zu A: Falsch! „Ich-synston“ bedeutet: Die Gedanken und Handlungen eines Menschen stehen im Einklang mit den für ihn/sie typischen Gedanken, Handlungen und Verhaltensweisen. Bei Zwangsstörungen ist das Gegenteil der Fall: Die Zwangsgedanken und Zwangshandlungen werden als unsinnig, als ich-dyston erlebt, obwohl die Betroffenen wissen, dass es IHRE Gedanken sind.- Zu E: Richtig. Zwangsstörungen beginnen meist in der Kindheit, in der Adoleszenz oder im frühen Erwachsenenalter. Ein erstmaliges Auftreten nach dem 40.Lebensjahr ist deshalb eventuell ein Hinweis auf eine organische Ursache (z.B. Hirntumor, Verletzungen des Gehirns, MS etc.).

Ergänzung: Frage 3//9: Aussagenkombination.

Welche der folgenden Aussagen zu Bindungsstörungen (nach ICD-10) treffen zu?
1. Wichtig ist die diagnostische Abgrenzung von tief greifenden Entwicklungsstörungen (nach ICD-10)
2. Beginn vor dem Alter von 5 Jahren
3. Zur klinischen Leitsymptomatik der reaktiven Bindungsstörung gehören repetitive und stereotype Verhaltensmuster
4. Die reaktive Bindungsstörung wird von anhaltenden und ausgeprägten kognitiven Defiziten, die denen des Autismus vergleichbar sind, begleitet.
5. Die reaktive Bindungsstörung tritt meist im Kontext von Vernachlässigung oder Misshandlung auf
☐ A Nur die Aussagen 1, 2 und 4 sind richtig
☐ B Nur die Aussagen 1, 2 und 5 sind richtig
☐ C Nur die Aussagen 1, 3 und 5 sind richtig
☐ D Nur die Aussagen 2, 3 und 4 sind richtig
☐ E  Nur die Aussagen 3, 4 und 5 sind richtig
B Nur 1, 2 und 5 sind richtig
1. Richtig. An der Entstehung einer Bindungsstörung spielen psychische Verursachungen wie extreme Vernachlässigung oder körperliche/sexuelle Gewalt in der frühen Kindheit eine wichtige Rolle – im Gegensatz zu den tief greifenden Entwicklungsstörungen (z.B. frühkindlichem Autismus): Hier spielen genetische Faktoren (z.B. Chromosomenveränderungen) eine wichtige Rolle. Die Symptome sind also – im Gegensatz zu Bindungsstörungen – nicht psychisch bedingt. Deshalb heisst es in der ICD-10 zur Bindungsstörung: „Die Kriterien für eine tiefgreifende Entwicklungsstörung werden nicht erfüllt“.
2. Richtig. ICD-10: „Beginn vor dem fünften Lebensjahr“.
3. Bei der reaktiven Bindungsstörung finden sich auf keinen Fall autistische Merkmale wie kognitive Defizite oder stereotype/repetitive Verhaltensmuster. Typische Symptome sind stattdessen Furchtsamkeit, Unglücklichsein, ein zeitweiser Verlust emotionaler Ansprechbarkeit, z.T. auch aggressive Reaktionen.
4. Falsch. Siehe Kommentar zu 3.
5. Richtig. Die Störung tritt meist „als direkte Folge schwerer elterlicher Vernachlässigung, Missbrauch oder schwerer Misshandlung auf“ (ICD-10, F94.1: Einleitung). Auch ein häufiger Wechsel wichtiger Bezugspersonen kann zu einer Bindungsstörung führen.

Weitere Fragen mit Kommentaren finden Sie auf der Website des Forums Gilching e.V. www.forum-gilching.de (Prüfung Oktober 2017).

Heilpraktiker für Psychotherapie: Tipps für die schriftliche und mündliche Prüfung 2017-2

Tipps für die schriftliche Prüfung im Oktober 2017
Ich bin im Augenblick bei der Überarbeitung des Vorbereitungsbuchs zur schriftlichen Prüfung (erscheint im Herbst 2017) und einer Neuauflage der „Lernkarten“ (2007-2017, erscheint im Sommer 2018). Bei der Durchsicht der über 1000 Prüfungsfragen seit Beginn der Prüfung ist mir aufgefallen, dass es in jeder Prüfung mindestens 5-6 Fragen gab, die wörtlich oder fast wörtlich in vergangenen Prüfungen vorkamen. in der Prüfung 2017-1 waren es folgende Fragen:
Frage 13: Soziale Phobie –> Prüfung 10-2
Frage 16: Nebenwirkungen von Lithium –> Prüfung 15-1
Frage 19: Störungen der Psychomotorik bei Schizophrenie –> Prüfung 15-2
Frage 20: Somatisches Syndrom bei depressiver Episode –> Prüfung 15-2
Frage 27: Zu den quantitativen Bewusstseinsstörungen zählen… –> Prüfung 14-2

Auch in den Prüfungen der Jahre 2015 und 2016 fanden sich diverse Prüfungsfragen, die schon einmal vorgekommen sind. Deshalb mein Tipp: Mehrmaliges „Durchgehen“ vergangener Prüfungsfragen, möglichst mit mehrfacher Wiederholung der Fragen, die falsch beantwortet wurden. Die Fragen der Prüfungen 2015-1, 2015-2, 2016-1, 2016-2 und 2017-1 finden Sie – mit ausführlichen Kommentaren – auf der Website des Forums Gilching e.V. www.forum-gilching.de.

Fragen der Jahre 2004 bis 2014 finden Sie in meinen „Lernkarten“ mit Kommentaren zu jeder richtigen oder falschen Lösung.

Tipps für die mündliche Prüfung 2017+2018 (Teil 1)
In der mündlichen Prüfung werden in der letzten Zeit mehr und mehr differenzialdiagnostische Kenntnisse verlangt, die weit über den psychischen Bereich hinausgehen. Hier einige Beispiel aus dem „Mündlichen“:

Beispiel 1:
Prüfer: Jemand hat immer wieder Panikattacken. Welche körperlichen Erkrankungen müssten Sie zuallererst durch weitere Fragen ausschließen? –> Hyperthyreose – Hypoglykämie – Koronare Herzkrankheit (z.B. Angina pectoris) – Epilepsie – Asthma bronchiale
Prüfer: Wenn Sie eine körperliche Verursachung ausgeschlossen haben: Welche psychischen Erkrankungen müssten Sie durch weitere Fragen abklären? –> Panikstörung; Agoraphobie; Herzangstsyndrom; soziale Phobie; Klaustrophobie; Akrophobie etc.
Beispiel 2:
Prüfer: Jemand kommt stark untergewichtig in Ihre Praxis. Welche körperlichen Ursachen müssten Sie vorweg abklären, bevor Sie die Diagnose „Magersucht“ in Betracht ziehen:
–> Colitis ulcerosa – Morbus Crohn – Unverträglichkeit von Nahrungsmitteln – Hyperthyreose – Hirntumor – Krebserkrankung
Prüfer: Was müssten Sie – abgesehen von der Diagnose Magersucht – als DD noch in Betracht ziehen (psychische Ursachen): schwere depressive Episode (somatisches Syndrom) – wahnhafte Störung (z.B. Vergiftungswahn) – Missbrauch von Stimulanzien
Beispiel 3:
Prüfer: Eine Grundschullehrerin kommt wegen Ängsten und depressiven Verstimmungen in die Praxis. Vor dem Unterricht habe sie mehrmals alles verschwommen gesehen, außerdem habe sie offensichtlich Kreislaufprobleme: In Stresssituationen habe sie des Öfteren ein seltsames Kribbeln oder auch ein pelziges Gefühl in den Händen oder den Füßen. Oft sei sie so erschöpft, dass sie sich in einer Freistunde im Lehrerzimmer hinlegen müsse.
Diagnose: Organische Depression als Folge von MS oder eines Hirntumors. Im Anschluss daran diverse Fragen zur Entstehung von MS, Behandlungsmöglichkeiten, Verlauf und Auftretenswahrscheinlichkeit.

Übrigens: In meinem Kurzlehrbuch „Psychiatrie leicht verstehen“ gibt es zu jedem Krankheitsbild nicht nur eine dazu passende Fallgeschichte, sondern auch einen Abschnitt mit Hinweisen zu verschiedensten Differenzialdiagnosen. Das Buch erscheint Mitte Oktober 2017. Weitere Merkmale: 150 spannende und einprägsame Fallgeschichten, in denen die Diagnosekriterien nach ICD 10 hervorgehoben sind. Dazu eine eingängige Sprache und mehrfaches Wiederholen von Fachbegriffen, Symptomen und Diagnosekriterien sowie zahlreiche Illustrationen, Merkwörter und Gedächtnisstützen, die helfen sollen, das Gelernte auch in der Prüfungssituation leicht abzurufen.

Tipps für die mündliche Prüfung 2017/2018 (Teil 2)
Immer wieder wird uns berichtet, man brauche für die Prüfung keine psychotherapeutische Ausbildung. Dies ist allein schon durch die Gesetzesvorlage nicht gegeben, wo es heisst: Der Prüfling muss überdies „die Befähigung besitzen, Patienten entsprechend der Diagnose psychotherapeutisch zu behandeln“ und fähig sein, mit seiner Art von Psychotherapie „therapeutisch auf den Befund so zu reagieren, dass der Patient durch die konkrete Behandlung keinen gesundheitlichen Schaden erleidet“. Dies ohne eine Ausbildung in Psychotherapie zu gewährleisten wäre realitätsfremd. Behauptungen, man brauche für den „HP-Psych“ keine Psychotherapieausbildung widersprechen den gesetzlichen Vorgaben und Bedingungen des oben zitierten Urteils (BVerwG 3 C 34.90 vom 31.01.93). Angesichts der PLanungen aller Parteien, im Dezember 2017 durch gesetzliche Leitlinien die Zulassungsbedingungen zur HP-Prüfung zu verschärfen, ist nicht auszuschließen, dass auch in Bezug auf die Prüfung zum Heilpraktiker für Psychotherapie die psychotherapeutische Ausbildung der Prüflinge stärker als bisher hinterfragt wird.

Schriftliche Prüfung zum Heilpraktiker für Psychotherapie im Oktober 2016

Die gestrige schriftliche Prüfung war – denke ich – gut machbar. Die Lösungen stehen seit 13.00 Uhr im Netz unter www.forum-gilching.de (Prüfung März 2016). Ab sofort finden Sie alle Fragen mit Lösungen und Kurzkommentaren auf derselben Seite/Menu linke Spalte. Ein paar Fragen haben vielen Prüflingen Probleme bereitet, deshalb in der Folge einige Erläuterungen hierzu. Die Bezifferung bezieht sich auf Gruppe A, dahinter Gruppe B.

Frage 1 // 14: Aussagenkombination. Verschiedene körperliche Erkrankungen können mit Symptomen einer Panikattacke einhergehen. Hierzu zählen
(1) Hyperthyreose
(2) Hypoglykämie
(3) Koronare Herzkrankheit
(4) Zerebrales Anfallsleiden
(5) Asthma bronchiale

Hier sind alle richtig, auch die Hypoglykämie (Unterzuckerung). Bei Hypoglykämie treten u.a. auf: Herzklopfen, Herzrasen, Angstzustände, Panikattacken, Ohnmachtsgefühle, Schweißausbrüche, Übelkeit etc.. In schweren Fällen können Bewusstseinsstörungen bis hin zu komatösen Zuständen die Folge sein.

Zu Frage 6 // 10, Spider naevi als Folge von Alkoholmissbrauch
Zu Antwort C: Spider naevi (Spinnennävi, Gefäßsternchen) auf der Haut sind ein möglicher Hinweis auf eine Leberzirrhose
Kommentar: Spider naevi sind gutartige arterielle Gefäßneubildung der Haut (oft im Gesicht). Ausgehend von einem zentralen, erhabenen und etwa stecknadelkopfgroßen Gefäßknötchen ziehen dünne Ausläufer (Gefäßreiserchen) spinnen- oder sternartig nach außen. Ursache ist eine Lebererkrankung/Leberzirrhose, oft als Folge von langjähriger Alkoholabhängigkeit. Eine Illustration finden Sie unter Wikipedia.

Frage 7 // 15: Aussagenkombination. Antriebssteigerung ist ein typisches Symptom bei
(1) agitierter Depression
(2) hebephrener Schizophrenie
(3) Stimulanzieneinnahme
(4) manischer Episode
(5) Hypothyreose
B Nur die Aussagen 3 und 4 sind richtig.
Zu 1: Eine psychomotorische Agitiertheit ist etwas Anderes als eine Antriebssteigerung. Eine Antriebssteigerung ist eine zielgerichtete Zunahme an Energie und Initiative. Der Zustand der motorischen Unruhe bei der agitierten Depression ist ein rastloser Bewegungsdrang, der ins Leere läuft. Typisch sind z.B.: zielloses Umherlaufen in der Wohnung, Nesteln, Aufräumen, nicht zur Ruhe kommen etc. Gleichzeitig sind die Betroffenen jedoch müde (nicht voll Energie) und erschöpft. Im Internet und in Fachbüchern wird diese Unterscheidung kontrovers diskutiert: bei Möller-Laux (S.71) wird klar zwischen Antriebssteigerung und motorischer Unruhe unterschieden.Dazu ein Link zu www.psychologielexikon.com:
Psychologielexikon.
Inzwischen hat sich herausgestellt, dass die Prüfer C: 1, 3 und 4 als richtig gewertet haben. Dass 1 richtig sein soll, ist nach Ansicht von Fachleuten nicht nachzuvollziehen: Es gibt hierzu mehr als ein Dutzend Fundstellen in der Literatur und im Internet. Inzwischen haben mehrere meiner Schüler deshalb das Ergebnis ihrer Prüfung angefochten (offiziell: Widerspruch eingelegt) mit der Begründung, bei dieser Frage seien zwei Lösungen möglich. Hierfür haben sie z.B. obige Fundstelle (Psychologielexikon) ausgedruckt und mit eingereicht. Das Ergebnis steht noch aus.

Frage 9 // 25 (P 16-2): Welche der folgenden Aussagen zum schizophrenen Residuum (nach ICD-10 treffen zu?
(1) Beim schizophrenen Residuum handelt es sich um die depressive Phase nach Abklingen der akuten Episode einer Schizophrenie
(2) Vorherrschend sind paranoid-halluzinatorische Phänomene
(3) Charakteristisch sind eine psychomotorische Verlangsamung sowie die Vernachlässigung der eigenen Körperpflege
(4) Mehrere „negative“ Symptome waren während der vorangegangen 12 Monate vorhanden
(5) Im Rahmen der Differentialdiagnose sollten eine Demenz oder eine chronische Depression ausgeschlossen werden
D Nur die Aussagen 3, 4 und 5 sind richtig.
Zu 1: Beschrieben wird unter (1) die postschizophrene Depression (Dauer: mindestens 2 Wochen, Mischung zwischen depressiver Episode und einigen Restsymptomen der Schizophrenie, auch Positivsymptome!), nicht das schizophrene Residuum. .

Frage 17 // 21 (P 16-2): Suizidalität
(1) Suizidversuche bei Patienten sind für Heilpraktiker meldepflichtig
(2) Bei der überwiegenden Zahl der Suizide besteht keine psychische Erkrankung
(3) Ältere, alleinstehende Männer haben eine erhöhte Suizidrate
(4) Die Wiederholung eines Suizidversuchs im weiteren Lebensverlauf ist äußerst selten
(5) Bei Angststörungen ist die Suizidalität höher als bei der Allgemeinbevölkerung
C Nur die Aussagen 3 und 5 sind richtig.
Zu 5: Bei den Ursachen für Suizidalität werden Angststörungen häufig nicht erwähnt. Trotzdem ist bei Angststörungen die Suizidalität höher als bei der Allgemeinbevölkerung. Verschiedene Untersuchungen erbrachten bei Angsterkrankungen ein etwa 10faches Risiko für Suizidalität im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung. Überdies führt eine unbehandelte Angststörung oft zu einer Depression, viele Betroffene entwickeln zusätzlich eine Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit; diese Komplikationen bergen wiederum ein beträchtliches Risiko für Suizidversuche und vollendete Suizide.

Frage 21 // 7 (P 16-2): Inhaber einer auf das Gebiet der Psychotherapie beschränkten Heilpraktikererlaubnis sind grundsätzlich befugt zur
(1) Feststellung einer psychischen Erkrankung
(2) begleitenden Verordnung von beruhigend wirkenden Betäubungsmitteln
(3) Anwendung kognitiver Verhaltenstherapie
(4) Anwendung von Gesprächspsychotherapie
(5) Stellen einer Diagnose im Sinne der ICD-10
D Nur die Aussagen 1, 3, 4 und 5 sind richtig.
Da es in Bezug auf das Thema „Was darf ein HP-Psdych? Was nicht?“ immer wieder Diskussionen gibt, hier zunächst die gesetzliche Grundlage. Juristisch bindend ist das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 21.1.1993, deren wichtigsten Punkte hier zusammengefasst werden:

Der Prüfling muss „die Befähigung haben, seelische Krankheiten und Leiden … als solche zu erkennen … Er muss „die Befähigung besitzen, Patienten entsprechend der Diagnose psychotherapeutisch zu behandeln“; und er muss fähig sein, mit seiner Art von Psychotherapie „therapeutisch auf den Befund so zu reagieren, dass der Patient durch die konkrete Behandlung keinen gesundheitlichen Schaden erleidet.“

Bei der Beantwortung obiger Frage ist aber noch ein zweiter Punkt wichtig: was genau bedeutet das Wort „grundsätzlich“? Das Wort „grundsätzlich“ hat in der Rechtssprache und Medizin eine andere Bedeutung als in der Umgangssprache. Umgangssprachlich wird es meist im Sinne von „ausnahmslos“ gebraucht (z.B. „das tue ich grundsätzlich nicht“ = „nie“, „auf keinen Fall“). Dagegen bedeutet „grundsätzlich“ in der Rechtssprache und in der Medizin dasselbe wie „prinzipiell“, d.h.: Prinzipiell/vom Grundsatz her ja, aber nur unter bestimmten Bedingungen. Ein HP-Psych darf also prinzipiell/grundsätzlich kognitive VT/GT/Psychoanalyse etc. anwenden – unter der Bedingung, dass er die Befähigung besitzt, mit seiner Art von Therapie „so auf den Befund zu reagieren, dass der Patient durch die konkrete Behandlung keinen gesundheitlichen Schaden erleidet.“ Er darf also mit kognitiver VT, Psychoanalyse, Dialektisch-Behavioraler Therapie (DBT), Arbeit am Tonfeld, Ego-State-Therapie etc. etc. etc. arbeiten, wenn er dies auf Grund seiner Ausbildung und seiner Praxiserfahrung verantworten kann. Andernfalls ist er „eine Gefahr für die Volksgesundheit.“

Frage 23 // 17 (P 16-2): Einfachauswahl. Das Verhalten eines Patienten erscheint Ihnen sonderbar, bizarr, gekünstelt, unnatürlich. Welcher psychopathologische Begriff trifft hierfür am ehesten zu?
A Parathymie
B Affektlabilität
C Logorrhö
D Manierismen
E Mutismus
D ist richtig. Nicht verwechseln! Manieriertheit ist etwas Anderes als Parathymie! Wenn jemand beispielsweise bei einer Beerdigung fröhlich ist oder lächelnd erzählt, dass man ihn umbringen wolle, passen Emotion und Verhalten nicht zusammen (= Parathymie). Bei Manierismen hingegen bewegen sich die Betroffenen bizarr und unnatürlich. Ihre Redeweise ist gestelzt, schwülstig, pathetisch. Auch die Mimik ist „gekünstelt und aufgesetzt“. Manierismen sind typisch für die hebephrene Schizophrenie.

HP-Psychotherapie: Schriftliche Prüfung vom 16. März 2016

Die heutige schriftliche Prüfung war – denke ich – gut machbar. Die Lösungen stehen seit 13h im Netz unter Forum-Gilching.de (Prüfung März 2016). Ab morgen finden Sie alle Fragen mit Lösungen und Kurzkommentaren auf derselben Seite/Menu linke Spalte. Bei einer Analyse der einzelnen Prüfungsfragen ergeben sich Schwerpunkte, die sich z.T. wesentlich von den früheren Prüfungen unterscheiden:

1. An erster Stelle stehen mit 7 Fragen die psychogenen Störungen (ICD-10: F4), wenn man das Messie-Syndrom (= zwanghaftes Horten) dazu zählt.
2. An zweiter Stelle steht mit 4 Fragen das Thema „psychotrope Substanzen“ (Kokain, Cannabis, Alkohol, synthetische Kräutermischungen –> in der Frage „psychiatrische Notfälle“). Das sind weit mehr Fragen zu diesem Thema als in früheren Prüfungen.
3. An dritter Stelle stehen mit drei Fragen die affektiven Störungen
4. An vierter Stelle stehen mit je 2 Fagen: Verhaltenstherapie; formale/inhaltliche Denkstörungen; Suizidalität+Unterbringung; organische psychische Störungen (eine davon in der Frage „psychiatrische Notfälle“).
5. Von den weiteren Themen gab es nur je ein Frage. Themen: Schizophrenie, Alzheimer, Parkinson, Essstörungen, Legasthenie, paranoide Persönlichkeitsstörung und Akathisie.

Fragen zur medikamentösen Behandlung von schweren Depressionen und schizophrenen Störungen fehlten diesmal, ebenso Fragen zur Plus-/Minus-Symptomatik bei Schizophrenie und zur Freudschen Psychoanalyse. Gerade beim Thema Psychotherapie ist eine massive Verschiebung in Richtung VT feststellbar. Seit 2012 findet sich nur noch sporadisch eine Frage zur Psychoanalyse, und dann in der Regel nur zu den Abwehrmechanismen, die ja auch bei anderen Therapieformen eine Rolle spielen.

Kommentare zu einigen Prüfungsfragen (Gruppe A):
► Zu Frage 5: Synthetische Kräutermischungen. Bei den im Handel erhältlichen „Kräutermischungen“ handelt es sich offiziell um „Räuchermischungen“ die zur Raumluftaromatisierung gedacht sind. Konsumenten rauchen sie jedoch. Die Wirkung ist ähnlich wie bei Cannabis. Da sich die „Kräutermischungen“ aus unterschiedlichen pflanzlichen Bestandteilen und (häufig) synthetischen Cannabinoiden und anderen synthetischen Rauschstoffen zusammensetzen, können beim Rauchen massive psychotische Symptome auftreten. Auch über gefährliche körperliche Reaktionen bis hin zu Bewusstlosigkeit und Koma gibt es Berichte. Die erste Droge dieser Art war „Spice“, später kamen anders zusammengesetzt synthetische Kräutermischuzngen huinzu, z.B. Lava Red, Monkey go bananas, Bonzai, Bloom, Maya, PI, OMG, Sweed und Space.

► Zu Frage 22: Begleitsymptome bei Morbus Parkinson: Die „Bradyphrenie“ (Verlangsamung der geistigen Funktionen) äußert sich u.a. darin, dass sich bei vielen Parkinson-Patienten eine Demenz entwickelt. In der Fachliteratur findet sich auch der Hinweis, dass die Erkrankung oft mit Affektlabilität, z.B. enthemmtem Lachen oder Weinen einhergeht.

► Zu Frage 17: Akathisie. Die als Akathisie bezeichnete Sitzunruhe ist meist die Folge einer Behandlung mit Neuroleptika (in der Frage nicht erwähnt; nur durch Analyse der Symptome zu erschließen). Sie äußert sich in einer inneren Unruhe und einem nicht bezwingbaren Bedürfnis, sich zu bewegen. Dies macht es für die Patienten unmöglich, eine sitzende oder stehende Körperhaltung für längere Zeit beizubehalten.

► Zu Frage 28: Messie-Syndrom. Das Messie-Syndrom findet sich nicht in der ICD-10. Obwohl sich das Wort aus dem Englischen herleitet (mess = Chaos, Unordnung, Durcheinander), heisst die Störung im DSM-5 „compulsive hoarding“, d.h. „zwanghaftes Horten“. Meist verbirgt sich hinter dem zwanghaften Sammeln und Nicht-Wegwerfen-Können die zwanghafte Angst, sich von Dingen zu trennen, die man vielleicht noch brauchen könnte. In vielen Fällen steckt hinter einer vermüllten Wohnung aberauch eine schwere depressive Episode mit dazugehöriger Störung des Antriebs, so dass die Betroffenen unfähig sind aufzuräumen, Dinge wegzuwerfen oder den Müll zuz entsorgen. — Viele Menschen mit Messie-Syndrom ziehen sich von den Mitmenschen zurück und leben sozial isoliert.

Heilpraktiker für Psychotherapie: Erlaubte Therapieverfahren – was darf man im Mündlichen sagen?

1. Immer wieder werde ich in meinen Kursen wie auch in meinem Blog gefragt, welche Therapieverfahren ein HP-Psych anwenden bzw. mit welchen Klienten er arbeiten oder auch nicht arbeiten darf. Dies Frage ist relativ eindeutig zu beantworten, wenn es um die schriftliche Prüfung geht: für jeden Heilpraktiker gelten die Prinzipien der Therapiefreiheit und der Sorgfaltspflicht. Ein Heilpraktiker für Psychotherapie darf also jede Art von Psychotherapie anwenden, wenn gewährleistet ist, dass er auf Grund seiner Ausbildung „die Befähigung hat, Patienten entsprechend der Diagnose psychotherapeutisch zu behandeln“. Ein HP-Psych darf somit verhaltenstherapeutisch arbeiten, wenn er eine fundierte Ausbildung hierzu absolviert hat; deshalb darf er auch – wie in einer Prüfungsfrage der Herbstprüfung 15-2 – Störungen behandeln, für die i.d.R. die Verhaltenstherapie angewandt wird. Er darf natürlich auch mit Hypnose arbeiten, mit Kunst-, Gestalt- und Gesprächstherapie, mit systemischer Familientherapie, Tanztherapie, Arbeit mit dem Tonfeld etc. Und: Er darf auch psychoanalytisch arbeiten, wenn er eine entsprechende Ausbildung (z.B. als Laienanalytiker) absolviert hat. Einige Fragen zum Thema „Welche Therapieverfahren darf ein HP-Psych anwenden?“ finden Sie unter Punkt 3.

In diesem Zusammenhang noch ein Wort zum Begriff „Psychotherapie„: Das Wort Therapie kommt vom griechischen „therapeia“ und bedeutet: „Heilung/Linderung einer Erkrankung“. Psycho-Therapie bedeutet somit: Heilung oder Linderung einer psychischen Erkrankung. Wenn jemand allerdings ein Verfahren gelernt hat, mit dem man vorwiegend mit Gesunden arbeitet (z.B. Coaching; Lebensberatung), so zählt dies nicht zur Psychotherapie. Wenn jemand damit – als HP-Psych oder Laie – psychisch Kranke behandelt, ist er ebenso eine „Gefahr für die Volksgesundheit“ wie ein großer HP oder HP-Psych, der mit einem Wochenendkurs Hypnose, Gesprächstherapie oder Familienstellen Menschen mit einer Angststörung, einer Zwangserkrankung oder einer PTBS zu behandeln versucht.

2. Schwieriger ist die Beantwortung der Frage, wenn es um die mündliche Prüfung geht: da wollen die Prüfer nicht wissen, welche Therapie Sie „grundsätzlich“ ausüben dürfen, sondern ob Sie die in der Fallgeschichte diagnostizierte psychische Störung mit Ihrer Art von Psychotherapie behandeln oder an einen „Experten“ abgeben. In meinem Buch „Sicher durch die mündliche Prüfung“ habe ich deshalb die unter (1) genannten Aussagen etwas relativiert, denn im Mündlichen hat es der Prüfling mit Prüfern zu tun, die entweder Anhänger der Psychoanalyse sind (augenblickliche eher selten) oder sich der Verhaltenstherapie verschrieben haben. Meist ist unter den Prüfern ein Psychologischer Psychotherapeut: Die Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten umfasst mindestens 4.200 Stunden, sie dauert in der Vollzeitform mindestens 3 Jahre und in der berufsbegleitenden Form mindestens 5 Jahre. Hier wäre es unklug zu behaupten: Ich habe eine Ausbildung in VT gemacht und werde den Klienten mit seiner Phobie/Angststörungen/Zwangsstörung/Depression verhaltenstherapeutisch behandeln. Besser ist es zu sagen: Bei einer Phobie/Zwangsstörung etc. hat sich die VT bewährt… Ich werde den Klienten also raten, zu einem Verhaltenstherapeuten zu gehen. Meist kommt dann die Zusatzfrage: Welche Art von VT ist hier am besten geeignet (klassische VT? Kognitive VT? Muss der Prüfling erklären können!).

Zur Illustration hier noch ein Beispiel: In einer mündlichen Prüfung ging es kürzlich um einen jungen Mann mit einer Agoraphobie. Die Frage an den Prüfling: „Wie gehen Sie hier therapeutisch vor? -“ Prüfling (Ausbildung in Gesprächstherapie): „Eigentlich dürfte ich den Klienten behandeln, aber bei Phobien hat sich die VT bewährt.“ – Prüferin am Ende der Prüfung: „Nicht bestanden. Ihr größter Fehler war zu sagen, Sie dürften den Mann behandeln – das dürfen Sie nicht!“

3. Welche Therapieverfahren darf ein Heilpraktiker für Psychotherapie ausüben?
Hier einige Originalprüfungsfragen der Jahre 2003 bis 2015:

Prüfung 2003: Mehrfachauswahlaufgabe. Ein Therapeut besitzt eine auf das Gebiet der Heilkundlichen Psychotherapie beschränkte Erlaubnis nach dem Heilpraktikergesetz. Welche der folgenden Verfahren oder Techniken darf dieser Therapeut anwenden? Wählen Sie drei Antworten!
□ A Entspannungstraining
□ B Psychoanalyse
□ C Akupressur
□ D Testpsychologische Untersuchungen
□ E Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie zur Krebsbehandlun

Frage 1 (P 13-1): Aussagenkombination. Welche der folgenden Verfahren zählen zu den Psychotherapieverfahren?
(1) Hypnose
(2) Gestalttherapie
(3) Lichttherapie
(4) Psychodrama
(5) EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing)

□ A Nur die Aussagen 1 und 2 sind richtig
□ B Nur die Aussagen 1 und 4 sind richtig
□ C Nur die Aussagen 3, 4 und 5 sind richtig
□ D Nur die Aussagen 1, 2, 4 und 5 sind richtig
□ E Alle Aussagen sind richtig

Frage 27 (P08-2): Aussagenkombination. Welche der folgenden Verfahren zählen zu den Psychotherapieverfahren?
(1) Hypnose
(2) Gestalt-Therapie
(3) Elektrokrampf-Therapie
(4) Psychodrama
(5) Homöopathie

□ A Nur die Aussagen 1 und 2 sind richtig
□ B Nur die Aussagen 1 und 4 sind richtig
□ C Nur die Aussagen 3 und 5 sind richtig
□ D Nur die Aussagen 1, 2 und 4 sind richtig
□ E Alle Aussagen sind richtig

Frage 16 (P 15-2): Aussagenkombination. Inhaber einer auf das Gebiet der Psychotherapie beschränkten Heilpraktikererlaubnis sind grundsätzlich berechtigt zur psychotherapeutischen Behandlung von Patienten mit:
(1) Tic-Störung
(2) Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung
(3) Anpassungsstörung
(4) Angststörung
(5) Exhibitionismus

□ A Nur die Aussage 4 ist richtig
□ B Nur die Aussagen 2 und 3 sind richtig
□ C Nur die Aussagen 1, 2 und 4 sind richtig
□ D Nur die Aussagen 1, 3, 4 und 5 sind richtig
□ E Alle Aussagen sind richtig

HP-Psychotherapie: Schriftliche Prüfung vom Oktober 2015

Die schriftliche Prüfung vom Herbst 2015 (Heilpraktiker für Psychotherapie) war nicht leicht. Einige Fragen waren in den letzten 20 Jahren noch nie Thema – z.B. Fragen zur schizotypen Störung; oder dass Alzheimer und vaskuläre Demenz gemeinsam auftreten können (ICD-10/F00.2). Auch dass ein HP-Psych Tic-Störungen, ADHS oder Exhibitionismus behandeln darf, wenn er eine entsprechende Ausbildung (z.B. VT) absolviert hat, hat einige Teilnehmer verwirrt.

Auch die Frage zu den Ursachen für eine Intelligenzminderung empfanden viele Teilnehmer als schwierig. Wichtig hierbei: eine Intelligenzminderung entsteht meist (aber nicht immer) durch eine Schädigung im Mutterleib, bei oder kurz nach der Geburt. Allerdings gibt es auch Schädigungen des Gehirns zu einem späteren Zeit der frühkindlichen Entwicklung. Bei Wikipedia findet sich als Ursache einer Intelligenzminderung z.B. auch eine angeborene Hypothyreose oder eine Maserninfektion. Die Frage war eine „Falle“, denn bei einer normalen Hypothyreose (z.B. im Erwachsenenalter) ist die Folgeerkrankung eventuell eine Demenz, keine Intelligenzminderung. Unter Wikipedia finden sich als Ursachen für eine Intelligenzminderung:
• Pränatal genetisch-chromosomal (z.B.Trisomie 21) oder stoffwechselbedingt (z. B. Phenylketonurie oder Galaktosämie),
• Pränatal umweltbedingt. Viruserkrankungen (z. B. Röteln) oder Intoxikationen (Medikamente; Drogen wie Alkohol) und Hypoxien (z. B. durch mütterliches Rauchen während der Schwangerschaft).
• Pränatal multifaktorielle Ursachen sind bedingt durch hirnorganische Entwicklungsdefekte mit Epilepsien oder Hydrocephalus in der Folge.
• Perinatale Ursachen: Frühgeburtlichkeit oder Geburtstraumen.
• Postnatale Ursachen: Infektionen (z. B. Meningitis oder Enzephalitis), endokrinologisch (z. B. durch eine Hypothyreose); Impfschäden.

Zu Frage A16/B11: Was darf ein Heilpraktiker für Psychotherapie behandeln?
Grundlage hierfür ist das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 21.1.1993, deren zwei wichtigsten Punkte bei der Beantwortung obiger Prüfungsfrage hier zusammengefasst werden:
● Der Prüfling muss „die Befähigung haben, seelische Krankheiten und Leiden … als solche zu erkennen … um therapeutisch auf den Befund so zu reagieren, dass der Patient durch die konkrete Behandlung keinen gesundheitlichen Schaden erleidet.“
● Der Prüfling muss „die Befähigung besitzen, Patienten entsprechend der Diagnose psychotherapeutisch zu behandeln.“ Voraussetzung hierfür ist eine Ausbildung in einem psychotherapeutischen Verfahren, das nach allgemeinem Wissensstand i.d.R. für die entsprechende Störung angewandt wird. Häufig ist dies – z.B. bei leichteren Formen von ADHS, vorübergehenden Tic-Störungen, Angststörungen und Exhibitionismus – die Verhaltenstherapie. Jemand, der eine fundierte Ausbildung in Verhaltenstherapie absolviert hat, kann also durchaus auch einen Klienten mit Exhibitionismus behandeln, wenn er/sie hier schon Erfahrungenm gesammelt hat. Dass Exhibitionisten meist keine Krankheitseinsicht zeigen und i.d.R. nicht freiwillig in die Praxis kommen, sei nur nebenbei bemerkt.

Noch ein Wort zu psychischen Erkrankungen, die einen „Straftatbestand“ erfüllen: Wenn jemand unter seiner Störung leidet und bei einem HP-Psych Hilfe sucht, kann dieser eine Behandlung zwar ablehnen, darf aber auch Hilfe leisten, wenn er sich dazu befähigt fühlt und eine entsprechende Ausbildung absolviert hat. Ausnahme: Ein Klient erzählt mir, dass er ein schweres Verbrechen wie z.B. einen Mord oder eine Geiselnahme plant (!!!). In diesem Fall bin ich rechtlich verpflichtet, dies der Polizei zu melden (§ 138, StGB). Aus § 138/StGB geht indirekt aber auch hervor, dass ein Arzt oder Therapeut sich nicht strafbar macht, wenn er weniger schwere Vergehen nicht anzeigt. Auch bei früher vergangenen leichteren Verstößen gegen das Gesetz unterliegt er – ähnlich wie ein Anwalt oder ein Priester – der Schweigepflicht.

Unsere Lösungsvorschläge für beide Gruppen der schriftlichen Prüfung (Heilpraktiker Psychotherapie) finden Sie auf der Website des Forums Gilching unter
Forum-Gilching.de (Prüfung Oktober 2015)

Heilpraktiker Psychotherapie: Lerntipps für die schriftliche Prüfung (Teil 2)

Lerntipps füBuch - Sicher durch die mündliche Prüfungr die letzten Wochen vor der schriftlichen Prüfung

1. Wenn Ihr den Vorbereitungskurs zur HP-Prüfung (Psychotherapie) ganz oder größtenteils abgeschlossen habt, hat es sich als günstig erwiesen, gezielt einzelne Kapitel zu wiederholen. Viele meiner Kursteilnehmer verwenden zur Nachbereitung der verschiedenen Kapitel mein Buch Schriftliche Prüfung Heilpraktiker für Psychotherapie. Elsevier-Verlag, € 29,90. Die einzelnen Kapitel halten sich an die Einteilung der ICD-10. Anhand von Kurzfällen, kommentierten MC-Fragen, Kurztests und Überblicksgrafiken könnt Ihr überprüfen, ob Ihr das bisher Gelernte gut verstanden habt und auf eine Weise abrufen könnt, dass Ihr die 400 z.T. original Prüfungsfragen richtig beantworten könnt.

2. Um die Prüfungssituation mit 28 Prüfungsfragen zu simulieren, könntLernkartenNeu Ihr auf unserer Website www.forum-gilching.de alle Prüfungsfragen der Jahre 2010 bis 2015 (mit Lösungen und Kurzkommentaren) einsehen bzw. herunterladen und in den vorgeschriebenen 55 Minuten  schriftlich bearbeiten.

3. Die Lösungen zu den Prüfungsfragen auf unserer Website sind allerdings nur in wenigen Fällen kommentiert. Ausführliche Kommentare zu ALLEN Lösungsvorschlägen (ob richtig oder falsch) findet ihr in meinen eben erschienenen Lernkarten zur schriftlichen Prüfung mit 616 Original-Prüfungsfragen der Jahre 2004 bis 2014. Elsevier-Verlag, € 44,99.

 

 

 

HP-Psychotherapie: Lerntipps für die schriftliche Prüfung (Teil 1)

Psychologische und neurologische Erkenntnisse über das Lernen
(Zusammenfassung von Kap. 1 meines Buchs „Schriftliche Prüfung: Heilpraktiker für  Psychotherapie“. Elsevier-Verlag, € 29,90.)

Beim LeErscheinngsdatum: April 2014rnen auf die Prüfung haben Sie wahrscheinlich die Erfahrung gemacht, dass mühsam Gelerntes innerhalb kürzester Zeit  aus Ihrem Gedächtnis entschwunden ist. Diese Erkenntnis ist nicht neu: schon Ende des 19. Jahrhunderts konnte der Psychologe H.Ebbinghaus in verschiedenen Lernexperimenten nachweisen, dass wir bereits 20 Minuten nach dem Lernen sinnloser Silben 40 % des Gelernten nicht mehr abrufen können; nach einer Stunde haben wir über die Hälfte, nach einem Tag zwei Drittel, nach 6 Tagen über 85 % des Gelernten vergessen – vorausgesetzt es waren sinnlose Wörter; vorausgesetzt auch, das auswendig Gelernte wurde nicht wiederholt.

Inzwischen haben Lernpsychologen auf der Grundlage der Ebbinghaus’schen Lernkurve unser Wissen über erfolgreiches Lernen erweitert und hierbei wichtige Erkenntnisse gewonnen, die hier stichpunktartig zusammengefasst werden:

1. Viele Eingangskanäle ansprechen
Neu Gelerntes wird umso besser erinnert, je mehr „Eingangskanäle“ beim Lernen aktiviert werden (Hören, Sehen, Lesen, Sprechen, Schreiben, Zeichnen, Malen, Riechen, Schmecken etc.). Auf diese Weise kann sich das Gelernte an vielen verschiedenen Teilen des Gehirns mit den dort vorhandenen „Schaltkreisen“ verbinden.

2. Emotionale „Erregung“:
Bei Dingen, die uns emotional stark berühren, genügt ein einmaliges Erleben, damit sich das Ereignis lebenslang einprägt: die erste Liebe, der erste Kuss, ein wunderschöner Urlaubstag, aber auch traumatische Erlebnisse aus der Kindheit oder dem Erwachsenenalter bleiben oft so intensiv in unserem Gedächtnis haften, dass wir uns ein Leben lang daran erinnern. Die Erklärung hierfür findet sich in einem Merksatz, den wir uns für das Lernen zunutze machen sollten:
„Was uns emotional nicht berührt, wird schnell vergessen“
Oder umgekehrt: Je mehr Sie an dem, was Sie lernen, emotional beteiligt sind, desto besser und länger prägt sich das Gelernte ein. Das könnte damit beginnen, dass SHPmündlNeuauflageie Teile des Skripts in Stichworten zusammenfassen und dann laut sprechen, vor dem Spiegel vortragen, in einer Arbeitsgruppe erläutern oder auf ein Diktiergerät aufnehmen. Oder aber Sie schreiben wichtige Teile des Gelernten auf Karteikarten und erweitern Ihr Wissen durch Filmausschnitte, lebensnahe Fallgeschichten (z.B. aus meinem Buch „Sicher durch die mündliche Prüfung“); oder indem Sie – allein oder mit einem Freund/einer Freundin – im Rollenspiel z.B. einen Schizophrenen, einen Maniker, einen „Borderliner“ oder einen Menschen mit einer schizoiden/paranoiden/abhängigen Persönlichkeitsstörung imitieren (natürlich auf der Grundlage der Diagnosekriterien nach ICD-10).

Auf neuronaler Ebene kann man sich die Grundlagen für „emotionales Lernen“ vereinfacht folgendermaßen vorstellen:

Aus den unzähligen auf uns einstürmenden Sinneseindrücke wählt das Gehirn die Informationen aus, die es für wichtig erachtet, andere werden von vornherein abgeblockt. Die neuen Informationen werden über eine kleine Hirnregion mit dem Namen „Hippocampus“ („Seepferdchen“) verarbeitet. Der Hippocampus unterscheidet nochmals zwischen „wichtig“ (emotional erregend) und „unwichtig“ (emotional unbedeutend), ordnet die eingetroffenen Informationen und transferiert sich nach einigen Stunden bis Tagen in die „zuständigen“ Areale der Hirnrinde (des „Langzeitgedächtnisses“). Das funktioniert allerdings nur, wenn nicht ununterbrochen neue, wichtige Informationen den Hippocampus überfluten: dann nämlich werfen die neu ankommenden Lerninhalte die im Hippocampus kreisenden Informationen aus dem System – das vor ein paar Stunden Gelernte ist verschwunden. Ein mehrere Stunden andauerndes Lernen ohne Zwischenpausen ist dehalb kontraindiziert.

Lernprobleme gibt es auch, wenn jemand sich in einer emotionalen Krise befindet: die ständig kreisenden emotional „aufgeladenen“ Gedanken lassen kaum zu, dass neue, emotional weniger „erregende“ Lerninhalte, aufgenommen werden. Falls dies doch geschieht, wird das soeben Gelernte schnell von den belastenden Gedanken verdrängt und aus dem „System“ geworfen.

KONSEQUENZEN FÜR DAS LERNEN

(1) Denken Sie daran: Ihr Gehirn hat nur eine begrenzte Aufnahmefähigkeit, beschränken Sie sich deshalb beim Lernen auf die Themen, die für die Prüfung wichtig sind. Einen Überblick über besonders wichtige, weniger wichtige und nur selten überprüfte Themen finden Sie in meinem Buch „Schriftliche Prüfung: Heilpraktuiker für Psychotherapie.“ Das Buch eignet sich auch sehr gut dazu, um bestimmte Kapitel des Vorbereitungskurses zu wiederholen und anhand von Prüfungsfragen und Kurztests das eigene Wissen zu dem entsprechenden Themenbereich zu überprüfen.

(2) Kennzeichnen Sie beim Durchgehen Ihres Skripts oder Lehrbuchs durch farbiges Unterstreichen wichtiger Begriffe, was besonders wichtig ist. Diese einfache Technik hilft Ihrem Gehirn, aus der Fülle des Neuen das Wichtige herauszufiltern. Und vergessen Sie nicht, in einem zweiten Durchgang die unterstrichenen Passagen zu wiederholen.

(3) Beim Lernen sollten Sie Pausen einlegen, damit das Kurzzeitgedächtnis (der „Hippocampus“) genügend Zeit hat, die neuen Informationen zu ordnen und an die dafür zuständigen Hirnareale weiterzuleiten. Bewährt haben sich Lernphasen von 20, 30 oder maximal 60 Minuten, nach denen Sie bewusst eine 5-15-minütige Pause einlegen. Besonders günstig zum Lernen wichtiger Dinge ist die Zeit vor dem Schlafengehen, denn in der Nacht hat der Hippocampus genügend Zeit, das neu Gelernte zu verarbeiten.

(4) Sorgen Sie für eine entspannte Atmosphäre. Angst und Stress bewirken, dass Ihr Gehirn auf „Gefahr“ umschaltet, ein Zustand, in dem die kognitiven Instanzen weitgehend ausgeschaltet werden und ihr Hippocampus kaum Neues aufnehmen kann. Versuchen Sie deshalb, eine Lernatmosphäre zu schaffen, in der sie ihre Alltagsprobleme für einige Zeit beiseite schieben – indem sie sich bewusst eine gewisse Zeit zum Lernen reservieren, vorher eventuell kurz meditieren oder sich entspannen oder ihr Lernen durch Entspannungsmusik untermalen.

(5) Bitte vergessen Sie bei alldem nicht: Je stärker Sie beim Lernen emotional beteiligt sind, desto besser ist die Behaltensleistung, denn:
„Was uns emotional nicht berührt, wird schnell vergessen!“

Fernsehtipps Juni 2015: „Birdy“ – „Höhenangst“

Nach langer Wartezeit gibt es endlich einmal wieder einen sehenswerten Film, diesmal zum Thema „schizoide/schizotype Persönlichkeitsstörung“ und „Kriegstrauma“:

Birdy (ServusTV, Sa., 13. Juni 2015, 22.20h
Basierend auf dem Roman von William Wharton erzählt der Film vom Schicksal zweier junger Männer im Amerika der 60er Jahre: Birdy (Matthew Modine) und Alfonso (Nicolas Cage), genannt Al, wachsen gemeinsam in einem armseligen Vorort von Philadelphia auf. Der extravertierte Al redet gern und ist der Schwarm aller Mädchen. Sein menschenscheuer Freund Birdy dagegen lebt in einer Welt der Fantasie: Er umgibt sich am liebsten mit Tauben und Kanarienvögeln, die seinen Traum von Freiheit versinnbildlichen. Doch nicht nur seine verrückten Flugversuche holen Birdy auf den Boden der Tatsachen, auch der Vietnamkrieg verändert ihn zutiefst. Die Freunde werden einberufen.- Beide kehren zurück, doch das Leben eines jeden scheint zerstört. Al hat schwere Gesichtsverletzungen erlitten, Birdy hat ein schlimmes psychisches Trauma: Er sitzt in der Haltung eines sitzenden Vogels stumm und erstarrt in seinem Krankenzim¬mer und lässt sich wie ein Vogel füttern. Hat er neben seiner Persönlichkeitsstörung als Folge des Kriegs eine schwere dissoziative Störung (dissoziativer Stupor)? Oder eine sog. Kriegspsychose (schwere PTBS) ? Oder vielleicht eine Form der katatonen Schizophrenie?
Um ihn „zurückzuholen“, wird Al gebeten, seinen Freund durch Erzählungen über gemein¬same Jugenderleb¬nisse den Weg in die Wirklichkeit zurückfinden zu lassen. In Rückblenden erleben wir so Birdys Jugendzeit.

Für den scheuen, introvertierten Birdy kommen laut ICD-10 drei psychische Störungen in Betracht: 1. eine schizoide Persönlichkeitsstörung; 2. eine schizotype Störung; 3. eventuell: eine beginnende wahnhafte Störung.

Ein sehenswerter Film mit vielen humorvollen Szenen. Wer Zeit hat, unbedingt ansehen oder auf DVD aufnehmen.

„Bitte nicht zu hoch hinaus“ (BR Gesundheit, Die., 16. Juni 2015, 19.00h)

Ein Beitrag zu „Höhenangst“ (Akrophobie). Weitere Infos sind leider nicht verfügbar. Könnte interessant sein (vor allem die Vorschläge zur psychotherapeutischen Behandlung von Höhenangst).